Marken managen.
11.09.2025


KI im Recruiting
Künstliche Intelligenz ermöglicht schnellere, objektivere und effizientere Entscheidungen wie z.B. unser Artikel zur Corporate KI zeigt. In Bereichen wie dem Recruiting neuer Mitarbeitenden stellt die KI Unternehmen aber auch vor neue Herausforderungen in Bezug auf Datenschutz, Fairness und Candidate Experience. Im diesem Inside Artikel geben ESB Partner Einblicke, wie KI im Recruiting sinnvoll eingesetzt werden kann, welche Potenziale sich daraus ergeben und worauf es bei der Implementierung ankommt.
Gewinnbringendes Zusammenspiel von Mensch und Maschine
Zurich Schweiz setzt im Talent Acquisition Künstliche Intelligenz (KI) gewinnbringend ein. Bereits heute hilft sie, aus einem Pool vergangener Bewerbungen gezielt auf jene hinzuweisen, die stellenrelevante Erfahrungen und Fähigkeiten mitbringen. Dies erleichtert das Active Sourcing. Bei der Intervieworganisation bietet sie Bewerbenden automatisiert verschiedene Terminvorschläge an und koordiniert die gesamte Logistik und Korrespondenz. Bei der Erstellung von Stelleninseraten hilft sie, diese schneller und bezüglich Anforderungen an die Corporate Identity Vorgaben konsistenter zu produzieren. Der grösste Mehrwert liegt damit in der Effizienzsteigerung und Entlastung administrativer Aufgaben. Die damit gewonnene Zeit wird neu in die proaktive Gestaltung von Beziehungen zu Bewerbenden investiert und in die Umsetzung von strategischen HR-Zielen der Zurich Schweiz.
Während die Nutzung von KI im Personalselektionsprozess aus ökonomischer Sicht grosse Potentiale beinhaltet, gilt es bei ihrer Implementierung Konformität zu EU- und schweizweit geltenden Regulatorien sicherzustellen. Im Umgang mit KI-generierten Ergebnissen sind zudem Sensibilisierung und Schulung zentral. Ich bin überzeugt, dass im Talent Acquisition auch künftig Mehrwert durch KI generiert werden kann, menschliche Intuition und Empathie in der Personalselektion jedoch unersetzlich bleiben. Zurich setzt im Talent Acquisition daher auch künftig auf das gewinnbringende Zusammenspiel von Mensch und Maschine.
Robert Friedrich, Head of Talent Acquisition, Zürich Versicherungs-Gesellschaft

Unterstützung, wo sie Mehrwert bringt – Entscheidungen bleiben beim Menschen
Bei Infront setzen wir künstliche Intelligenz bereits gezielt im Recruiting ein – mit dem Anspruch, Prozesse effizienter und zugleich praxisnah zu gestalten. So nutzen wir KI etwa für die Erstellung und Optimierung von Stellenausschreibungen, die wir auf unterschiedliche Zielgruppen zuschneiden. Auch im active sourcing unterstützt uns KI, indem über unsere etablierten Kanäle Profile mit Anforderungsbildern abgeglichen werden und wir schneller passende Kandidatinnen und Kandidaten identifizieren können.
Wichtig ist uns dabei: KI unterstützt, der Mensch trifft die Entscheidung. Die Verantwortung für die Auswahl liegt bei unseren Recruiterinnen und Recruitern sowie Führungskräften. Datenschutz, Transparenz und ein fairer Auswahlprozess haben dabei oberste Priorität.
Weitere Einsatzfelder wie Chatbots in der Bewerberkommunikation, automatisierte Bewerbervorauswahl oder KI-gestützte Onboarding-Hilfen beobachten wir aufmerksam. Für unsere Unternehmensgröße stehen diese Themen aktuell jedoch nicht im Vordergrund. Unser Fokus liegt darauf, KI dort einzusetzen, wo sie spürbaren Mehrwert bringt – ohne den menschlichen Faktor zu ersetzen.
Julian Josten, Director People & Infrastructure, Infront Sports & Media

