Sport-Marketing.
23.04.2026


Membership-Modelle im Sport
Membership-Modelle entwickeln sich von reinen Spieltagsbegleitungen zu ganzheitlichen Erlebniswelten. Mit exklusiven Inhalten, digitalen Services und besonderen Angeboten schaffen Clubs neue Berührungspunkte über das ganze Jahr hinweg. Unsere Experten zeigen, wie daraus echte Identifikation, langfristige Bindung und wiederkehrende Erlöse entstehen.
Fanbeziehungen ganzjährig gestalten
Membership-Modelle gewinnen für uns im Sport weiter an Relevanz, weil wir Beziehungen nicht mehr nur an Spieltage knüpfen, sondern ganzjährig aktiv gestalten. Unser Ziel ist es, kontinuierliche Touchpoints zu schaffen, über die wir mit unseren Fans im Austausch bleiben und gleichzeitig zusätzliche Erlöse außerhalb der Arena generieren. Memberships liefern dafür die ideale Grundlage: planbare Einnahmen, direkte Daten und die Möglichkeit, Kommunikation gezielt zu personalisieren. So entsteht ein dauerhaftes Zugehörigkeitsgefühl.
Im Vergleich zum klassischen Ticket- oder Abo-Modell gehen wir mit Memberships deutlich tiefer in die Fanbeziehung. Fans erleben den Club nicht nur punktuell, sondern als festen Bestandteil ihres Alltags. Für uns bedeutet das mehr Flexibilität in der Ansprache, bessere Segmentierung und zusätzliche Monetarisierungspotenziale jenseits des Spieltags.
Wichtig ist für uns, dass diese Benefits relevant sind und ein „besonderes Gefühl“ vermitteln, Teil von etwas Exklusivem zu sein.

Ein konkretes Beispiel: Gemeinsam mit unserem Stammverein haben wir ein Vorkaufsrecht für DEL-Spiele in die Mitgliedschaft integriert. Dadurch konnten wir die Zahl der passiven Mitglieder innerhalb weniger Wochen von rund 300 auf über 4.800 steigern – ein klarer Beleg für die Wirkung solcher Modelle.
Torsten Pfennig, Geschäftsleiter Finanzen, Digitales & New Business, 1972 HAIE EISHOCKEY
Der YB Kids Club als Erfolgsgeschichte
Membership-Modelle haben beim BSC Young Boys einen sehr hohen Stellenwert. Sie steigern die Identifikation der Fans und ermöglichen es uns, die Bindung innerhalb der Community entlang der gesamten Customer Journey ganzjährig zu stärken.
Der BSC YB zählt aktuell über 25'000 Mitglieder. Diese setzen sich sowohl aus Saisonkartenbesitzenden als auch aus Fans ohne Saisonkarte, aber mit hoher Verbundenheit zum Verein, zusammen. Die Mitglieder profitieren von zahlreichen Vorteilen wie Vorverkaufsrechten, Premium-Inhalten in digitalen Kanälen, Fanmagazinen, der Möglichkeit im Rahmen der «Bring-a-friend»-Aktion eine Begleitperson ans Spiel mitzunehmen, der Teilnahme an der Vereins-Generalversammlung und vielem mehr.

Eine besondere Erfolgsgeschichte ist der YB Kids Club mit über 1'500 Mitgliedern. Er bietet den jüngsten Fans von Gelb-Schwarz neben Goodies wie einem Club-Geschenk, einer Geburtstagskarte und exklusiven News im Kids-Newsletter vor allem eines: Einzigartige Erlebnisse. Mitglieder können an der Kinder-Medienkonferenzen mit Spielerinnen und Spielern der 1. Mannschaft teilnehmen, gemeinsam Auswärtsspiele besuchen oder als Einlaufkids auflaufen. Diese emotionalen Touchpoints und die Nähe zum Club sind aus unserer Sicht ein zentraler Erfolgsfaktor, um früh eine nachhaltige Bindung zu schaffen. Das zeigt sich auch daran, dass wir regelmässig sehr viele Kinder an unseren Spielen begrüssen dürfen – insbesondere an unseren Kids Days. Entsprechend zählt auch unser Familiensektor zu den beliebtesten der Schweiz.
Melanie Schaer, Head of Marketing, BSC Young Boys
Belohnung der treuen Fans
Membership-Modelle gewinnen im Sport zunehmend an Bedeutung, weil sich das Verhalten der Fans verändert hat. Es geht heute nicht mehr nur darum, ein Ticket zu kaufen, sondern Teil eines Clubs zu sein. Fans möchten Nähe, Identifikation und einen Mehrwert über den Spieltag hinaus. Hier setzen Membership-Modelle aus unserer Sicht an.
Ansätze davon gibt es im Sport schon länger, insbesondere im VIP- und Hospitality-Bereich. Dort wurde mit exklusiven Leistungen, Zugängen und Status gearbeitet. Zunehmend wird es jedoch wichtiger, diese Denkweise auf die gesamte Fanbasis auszuweiten und nicht nur auf einzelne, zahlungskräftige Segmente zu beschränken.
Beim EHC Kloten haben wir deshalb mit dem neu eingeführten Member-System einen ersten Schritt gemacht, um die Treue unserer Saisonkartenbesitzer sichtbar zu machen. Dabei steht nicht der Preis im Vordergrund, sondern die Dauer der Zugehörigkeit zum Club. Fans erhalten je nach Treue einen Status, der sich unter anderem im digitalen Ticket widerspiegelt und künftig mit weiteren Vorteilen verbunden wird. Ein Beispiel sind priorisierte Zugänge oder sogenannte „Fast Lanes“, die das Stadionerlebnis spürbar verbessern.
Diese Vorteile sind entscheidend. Fans wollen spüren, dass ihre Treue wahrgenommen wird. Exklusive Zugänge, sichtbarer Status und kleine Vorteile im Stadion schaffen genau diesen Mehrwert. Damit entsteht eine stärkere Verbindung zum Club und ein Stadionerlebnis, das über das Spiel hinausgeht.
Fabian Zeller, Senior Ticketing & Game Operation Manager, EHC Kloten

