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07.05.2026

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Bike-Tourismus 2026: Gibt es noch eine Nebensaison?

Radfahren entwickelt sich immer stärker vom Sport- zum Lifestyle-Thema. Gerade jüngere Zielgruppen entdecken dadurch das Rad als Möglichkeit, neue Erlebnisse zu sammeln und einen Ausgleich zum Alltag zu finden. Diese Entwicklung birgt für Destinationen grosses Potential im Hinblick auf neue Zielgruppen und die Angebotsstruktur über den Sommer hinweg. Unsere Experten geben Einblicke in die Praxis. 

Radtourismus mit langer Tradition

Der Radtourismus in Andermatt+Sedrun+Disentis hat seinen Ursprung in traditionsreichen Events mit starker Marke und gewachsener Community. Formate wie das Alpenbrevet, Octopus Gravel oder Chasing Cancellara haben früh gezeigt, welches Potenzial in der Region steckt. Heute ist dieser Bereich weit mehr als eine Aneinanderreihung einzelner Angebote: Der Radtourismus ist zu einem zentralen Bestandteil unserer Destinationsstrategie geworden.

Zwischen Andermatt, Sedrun und Disentis trifft eine aussergewöhnliche Dichte an Lines aufeinander: ikonische Alpenpässe, ruhige Schotterwege und alpine Trails oberhalb der Baumgrenze. Diese Vielfalt ist Stärke und Herausforderung zugleich. Mit Summits of Cycling bringen wir Ordnung in diese Vielfalt. Als gemeinsames Dach verbindet es Road, Gravel und Mountainbike zu einem zusammenhängenden Erlebnisraum und macht sichtbar, was zusammengehört. Das Ziel ist Klarheit: welche Route passt zu welchem Anspruch? Was lässt sich kombinieren? Und wie lässt sich die Region intuitiv erschliessen.

Die Grundlage dafür bildet eine funktionierende Gesamtinfrastruktur. Dazu zählen ein sicheres und hochwertiges Routennetz über mehrere Täler hinweg, verlässliche Services sowie die enge Abstimmung zwischen den Leistungsträgern. Entscheidend ist jedoch die Aufbereitung: Infrastruktur entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie verständlich ist, Orientierung bietet und die Planung erleichtert.

In der Angebotsinszenierung liegt der Fokus bewusst auf dem, was bereits da ist. Echte Pässe, echte Wege, echte Landschaft. Kein Bikepark-Verbau, keine künstliche Überhöhung. Damit sprechen wir eine wachsende Zielgruppe an, die unter anderem über Social Media inspirieren lässt und auf der Suche nach echten Erfahrungen, Bewegung und Ausgleich ist. Gleichzeitig bleiben wir für die leidenschaftliche Radsport-Community relevant, die die Region mit ihren unverwechselbaren Lines längst kennt und schätzt.

Unser Fazit ist klar: Erfolgreicher Bike-Tourismus entsteht nicht dort, wo möglichst viel gebaut wird, sondern dort, wo eine Destination konsequent weiss, wofür sie steht, und dieses Profil für den Gast erlebbar macht.

Hugo Farey, Head of Events & Activities, Andermatt Swiss Alps
Mitglied Cycling Ausschuss Andermatt+Sedrun+Disentis

«Masterplan» für zusätzliche Wertschöpfung

Als ein wichtiger Teil unserer Sommertourismusstrategie hilft uns der Fahrrad- und Mountainbike-Tourismus, die Sommersaison in Arosa zu verlängern, zusätzliche Wertschöpfung zu generieren und neue Gästegruppen zu erreichen. Besonders gut passt das Biken zu Arosa, denn unsere Destination lebt von der Natur, kurzen Wegen und einem vielseitigen Freizeitangebot. Dass dieser Weg auch von der Bevölkerung unterstützt wird, zeigt die kürzlich angenommene Bike-Abstimmung. Mit dem Masterplan möchten wir das bestehende Trailangebot gezielt ausbauen und qualitativ weiter verbessern. In den letzten Jahren hat der Bikesport klar an Bedeutung gewonnen, da aktive Erlebnisse in der Natur immer stärker nachgefragt werden.

