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Nähe, Authentizität und Vertrauen sind wichtig, um nachhaltig mit Zielgruppen in Kontakt zu treten. Diese Markenassoziationen lassen sich jedoch für die meisten Marken nicht allein durch nationale oder globale Kampagnen erreichen – entscheidend ist eine gezielte Verankerung vor Ort. Experten aus dem Netzwerk der ESB erläutern, wie die Zielgruppenansprache auf regionaler Ebene zum entscheidenden Differenzierungsfaktor für Marken werden kann und welche Massnahmen dabei wirklich wirken.

Warum lokale Relevanz stärker wirkt als Reichweite

Unsere Schweizer Bier-Marke Eichhof ist stark regional verankert und genau darin liegt eine unserer grössten Stärken. Gerade bei Biermarken identifizieren sich viele Konsumentinnen und Konsumenten mit „ihrer“ lokalen Marke. Local Marketing spielt deshalb eine zentrale Rolle in unserer Markenstrategie. Unser Anspruch ist es nicht nur, in einer Region präsent zu sein, sondern Teil davon zu sein. Deshalb setzen wir in unserer Kommunikation konsequent auf den Gedanken: „Wir sind echte Locals.“

Konkret bedeutet das, dass wir hyperlokale Headlines entwickeln, die nur Menschen aus der jeweiligen Region wirklich verstehen. Unsere Kampagne greift Insider-Wissen aus Dörfern, Quartieren oder Stadtecken der Zentralschweiz auf. Oder auch aktuelle Themen rund um den FCL sowie Geschichten aus regionalen Gastro-Betrieben. So entstehen Inhalte mit hoher Relevanz und Nähe, die bei den Konsumenten ankommen. Mittlerweile haben wir auf diese Weise über 1’000 individuelle Headlines entwickelt, die Aufmerksamkeit schaffen und zeigen, dass wir die Region wirklich kennen.

Wichtig ist dabei, dass lokale Massnahmen immer zur Markenidentität passen. Lokalität darf nie künstlich wirken oder reine Werbefläche sein. Glaubwürdigkeit entsteht nur dann, wenn eine Marke langfristig vor Ort verankert ist und echtes Verständnis für die Menschen und ihre Kultur mitbringt.

Lara Rohrer, Group Brand Managerin, HEINEKEN Switzerland

Verankerung in der Region ist essenziell

Für die Aargauische Kantonalbank ist Lokalmarketing ein zentraler Bestandteil unserer Markenstrategie. Unsere Marke lebt von Nähe, Vertrauen und echter Verankerung in der Region. Genau hier setzt Lokalmarketing an: Es übersetzt unsere Markenwerte in konkrete Erlebnisse vor Ort und macht sie für Kundinnen und Kunden greifbar.

In der Umsetzung geben wir lokalen Einheiten bewusst Spielraum, bleiben aber klar innerhalb unserer Markenleitplanken. Werte, Tonalität und visuelle Identität sind verbindlich, während die Aktivierung auf lokale Bedürfnisse zugeschnitten wird. So stellen wir sicher, dass wir relevant bleiben, ohne an Konsistenz zu verlieren.

Sportvereine, Events oder regionale Erlebnisse bieten dabei ideale Plattformen, um unsere Rolle als regionale Partnerin erlebbar zu machen. Entscheidend ist, dass wir nicht nur sichtbar sind, sondern echten Mehrwert schaffen und aktiv teilnehmen.

Die grössten Risiken liegen in fehlender Authentizität oder rein opportunistischem Engagement. Lokalmarketing verliert an Glaubwürdigkeit, wenn es nicht zur Marke passt, nur kurzfristig gedacht ist oder keinen echten Bezug zur Region hat. Nachhaltigkeit und Konsequenz sind deshalb zentral.

Corinne Oschwald, Sektorleiterin Marketing & Head of Newsroom, Aargauische Kantonalbank

Nationale Strategien lokal erlebbar machen

Lokal-Marketing spielt eine zentrale Rolle in unserer Markenstrategie, denn wir sind überzeugt, dass unsere Marke vor allem dort lebendig wird, wo sie tagtäglich erlebt wird: vor Ort in unseren Hotels. Gemeinsam mit meinem Marketing-Team im Headoffice verstehen wir uns als Support-Partner für unsere Hoteliers.