Memberships als Brücke von Konsum zu Identifikation
Membership-Modelle können die Brücke von reinem Konsum hin zu echter Identifikation schlagen. Während die Beziehung durch klassisches Ticketing oft auf 60 Minuten Spielzeit begrenzt bleibt, schaffen Mitgliedermodelle eine ganzjährige emotionale Heimat – auch abseits der Arena. Für uns als Club bedeutet unser True Blue Club die strategische Weiterentwicklung von der reinen Eventvermarktung hin zum Aufbau einer Community mit stabilen, wiederkehrenden Erlösen über alle Bereiche hinweg.
Der entscheidende Vorteil aus Kundensicht ist die Flexibilität. Moderne Fans binden sich immer seltener an starre Abos. Vielmehr suchen sie verstärkt nach Exklusivität und Zugehörigkeit, ohne bei jedem Heimspiel vor Ort sein zu müssen. Besonders die Kombination aus digitalen Services, exklusiven Infos und besonderen Veranstaltungen macht den Reiz aus. Mitglieder erhalten Einblicke hinter die Kulissen und Einladungen zu Events, die man sonst schlichtweg nicht kaufen kann.

Ein zentraler Fokus liegt für uns auf den jüngeren Zielgruppen. Wer bereits in jungen Jahren die Faszination für den TVB entwickelt, baut eine Bindung auf, die ein Leben lang hält. Unser Ziel ist es, aus Zuschauern loyale Anhänger zu machen und langfristigen Mehrwert über den Spieltag hinaus zu generieren.
Marlen Wiedmann, Leiterin Geschäftsstelle, TVB 1898 Handball
Die Member als Club-Botschafter
Membership-Modelle gewinnen im Sport an Relevanz, weil sie eine tiefere emotionale Bindung ermöglichen als klassische Ticketing-Produkte. Fans wollen sich nicht nur einen Platz im Stadion kaufen – sie wollen Teil von etwas sein. Eine Membership gibt dieser Zugehörigkeit einen Namen, eine Identität und eine Gemeinschaft. Genau das ist es, was langfristige Fanbindung ausmacht.
Gegenüber dem traditionellen Dauerkarten-Modell bietet ein Membership-Ansatz sowohl für Fans als auch für uns als Club klare Vorteile: Für die Fans entstehen individuellere, erlebnisorientierte Angebote von Pre-Sales über exklusive Einblicke hinter die Kulissen bis hin zu Hospitality-Zugängen und digitalen Services. Für uns als Club ermöglicht das Modell eine deutlich bessere Kommunikation und Ansprache unserer Community. Wir kennen unsere Members, wissen, was sie bewegt, und können ihnen passgenaue Mehrwerte bieten.

Die Stärke einer lebendigen Community ist dabei nicht zu unterschätzen: Members werden zu Botschaftern des Clubs – sie tragen die Identität nach außen und stärken den Zusammenhalt nach innen. Natürlich beobachten wir auch Trends wie bezahlte Video-Inhalte, die bei globalen Großclubs funktionieren. Für uns als regionalen Club steht jedoch die lokale Verwurzelung und das persönliche Erlebnis im Vordergrund – das ist unser Mehrwert, den wir konsequent ausbauen.
Bei den Eisbären Regensburg verstehen wir unsere Dauerkarten bereits heute weniger als reines Ticket-Produkt, sondern als Membership. Diesen Weg entwickeln wir konsequent weiter, weil wir überzeugt sind: Wer in echte Zugehörigkeit investiert, schafft Bindung, die weit über eine Saison hinausgeht.
Peter Holmgren, Geschäftsführer, Eisbären Regensburg