Für einen nachhaltigen Bike-Tourismus ist dabei eine gut geplante Infrastruktur entscheidend. Dazu gehören klar geführte Trails, eine gute Abstimmung zwischen den verschiedenen Nutzergruppen sowie attraktive Anschlüsse an die Bergbahnen. In Arosa geht es uns dabei bewusst darum, das bestehende Angebot sinnvoll zu ergänzen und weiterzuentwickeln. Hierfür setzen wir auf ein Gesamtangebot, das gut zu Arosa passt. Unsere Destination steht für Natur, Übersichtlichkeit und hohe Aufenthaltsqualität. Deshalb sprechen wir sowohl sportliche Biker als auch Genussfahrer, Familien und Gäste an, die mehrere Tage bleiben. Wichtig ist, dass das Gesamtpaket überzeugt, damit sich unsere Gäste wohlfühlen, gerne länger bleiben und wiederkommen.

Anna Suchan, Marketing Managerin, Arosa Tourismus

Der Trail beginnt im Feed 

Bike-Tourismus ist kein Nischensport mehr, sondern Lifestyle. In einer modernen Destinationsstrategie sind Bikeangebote heute echte digitale Frequenzbringer. Was wir bei komoot sehen: Die neue Generation sucht nicht nur den perfekten Trail, sondern kuratierte Erlebnisse, die sich nahtlos in ihren digitalen Alltag integrieren lassen.

Dabei ist Differenzierung für Tourismusregionen der Schlüssel, denn der Bikesport deckt mittlerweile ein riesiges Spektrum ab: es reicht von Gravel und Rennrad bis zum Genuss-E-Biking. Regionen müssen also zuerst ihre Nische finden, die zu ihrer Topografie passt, und ihr Angebot auf diese Zielgruppe abstimmen.

Dafür braucht es neben sicheren Wegen eine starke digitale Infrastruktur. Ohne präzise Daten ist ein Angebot kaum sichtbar. Die Onlinepräsenz einer Tourismusorganisation muss dort sein, wo die Nutzer sind - komoot bietet hierfür den idealen Ort, damit Investitionen in digitalen Content auch die gewünschte Sichtbarkeit erreichen. Denn wer online nicht stattfindet, existiert für den Gast schlichtweg nicht. Genau hier setzen wir an und gehen einen Schritt weiter: Nachhaltigkeit bedeutet für uns kluge Besucherlenkung. Wir nutzen unsere Daten gezielt, um Besucherströme zu entzerren und auch die ‚Hidden Gems‘ einer Region erlebbar zu machen.

Timmy Hoppe, Partnership Manager, komoot

Ideale Möglichkeit zur Verlängerung der Saison

Radfahren ist fest in unserer Strategie verankert. In den vergangenen Jahren haben sich die Prioritäten jedoch deutlich verschoben: weg vom reinen Sportgerät, hin zu den Bedürfnissen und Motiven unserer Gäste. Der Klimawandel ermöglicht zugleich neue, zukunftsfähige Ansätze: Dadurch lassen sich bestehende Angebote weiterentwickeln und gezielt ergänzen. Insbesondere im Tal ermöglichen Rad- und E-Bike-Angebote eine Verlängerung der Saison, was eine große Chance für den Ganzjahrestourismus in Tirol darstellt. Die Grundlage dafür ist eine leistungsstarke und vielseitige Infrastruktur. Mit über 7.200 km beschilderten Mountainbikerouten, 400 km Singletrails, 12 Bikeparks sowie rund 1.200 km Radwanderwegen bietet Tirol ideale Bedingungen – für sportliche Herausforderungen ebenso wie für genussvolle Touren mit der Familie. 

Ergänzt wird dieses Angebot durch kostenlose regionale Mobilität im Rahmen der Gästekarte, eine erstklassige Bergbahn-Infrastruktur mit Radmitnahme, flächendeckende E-Bike-Ladestationen sowie ein dichtes Netz an Verleihstationen, Guides und Bike-Shops. Individuelle Tourenpakete und digitale Services wie GPX-Tracks, die Wegfinder- und die Smartride-App runden das Angebot ab. Mehr als 100 Bett+Bike-zertifizierte Betriebe sorgen außerdem dafür, dass Radreisende entlang aller Routen komfortable, qualitätsgeprüfte und fahrradfreundliche Unterkünfte vorfinden. Unser Ziel ist es, drei zentrale Zielgruppen anzusprechen: Aktivurlaubende, Gäste mit gehobenem Kulinarik- und Komfortanspruch sowie Familien. Tirol bietet dafür ein ganzheitliches Bike-Erlebnis – von Community-Events über exklusive Bikepacking-Touren bis hin zu kulinarischen Highlights auf höchstem Niveau.