Wir geben die strategische Richtung für nationale und regionale Kampagnen sowie Kooperationen vor und übersetzen diese in maßgeschneiderte, lokal wirksame Maßnahmen. So schaffen wir einen klaren Rahmen, der Orientierung gibt und unseren Hoteliers ermöglicht, ihre individuellen Stärken gezielt auszuspielen und lokale Partnerschaften optimal zu nutzen. Unser Ziel ist es, unsere Hoteliers zu befähigen, lokale Initiativen eigenständig und erfolgreich umzusetzen.

Ein herausragendes Beispiel ist unsere Partnerschaft mit dem DOSB: Durch die nationale Kooperation erhalten unsere Hoteliers exklusiven Zugang zum Mitgliedernetzwerk und können Sportlern attraktive Übernachtungsangebote machen. Auch bei Neueröffnungen setzen wir auf einen Media Mix mit lokaler Ausspielung, ergänzt durch Aktionen wie Eröffnungsfeiern, die Zusammenarbeit mit dem Tourismusamt und regionaler Pressearbeit. Kooperationen mit lokalen Sportteams, wie etwa Frankfurt Galaxy, schaffen zusätzliche Anknüpfungspunkte und Vorteile für Fans und Mannschaften und machen unsere Marke vor Ort erlebbar.

Maximilian Abele, Brand Director Central & Northern Europe, B&B HOTELS

© B&B Hotels

Lokales Marketing lebt von Glaubwürdigkeit

Local Marketing spielt für die AREA 47 eine zentrale Rolle, weil wir nicht nur eine überregionale Erlebnisdestination sind, sondern auch ein relevanter Treffpunkt für die Menschen aus der Region. Gerade Angebote wie der Indoor Bikepark, die Wake AREA, der CLUB 47 oder die KITCHEN 47 sind stark auf Locals und Einheimische ausgerichtet. Hier geht es darum, nicht nur Gäste von außen zu erreichen, sondern auch jene Zielgruppen, die regelmäßig vor Ort sind, die Marke kennen, weitertragen und mit Leben füllen.

Um diese Nähe aufzubauen, setzen wir auf gezielte Kooperationen mit lokalen Tourismusverbänden, Unternehmen und Partnern. Dazu zählen strategische Partnerschaften, etwa mit regionalen Banken, über deren Kanäle wir zusätzliche Sichtbarkeit schaffen, genauso wie Out-of-Home-Marketing mit digitalen und klassischen Plakatflächen. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Micro- und Macro-Influencern ist wichtig, weil sie authentisch in ihren Communities verankert sind.

Besonders bei Events ist die lokale Zielgruppe entscheidend – als Zuschauer, Gäste und Multiplikatoren. Der CLUB 47 hat sich beispielsweise als Party-Hotspot in der Umgebung etabliert und hilft, die AREA 47 als Gesamtprodukt noch stärker bei Einheimischen zu positionieren.

Glaubwürdig bleibt Local Marketing aber nur, wenn es nicht wie klassisches Marketing wirkt. Gerade auf Social Media braucht es echte Inhalte, echte Menschen und einen klaren regionalen Bezug. Wer nur lokal wirken will, ohne lokal verankert zu sein, verliert schnell an Vertrauen.

Peter Svoboda, Head of Marketing, AREA 47

«Ein entscheidender Hebel für Wirkung»

Local Marketing ist in einem zunehmend fragmentierten Werbemarkt und gleichzeitig globalisierten Markenumfeld kein Widerspruch, sondern ein entscheidender Hebel für Wirkung. Während Markenstrategien oft international gedacht werden, entsteht echte Relevanz dort, wo Menschen ihren Alltag verbringen. Genau hier setzen wir als Publisher an. Wir bringen Botschaften dorthin, wo sie zur richtigen Zeit im richtigen Kontext wahrgenommen werden, sei es im Einkaufszentrum (MallVISION), an der Tankstelle (StoreVISION), im urbanen Raum (CityVISION) oder entlang von frequenzstarken Strassen (RoadVISIO).

Aus unserer Sicht müssen lokale Massnahmen nicht nur eingebettet sein, sondern die globale Markenstrategie sinnvoll verlängern. Die zentrale Botschaft bleibt gleich, doch die Ausspielung wird situativ angepasst. So entsteht Nähe, ohne die Konsistenz der Marke zu verlieren.

