TOURISMUS-MARKETING.
08.07.2026
Destinationsmarketing am Beispiel der Ferienregion Gstaad
Das Thema Destinationsmarketing stand jüngst im Fokus von Sponsoring Schweiz. Anlässlich des zweiten Mitgliederanlasses des Jahres war der Verband der Schweizer Sponsoringindustrie im Berner Oberland zu Gast und unterhielt sich dabei u.a. mit Tourismusdirektor Flurin Riedi von Gstaad Saaneland Tourismus über das Erfolgsgeheimnis der seit bald 120 Jahren weltweit für erstklassigen Tourismus bekannten Destination.
Als Destination blickt Gstaad auf eine lange Tradition zurück. Inwiefern hat sich die Positionierung im Markt in dieser Zeit entwickelt? An welchen Kernwerten halten Sie fest, welche strategischen Dimensionen kamen allenfalls neu hinzu?
Unser oberstes Credo lautet seit jeher Qualität. Für uns steht im Vordergrund, die Dinge „Gstaad-like“ umsetzen, d.h. hochprofessionell und mit maximaler Qualität. Zudem haben wir schon früh den Wert des Sommertourismus für unsere Destination entdeckt – u.a. mit dem Tennisturnier, dass zum ersten Mal 1915 gespielt wurde. Natürlich spielte und spielt auch der Wintertourismus eine grosse Rolle, aber wir positionieren uns heute ganz klar als eine Ganzjahresdestination, was sich auch in unseren Buchungszahlen niederschlägt. Mittlerweile generieren wir in den warmen Monaten eine ähnlich hohe Wertschöpfung wie im Winter.
Die Ferienregion Gstaad positioniert sich stark über die Eckpfeiler Sport, Kultur und Premium-Tourismus. Warum hat man sich für diese Strategie entschieden?
Diese drei Säulen fungieren als strategische Hebel für Imagebildung, Wertschöpfung und einen optimalen Gäste-Mix. Top-Events dienen uns dabei als „Communication Lead“ und Publikumsmagnet, um das Image der Region zu stärken. Unser Fundament bleibt jedoch stets authentisch. Gstaad ist geprägt von intakten, gelebten Traditionen und Kultur, von einer wunderschönen, ländlich geprägten Landschaft – auf 10'000 Einwohnende kommen bei uns 10'000 Kühe und 300 Bauernhöfe. Dieses Stück Kulturgut gilt es zu pflegen und jederzeit zu respektieren. Das bedeutet für das Marketing: Egal was wir initiieren, es muss zu Gstaad passen, von hoher Qualität und einer gewissen Unaufgeregtheit geprägt sein. Massentourismus würde nicht zu uns passen.
Mit dem Swatch Beach Pro, den EFG Swiss Open, dem Hublot Polo Gold Cup, der Country Night und dem Menuhin Festival Gstaad beheimatet die Region jeden Sommer Grossveranstaltungen mit internationaler Ausstrahlung. Wie profitiert die Destination von diesen Leuchttürmen?
Sie zahlen perfekt auf das Image von Gstaad als vielseitige Sport- und Kulturdestination ein, stärken das Markenversprechen eines authentischen, traditionellen und gleichzeitig dynamischen Ortes. Die Aktivierung dieser Events erfolgt aber nicht nur für den externen Markt. Uns ist wichtig, dass unsere Highlights auch der lokalen Bevölkerung eine Plattform bieten und direkt in die regionale Wertschöpfung einzahlen. Das ist mit ein Grund, warum unsere Veranstaltungen auch den vollen Rückhalt unserer Bevölkerung spüren. Ohne, wären Anlässe dieser Grösse für uns nicht realisierbar.
Ein weiterer kultureller Meilenstein soll die neue Gstaad Concert Hall, entworfen von Herzog & de Meuron, werden. Was verspricht sich Gstaad von dieser Investition in Sachen Strahlkraft und Wertschöpfung?
Für Highlights wie das Menuhin Festival (rund 35'000 Zuhörer:innen pro Jahr) stossen wir mit der aktuellen Infrastruktur an unsere Grenzen. Für eine Veranstaltung dieser Güteklasse ist das aktuelle Setup nicht mehr zeitgemäss – nicht für die Musiker von Weltformat, und nicht für den anspruchsvollen Gast.
Entsprechend wäre die neue Concert Hall für das kulturelle Standing unserer Destination in vielerlei Hinsicht ein Gamechanger. Wir bekämen damit auf einen Schlag einen Leuchtturm, vergleichbar mit der archetektonischen und funktionellen Wirkung eines KKL in Luzern.
Zudem sichert das Projekt „Concert Hall“ langfristig die Zukunftsfähigkeit des Menuhin Festivals und eröffnet uns als Destination weitere interessante Möglichkeiten. Unsere Position im MICE-Bereich (Meetings, Incentives, Conferences & Events), zum Beispiel, würde durch den Gesamtkomplex „Concert Hall“ deutlich gestärkt.
Gstaads weltweites Image ist u.a. auch eng mit dem geschichtsträchtigen Palace Hotel verknüpft ist. Welche Rolle spielt das Traditionshaus für das weltweite Ansehen der Ferienregion?
Aufgrund der langen, gemeinsamen Geschichte hat das Gstaad Palace eine besondere Bedeutung für unsere Region. Gemeinsam mit dem Bau der MOB-Bahn legte die Eröffnung Anfang des 20. Jahrhunderts den Grundstein für den touristischen Charakter unserer Region. Auch heute ist das Haus ein wichtiges, weltweites Aushängeschild und ein Dreh- und Angelpunkt in unserer Destination. Für unsere Gäste, aber auch für die lokale Hotellerie, die vom Palace als führendes Haus profitiert, dass Massstäbe setzt und Impulse für die gesamte Destination gibt. Darüber hinaus hat das Gstaad Palace zusammen mit den anderen 5*-Hotels eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Es bringt ein gut situiertes Gästeklientel in die Region, treibt so das lokale Gewerbe an und ist trotz seines «Sonderstatus» auch ein «gewöhnlicher» Teil unser Community, der sich engagiert und einbringt.
Für ein stimmiges Marken- und Destinationserlebnis müssen auch in der Ferienregion Gstaad unterschiedliche Stakeholder perfekt zusammenspielen. Wie stellen Sie diese Symbiose sicher?
Durch ein tief verankertes, kollektives Markenverständnis. In Gstaad sind sich alle bewusst, dass wir unseren Ansprüchen und Zielen nur gemeinsam gerecht werden können. Entsprechend haben wird dieses Mindset auch institutionalisiert: In unserer gemeinsamen Tourismusstrategie 2025+ sind über 35 Stakeholder-Organisationen aus der Region und deren Anliegen fest eingebunden. Von der Skischule, über die Bergbahnen bis zur lokalen Bevölkerung. So stellen wir sicher, dass alle am gleichen Strick ziehen.
Bestehende oder potentielle Partner der Destination dürften das gerne lesen. Was genau schätzen sie an der Zusammenarbeit mit Gstaad?
Ich glaube es ist ein Mix aus Qualität - verbunden mit der entsprechenden Professionalität unserer Leistungspartner - und Nahbarkeit, wie Gstaad sie bietet. Wir wissen, dass wir eine Destination von überschaubarer Grösse mit kurzen Wegen sind. Diese „Nähe“ wird geschätzt, gefördert und trägt sehr zur Attraktivität von Gstaad bei.
Kontakt
Sponsoring Schweiz
Patrick Fischer
E-Mail: p.fischer@bytheway.ch
https://sponsoringschweiz.ch/