KI oder Automatisierung kann den menschlichen Recruiter im echten Recruiting-Dialog noch nicht ersetzen
Meiner Meinung nach sollten wir Stand 2025 eher noch von Automatisierung im Recruiting sprechen, statt von künstlicher INTELLIGENZ.
Automatisierung kann z.B. beim CV-Parsing zum Einsatz kommen, bei der Erstellung von Stellenspezifikationen, beim Matching von Kandidaten und Jobs und beim quasi-Monopolist LinkedIn, der eh schon vieles automatisiert, nicht nur über den – teuren - LinkedIn Recruiter.
KI oder Automatisierung kann den menschlichen Recruiter im echten Recruiting-Dialog noch nicht ersetzen, was vor allem an der mangelnden Akzeptanz der Bewerber liegt, die wenig überraschend „künstlich“ oder „artificial“ als unpersönlich, weniger vertrauenswürdig und kaum wertschätzend wahrnehmen. Kann man verifizieren bei BCG & The Network (2023), in „KI im Recruiting“ der internationalen Hochschule ui (2024) oder im „Recruiting Benchmark“ und dem „Quo Vadis Recruiting“ des Beratungsunternehmens ICR aus 2019 und 2024.
Zum Einsatz kommt KI aber bereits vielfach: alle ATS-Systeme (von Personio bis Workable) automatisieren, LinkedIn automatisiert, Headhunter--Tools (von HR4You bis starhunter) automatisieren. Sei es beim Versand von Korrespondenzen oder dem Matching von Kandidaten und Jobs. Und bei hoch repetitiven Aufgaben und sehr hohem Recruiting-Volumen kann man, wenn man denn will, auch schon fast vollautomatisiert durchrekrutieren, z.B. mit Torre.ai, Humanly oder Paradox.
Das Thema bleibt aber spannend und verändert sich quasi monatlich.
Steffen Busch, Inhaber, Summit Personal.Marketing

Mehr Zeit für den Dialog mit Kandidat:innen
KI kann im Recruiting vor allem repetitive und zeitintensive Aufgaben vereinfachen – etwa das Screening von Lebensläufen, das Matching von Profilen mit Stellenanforderungen oder die Automatisierung von Interviewterminierungen. Dadurch gewinnen Recruiter mehr Zeit für den eigentlichen Dialog mit Kandidat:innen und die strategische Personalarbeit.
Gleichzeitig zeigen Beispiele wie Unilever, die das erste Interview komplett mit einer KI durchführen, wie ambivalent der Einsatz sein kann: Effizienz und Skalierbarkeit steigen, doch für Bewerber kann die Candidate Experience anonym und unpersönlich wirken. Hinderlich wird KI also überall dort, wo Vertrauen, Empathie und kulturelle Passung im Vordergrund stehen.
Auf dem deutschen Markt kommen bereits spezialisierte KI-Tools zum Einsatz. Retorio aus München bietet videobasierte Analysen für Recruiting- und Entwicklungsprozesse, steht aber zugleich wegen möglicher Bias-Effekte in der Kritik. flynne unterstützt Unternehmen wie SAP beim automatisierten Matching von Skills und Stellenprofilen, während Talmundo – genutzt u. a. von Lidl und Lufthansa – KI im Onboarding einsetzt. Ergänzend liefert Visier datenbasierte Recruiting-Analysen. Wichtig bleibt, alle Lösungen DSGVO- und Fairness-konform einzubinden.
Mario Janzen, Founder/CEO, menter Digital

KI als Verstärkung des Menschen
Chatbots und KI-gestützte Assistenten im Recruiting können echte Gamechanger sein. Sie übernehmen zeitintensive Standardaufgaben wie Terminvereinbarungen oder Status-Updates und sorgen dafür, dass Bewerber:innen schnell, konsistent und individuell informiert werden. Gleichzeitig unterstützen sie Recruiter:innen, indem sie interne Wissensquellen durchsuchen und sofort Antworten auf prozessrelevante Fragen liefern – auch beim Onboarding ein großer Vorteil.
Herausfordernd wird KI allerdings dort, wo es um Fairness und Transparenz geht. Algorithmen können vorhandene Bias verstärken oder Kandidat:innen nach nicht nachvollziehbaren Kriterien aussortieren. Hier braucht es klare Leitplanken und regelmäßige Audits.
Neben Chatbots und KI-gestützten Assistenten nutzen viele Unternehmen weitere Tools, etwa zur Optimierung von Stellenanzeigen, zum Skill-Matching oder für Videointerviews. Wichtig ist, dass KI nicht als Ersatz, sondern als Verstärkung des Menschen verstanden wird – ein Partner, der Geschwindigkeit und Präzision liefert, während Recruiter:innen Empathie und Fairness einbringen.
Oleksandr Kotsyuba, CEO, BITECC™











