Neu Registrieren

Ob Fitnessabo, Gesundheitstag oder Yoga über Mittag: Viele Unternehmen investieren in die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden – erreichen damit jedoch häufig nur jene, die ohnehin bereits aktiv sind. Entscheidend ist deshalb nicht die Anzahl der Angebote, sondern ihre Integration in den Arbeitsalltag. Im Expertview spricht Niklaus Jud von UNIK Sports darüber, wie niederschwellige Bewegungsimpulse, digitale Formate und gemeinsame Erlebnisse langfristig das Verhalten verändern können – und weshalb Corporate Health zunehmend zu einer Frage der Unternehmenskultur wird.

Viele Unternehmen bieten bereits Gesundheitsmassnahmen an. Warum bleibt die tatsächliche Beteiligung trotzdem häufig gering?

Hier haben wir in der Vergangenheit verschiedene Herausforderungen bzw. Hebel für die Teilnahme erörtert. Essentiell sind dabei sicher drei Hauptthemen:

Erstens ist es die mangelnde Integration in die Unternehmenskommunikation. Die besten Massnahmen werden nicht laufen, wenn sie in der Menge aller Informationen untergehen oder nicht attraktiv kommuniziert werden. Aus diesem Grund wollen wir in Konzepten, die wir mit unseren Kunden erstellen, nicht nur das HR am Tisch haben. Die Schnittstelle zur Kommunikation muss auch gegeben sein. 

Ein anderer Knackpunkt ist Art der Inszenierung und Informationsvermittlung. Mitarbeitende wollen nicht jemanden vor sich haben, der ihnen quasi aus dem Theoriebuch erzählt, was sie denn machen sollten. Das lesen und hören sie auch in anderen Medien. Sie brauchen Ideen und Vorschläge für die Umsetzung, das mit der Theorie in Verbindung gebracht wird. Damit werden die Vorbereitung und die Zusammenarbeit mit der Zielgruppe auch zu einem entscheidenden Faktor.

Und zu guter Letzt muss das Thema und die Teilnahme auch wirklich auf allen Ebenen gestützt und gefördert werden. Mitarbeitende, das Interesse hätten oder es nötig hätten fallen nicht selten aus, weil andere Teamkollegen oder Vorgesetzte die "Termine für die persönliche Gesundheitsförderung" dann doch einfach überbuchen oder streichen. So lange diese Termine nicht genug Gewicht erhalten oder als "unproduktiver Zeitvertreib" kategorisiert werden, traut sich auch niemand, sich die Zeit dafür frei zu schaufeln.

Warum erzielen kurze, regelmässige Aktivierungen oft mehr Wirkung als einzelne Gesundheitstage oder grosse Fitnessprogramme?

Beim Thema persönliche Gesundheitsförderung geht es einerseits um die Umsetzbarkeit sowie um physiologische und kognitive Voraussetzungen, die in unseren Genen steckt.

Was die Umsetzbarkeit betrifft, ist es wie in vielen anderen Themen auch: Die "Taktik der kleinen Schritte" ist einfacher in den Alltag zu integrieren. Zudem fällt es uns gerade in der Startphase einer Gewohnheitsbildung leichter, mehrere aber kleine Aktivitäten zu absolvieren. Das hat den Vorteil, dass wir uns einerseits nicht so stark überwinden müssen und andererseits durch die gemachten Erfolgserlebnisse motiviert bleiben.

Wenn es um unseren Körper und unseren Kopf geht, dann hat das alte Zitat "Wer rastet rostet" alles andere als ausgedient. Wenn wir uns regelmässig über den Tag verteilt bewegen, wenn auch nur kurze Wege, dann sorgt das für eine Aktivierung von Herz, Muskeln, Blut- und Sauerstoffkreislauf. Das sorgt dafür, dass die "Hardware" und der Stoffwechsel aktiv bleiben. Davo profitiert auch die "Software" (Kopf). Wenn wir am Arbeitsplatz ein paar Mobilitätsübungen machen, kurz an die frische Luft gehen oder den Kaffe "to go" geniessen, anstatt ihn vor dem Bildschirm oder am Handy zu trinken, dann geben wir unseren Synapsen eine kurze Pause und wir können Themen, Konzepte oder Lösungsansätze aus einer neuen Perspektive angehen. 