Ilona Klingler, Teamleiterin „Themen & Erlebnisse“, Tirol Werbung

Dachmarke lake.bike bündelt Bike-Expertise

Fahrrad- und Mountainbike-Tourismus ist für uns ein zentrales strategisches Themenfeld, weil das Thema ideal zu unserer Region zwischen Seen, Stadt und Bergen passt. Mit lake.bike haben wir in den vergangenen zehn Jahren ein starkes touristisches Produkt aufgebaut. Gestartet ist es 2016 als reines Mountainbike-Projekt, heute denken wir das Thema jedoch bewusst breiter. Neben dem klassischen Mountainbike-Angebot gewinnen mittlerweile auch Gravelbike, Rennrad, familienorientierte Angebote und genussvolles Radfahren zunehmend an Bedeutung. Unsere Prioritäten haben sich in den letzten Jahren daher klar weiterentwickelt: vom spezialisierten Sportprodukt hin zu einem vielseitigen, saisonverlängernden Erlebnisraum, der unterschiedliche Zielgruppen anspricht und gleichzeitig zur Profilierung der gesamten Region beiträgt. Ein besonderer Fokus liegt dabei darauf, die Einzigartigkeit unserer Region sichtbar zu machen. Die Kombination aus See, Bergen und Stadt ist in dieser Form besonders und genau dieses Zusammenspiel wollen wir auch nach außen transportieren.

Entscheidend ist aus unserer Sicht eine Infrastruktur, die Qualität, Vielfalt und Akzeptanz miteinander verbindet. Dazu zählen attraktive und gut gepflegte Trails, schöne Touren, Angebote für unterschiedliche Könnerstufen, bikefreundliche Betriebe sowie digitale Information in Echtzeit. Genauso wichtig ist aber die enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, Grundeigentümer:innen und der Bike-Community. Nachhaltiger Bike-Tourismus kann nur dort erfolgreich wachsen, wo touristische Entwicklung, Naturraum und regionale Wertschöpfung gemeinsam gedacht werden.

Wir inszenieren unsere Bike-Angebote nicht nur über sportliche Leistung, sondern vor allem über ein Lebensgefühl: Biken zwischen See und Sonne, kombiniert mit Panorama, Baden, Camping, Genuss und Gemeinschaft. Damit sprechen wir ambitionierte Mountainbiker:innen ebenso an wie Familien, Einsteiger:innen sowie Gravel- und Rennradfans an. Unsere Best Practices sind eine starke Dachmarke mit lake.bike, die klare Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen, Community-orientierte Formate und die konsequente Verbindung von Aktivität mit regionaler Lebensqualität.

Georg Overs, Geschäftsführer, Region Villach Tourismus

Das Rad nahtlos ins Gesamterlebnis einfügen

Mountainbiken ist ein zentraler Pfeiler unseres Sommertourismus in Zermatt. Unser Ziel ist es, die Bike-Infrastruktur kontinuierlich weiterzuentwickeln, dabei aber vor allem die Qualität zu erhöhen. Nachhaltiger Biketourismus erfordert neben attraktiven, zielgruppengerechten Trails auch eine gezielte Besucherlenkung, damit Mountainbikende, andere Naturnutzende sowie Flora und Fauna harmonisch miteinander koexistieren können.

Ein ebenso wichtiger Erfolgsfaktor ist ein umfassendes Serviceangebot. So tragen z.B. bikefreundliche Unterkünfte, ein gutes kulinarisches Angebot auch auf dem Berg oder Transportmöglichkeiten wie Gondelbahnen mit Bike-Mitnahme wesentlich zum Gesamterlebnis bei. In Zermatt sprechen wir insbesondere genussorientierte Mountainbiker und Familien an, die die alpine Natur aktiv und bewusst erleben möchten.

Ein gutes Beispiel ist unser Moos Flowtrail: Mit seinem leichten Schwierigkeitsgrad eignet er sich ideal für erste Bike-Erfahrungen, Familien sowie auch für fortgeschrittene Biker, die Fahrspass und Naturerlebnis gleichermassen schätzen.