Sportanlässe oder Events bieten dabei zusätzliche, sehr wirkungsvolle Momente für die gezielte Ansprache. Sie bündeln Aufmerksamkeit, schaffen emotionale Situationen und ermöglichen es, Botschaften kontextuell passend zu platzieren. In Kombination mit datenbasierter Aussteuerung können Kampagnen so entlang konkreter Nutzungssituationen ausgespielt werden, genau dort, wo Entscheidungen fallen.

Das grösste Risiko liegt in mangelnder Authentizität. Local Marketing wirkt nur dann, wenn es glaubwürdig und relevant ist. Wer austauschbare Botschaften ohne Bezug zum Umfeld platziert, verliert schnell an Wirkung. Erfolgreiches Local Marketing bedeutet deshalb vor allem eines, den Kontext verstehen und ihn konsequent nutzen.

Marc Steiner, Business Development & Geschäftsleitung, displayactive.ch

Gezielte Ansprache auf den regionalen Sportplätzen

Durch unsere regionale Berichterstattung ist die lokale Auslieferung von Kampagnen ein zentrales Thema. Da wir mit dem Amateurfußball neben den Ballungsgebieten auch die Fans auf den Dorfplätzen erreichen, können wir jegliche Kampagne zielgerichtet aussteuern. Das bietet insbesondere die Möglichkeit in bestimmten Regionen unterschiedlich zu kommunizieren. So können deutschlandweite Kampagnen in Bayern anders bespielt werden als z. B. in NRW.

Eine übergeordnete Markenstrategie ist dabei natürlich von Vorteil aber kein Muss. Mit Hilfe von Postleitzahl bezogenen Daten können wir ganz zielgerichtet in der gewünschten Region die Kampagnen ausliefern. Oftmals kann eine übergeordnete Strategie für einen regionalen Test so auch sehr gut genutzt werden. Die Risiken sind zwar eher gering, dennoch sollte im Falle von lokalen Aktivierungen der Inhalt bzw. die Leistung die beworben wird auch nutzbar sein. 

Philipp Wosnitza, Sales Director, FuPa

Die stärksten Markenmomente entstehen vor Ort

Die grossen Marken setzen meistens die Messlatte – aber der Fokus liegt in der Region. Genau hier entsteht das, was wir bei der migagentur seit vielen Jahren ins Zentrum stellen: echte Emotionen, Begegnungen und Erlebnisse, die bleiben.

Local Marketing ist für uns kein Add-on, sondern der Moment, in dem eine Marke spürbar wird. Die beste Wirkung entsteht, wenn dieser Kern lokal interpretiert wird – authentisch, mutig und mit einem feinen Gespür für die Menschen vor Ort.

Dort, wo Menschen zusammenkommen, entstehen die stärksten Markenmomente. Vereine, Events oder Destinationen sind keine Plattformen – sie sind Lebensräume. Unsere Erfahrung zeigt, dass alleine die Sichtbarkeit nicht ausreicht. Wer jedoch echten Mehrwert schafft, wird Teil der Geschichte. Für unsere Kunden entwickeln wir Erlebniswelten. Wir schaffen Aktivierungen, in denen Marken nicht nur präsent sind, sondern aktiv mitgestaltet werden. Ob bei regionalen Events, Kundenanlässen oder Pop-up-Konzepten: Entscheidend ist, dass die Marke einen Beitrag leistet, der für die Menschen vor Ort relevant ist.

Sobald Local Marketing zur reinen Pflichtübung wird, verliert es seine Kraft. Menschen spüren sehr schnell, ob ein Engagement authentisch ist. Ein häufiger Fehler ist fehlende Kontinuität. Ein einmaliger Auftritt ohne langfristige Verankerung verpufft. Ebenso kritisch ist eine fehlende Passung zwischen Marke und Umfeld – wenn es sich nicht richtig anfühlt, funktioniert es auch nicht. Für uns ist klar: Glaubwürdigkeit entsteht durch Haltung, durch Kontinuität und durch echtes Interesse an der Community. Wir wollen für unsere Kunden nachhaltige Markenwirkungen schaffen, die Emotionen entfachen und lange nachhallen.

Michel Staubli, Inhaber und Geschäftsführer, migagentur

Von reiner Wiedererkennung zu echter Nähe

In einer Welt, die immer schneller und kurzlebiger wird, bin ich überzeugt: Local Marketing ist kein Nice-to-have – es ist ein strategischer Hebel, der oft unterschätzt wird. Globale Markenstrategien geben Orientierung und schaffen Wiedererkennung. Echte Nähe aber entsteht dort, wo Menschen einer Marke im Alltag begegnen – oder im Rahmen eines Moments, der in Erinnerung bleibt.