Wie lassen sich Präsenzangebote, digitale Formate und spielerische Challenges sinnvoll miteinander verbinden?

Diese Frage haben wir uns auch ausgiebig gestellt, da der Ansatz entweder oder nur bedingt funktioniert. Mit verschiedenen Formaten können wir unterschiedliche Typen von Menschen erreichen. Damit diese auch wirklich aufeinander abgestimmt sind braucht es einen Abgleich mit den Zielen und Voraussetzungen der Unternehmen. Findet das statt, dann können sich ergänzende Produkte erstellt werden, die als grosses Ganzes und ähnlichen Kernbotschaften wahrgenommen werden. Jedes Format hat seine Vorteile, die genutzt werden sollten. 

Wie können Unternehmen verhindern, dass Gesundheitsangebote als zusätzlicher Termin oder sogar als neuer Leistungsdruck wahrgenommen werden?

Es muss sich in Kultur und Organisation einer Firma in Bezug auf das Thema Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz etwas ändern. Bleibt die Einstellung wie bisher, dann wird das Thema einfach zu einer Disziplin mehr, die von Mitarbeitenden, Vorgesetzten und Firmen im Jahresplan erfüllt werden müssen. Es braucht zudem die Erkenntnis, dass nicht zwingend die grossen Events, die viel an einem Tag viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen den wertvollen Beitrag leisten, sondern die Verältnisse am Arbeitsplatz, die auch ein gesundheitsförderndes Verhalten ermöglichen. Das kann die Dusche vor Ort, die gesunden Angebote in der Mensa oder die Sitzungskultur sein, die auch mal ein Meeting im Gehen oder eine kurze Pause mit etwas Bewegung an der frischen Luft ermöglicht.  

Wie wird sich Corporate Health angesichts hybrider Arbeit, Fachkräftemangel und steigender psychischer Belastungen weiterentwickeln?

Heute und in den jüngeren Generationen hat Gesundheit einen anderen Stellenwert als das noch in den Generationen vor uns der Fall war. Im Kampf um Nachwuchstalente und bei der Wahl der Arbeitgebenden gehört ein gesundes Arbeitsumfeld sicher zu den Entscheidungskriterien.

Ebenfalls ist die Notwendigkeit von physischer und mentaler Gesundheit heute deutlich bekannter und es gibt auch einige unternehmerische oder politische Vorbilder, die ihre Gesundheit als Leistungsressource definieren. Das heisst nicht, dass alle Marathons oder HYROX Races absolvieren müssen, sondern auch Stretches am Bürotisch oder einige Atemübungen auf der Parkpank am Mittag ihren Platz haben. Das muss sich nun einfach auch noch in den Teppichetagen von grossen Konzernen, die nicht in der Sportbranche tätig sind, durchsetzen. Dass dies aber auf dem Schirm von den einen oder anderen Playern ist, stellen wir selber fest. Seit 2 Jahren haben wir gezielt Programme für Lernende und Talent-Teams entwickelt.


 

Kontakt

Kontakt
UNIK Sports Management GmbH
Niklaus jud (Head of UNIK Sports Management)
Mail: niklaus.jud@unik-sports.com 
Web: unik-sports.com

 

Weitere Interessen:

WEITERE ARTIKEL

titel

Cashless statt Warteschlange - Smarte Infrastruktur für maximales Besuchererlebnis

Cashless Payment entwickelt sich vom reinen Bezahlsystem zum Steuerungsinstrument für Veranstalter. Im Expertview zeigt…

27.08.2026mehr lesen

Titel

Wer bestimmt, was ChatGPT empfiehlt?

Wer heute nach dem besten Ticketanbieter, dem spannendsten Sportevent oder einer attraktiven Sponsoringplattform sucht,…

25.08.2026mehr lesen

teaser-qualitaet-2026

La Roche-Posay ist erstmalig Qualitäts-Champion

In diesem Jahr wird das Ranking der Qualitäts-Champions 2026 von YouGov und dem SZ Institut der Süddeutschen Zeitung…

20.08.2026mehr lesen

book2 Themen
news News
group-work Netzwerk
mic2 Events
graduation-hat Academy