Cornelius Schreck, Product Manager Bike, Zermatt Tourismus

Strategisch gesteuerter Bike-Tourismus sichert nachhaltige Wertschöpfung

Der Fahrrad‑ und Mountainbike‑Tourismus ist ein zentraler Bestandteil unserer Tourismusstrategie 2025+. Er ist ein wichtiger Hebel zur Stärkung der Sommer‑ und Zwischensaison und hat sich in den letzten Jahren klar etabliert: weg von punktuellen Einzelangeboten hin zu einer koordinierten, qualitätsorientierten Entwicklung. Im Fokus steht nicht maximales Wachstum, sondern eine nachhaltige Positionierung, die von Bevölkerung, Landwirtschaft und Partnern mitgetragen wird.

Entscheidend ist dabei eine verlässliche Infrastruktur. Im Zentrum steht das bestehende Wegnetz, dessen Pflege und Weiterentwicklung durch die Wegmeister der Gemeinden und eine eigene Trail Crew sichergestellt wird. So kann die Destination eine hohe Qualität für alle Nutzergruppen gewährleisten. Eine funktionierende Koexistenz mit Wandern, Landwirtschaft und Naturschutz sowie eine transparente und realistische Kommunikation des bestehenden Angebots sind entscheidend. Die Signalisation bestehender und teilweise bereits genutzter Routen wird derzeit systematisch finalisiert.

Unsere Bike‑Angebote inszenieren wir bewusst über Landschaft, Genuss und Qualität, statt über Bikeparks oder Shuttle‑Konzepte. Angesprochen werden genussorientierte All‑Mountain‑ und Cross‑Country‑Biker:innen, Rennrad‑ und Gravel‑Gäste sowie sportliche Familien – mit oder ohne elektrische Unterstützung. Erlebbar wird dies etwa am Event «La Reine – Strictly Female» oder auf Touren wie dem Singletrail zum Lauenensee. Perspektivisch sollen die geplanten Horneggli Trails als qualitativ hochwertiger Kern das Mountainbike-Angebot gezielt ergänzen. Entscheidend bleibt dabei die enge Zusammenarbeit aller Akteure als Grundlage für eine glaubwürdige, behutsame Entwicklung und die regionale Wertschöpfung.

Patrick Bauer, Leiter Destinationsentwicklung & Nachhaltigkeit, Gstaad Saanenland Tourismus

Bike-Tourismus muss Teil der Gesamtpositionierung sein

Fahrrad- und Mountainbike-Tourismus sollte heute ein strategisches Kernthema einer Destination sein, nicht nur ein Zusatzangebot für den Sommer. Er unterstützt die Saisonverlängerung, stärkt den Ganzjahrestourismus und reduziert die einseitige Abhängigkeit vom klassischen Wintergeschäft. Die Voraussetzungen haben sich deutlich verändert. Durch Klimawandel, unsicherere Schneelagen und veränderte Reisegewohnheiten steigt der Druck, schneeunabhängige Angebote aufzubauen. Gerade Bewegung, Naturerlebnis und Outdoor-Sport werden als wichtige Alternativen im Ganzjahrestourismus genannt. Wichtig ist daher: Bike-Tourismus darf nicht isoliert betrachtet werden. Er muss Teil der Gesamtpositionierung sein, zum Beispiel in Verbindung mit Natur, Kulinarik, Mobilität, Beherbergung, Events und regionaler Wertschöpfung.

©DavidJohansson

Entscheidend ist ein gut abgestimmtes Gesamtsystem. Dazu gehören gepflegte, gut beschilderte und rechtlich abgesicherte Routen, eine klare Besucherlenkung, digitale Toureninformationen, GPX-Daten, Kartenmaterial und konkrete Tourenvorschläge. Für Mountainbiker sind laut deutscher Reiseanalyse besonders wichtig: attraktive Landschaft, große Routenauswahl, gut beschilderte Strecken, Seilbahnen, Fahrradtransport zur Unterkunft, Einkehrmöglichkeiten, einfache Anreise und Touren in Outdoor-Apps.

Entscheidend ist die Inszenierung über Landschaft, Genuss, Bewegung, Aussichtspunkte, Hütten, regionale Produkte und Geschichten der Region. Für eine Destination sind mehrere Zielgruppen sinnvoll:

Genussradler, E-Biker, Sportliche Mountainbiker, Familien und Einsteiger, Bike & Hike-Gäste und Nebensaison-Gäste:
Besonders Mai, Juni, September und Oktober bieten Potenzial. In der Nebensaison reisen viele Gäste zu zweit, sind reiseerfahren, geben mehr aus und interessieren sich stark für Natur, Ruhe, Kulinarik und authentische Erlebnisse.

Gerhard Gstettner, Inhaber und Geschäftsführer, Gstettner

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