Lokale Massnahmen müssen deshalb klar in die übergeordnete Markenstrategie eingebettet sein. Gleichzeitig dürfen sie keine blasse Kopie einer nationalen oder internationalen Kampagne sein. Regionen unterscheiden sich in Sprache, Kultur, Mediennutzung, Gewohnheiten und Erwartungen. Wer lokal aktivieren will, muss diese Unterschiede nicht nur kennen, sondern wirklich verstehen. Unsere Arbeit in der Schweiz und in Deutschland zeigt: Lokale Relevanz beginnt mit einem genauen Verständnis des jeweiligen Marktes – und was in einem Markt funktioniert, wirkt im anderen nicht automatisch gleich.

© Mallaun Photography

Konkret erleben wir das bei grossen, nationalen Kampagnen, die wir mit vielen regionalen Veranstaltungen umsetzen. Wenn eine Kampagnenbotschaft nicht nur kommuniziert, sondern erlebbar wird – als Familientag, als Event im Quartier, als Begegnung im lokalen Kontext – gewinnt sie eine andere Qualität. Menschen verbinden die Marke nicht mehr nur mit einem Sujet oder einem Slogan, sondern mit einem besonderen Erlebnis. Das ist der Unterschied zwischen Aufmerksamkeit und Verankerung.

Die Zukunft starker Markenaktivierung liegt deshalb nicht darin, lauter oder schneller zu sein – sondern näher, relevanter und vertrauenswürdiger. Und das ist, konsequent umgesetzt, alles andere als ein kleines lokales Thema.

Lukas Schaub, Geschäftsführer / Creative Director, Hotz’n’plotz Entertainment

Vertrauen lässt sich nicht global erschaffen

Globale Markenstrategien geben die Richtung vor, doch Vertrauen lässt sich nicht von oben verordnen. Es entsteht dort, wo Menschen verwurzelt sind, sich kennen und gemeinsam Zeit verbringen. Genau deshalb ist Lokalmarketing keine Nebensache globaler Kampagnen, sondern oft deren wirkungsvollste Fortsetzung.

Lokale Sportvereine, regionale Community-Events und Orte des Alltags sind dabei weit mehr als Werbeflächen. Sie sind gewachsene soziale Strukturen mit echter Bindungskraft. Bei Jobbiplaceerleben wir täglich, wie stark dieser Effekt ist: Unternehmen, die über Vereinspartnerschaften kommunizieren, sprechen Mitglieder, Eltern und Nachwuchskräfte mit einer Qualität an, wie sie eine anonyme Stellenanzeige auf einer überregionalen Plattform nie erzeugen kann. Die Hemmschwelle ist niedriger, das Vertrauen ist höher. Vom Amateurverein bis zum Profiklub – etwa dem TVB Stuttgart, der in seiner Region tief verankert ist und weit über den Spielbetrieb hinaus Identifikation stiftet – zeigt sich derselbe Mechanismus: Wer lokal investiert, schafft Relevanz dort, wo sie wirklich zählt.

Das gelingt allerdings nur, wenn aus Sichtbarkeit echtes Engagement wird. Wirkungsvolle Partnerschaften sind mehrjährig angelegt, inhaltlich mit der eigenen Unternehmenstätigkeit verzahnt und werden von Menschen aus dem Unternehmen sichtbar getragen – nicht nur vom Logo auf der Bande. Erst diese Kombination macht aus einem Sponsoring eine glaubwürdige Beziehung. 

Lokalmarketing verliert dagegen schnell an Glaubwürdigkeit, wenn es aufgesetzt wirkt. Wer nur Logoplatzierungen kauft, ohne echtes Engagement zu zeigen, wirkt schnell opportunistisch. Ebenso kritisch sind fehlende Kontinuität und mangelnder inhaltlicher Bezug zur eigenen Marke – Engagement, das nach einer Saison wieder verschwindet, hinterlässt mehr Skepsis als Wirkung.

Kurz gesagt: Lokalmarketing wirkt, wenn es ehrlich ist, zur Marke passt und dauerhaft getragen wird. Nationale Kampagnen schaffen Reichweite – lokales Engagement schafft Resonanz. Wer beides zusammendenkt, hat einen Vorsprung, den Reichweite allein nicht kaufen kann.

Michael Ferschl, Geschäftsführer, Jobbiplace

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