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21.08.2026

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Zukunft Venue: Wie Stadien zu urbanen Destinationen werden

Stadien und Arenen sind längst mehr als reine Veranstaltungsorte. Richtig in die Stadt integriert, können sie ganzjährig soziale, wirtschaftliche und städtebauliche Impulse setzen – und damit zu wichtigen Bausteinen einer langfristigen Stadtentwicklung werden. Genau darum geht es in diesem Blogbeitrag der Buro Happold GmbH.


Stadien verbinden Sport, öffentlichem Raum und Identität. Im besten Fall bieten sie mehr als 90 Minuten Fussball: Sie können soziale Infrastruktur, wirtschaftliche Anker und Impulsgeber für eine langfristige städtische Erneuerung sein. In ganz Europa gewinnt diese Rolle an Bedeutung. Viele Städte stehen vor ähnlichen Herausforderungen: alternde Spielstätten, steigende Erwartungen von Fans und Gemeinden, hoher Druck auf öffentliche Investitionen sowie die Notwendigkeit, gesellschaftlichen Mehrwert nachzuweisen. Gerade in Deutschland, wo ein grosser Teil des Stadionbestands im Zuge der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 modernisiert wurde, beginnt ein neuer Investitionszyklus.

Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr nur, wie Venues technisch modernisiert werden können. Entscheidend ist, wie sie als aktive Bestandteile der Stadt neu positioniert werden: als Orte, die an jedem Tag des Jahres funktionieren, unterschiedliche Nutzergruppen ansprechen und sich zu urbanen Destinationen entwickeln.

Vom Veranstaltungsort zum Stadtbaustein

Internationale Projekte zeigen, wie sich das klassische Modell von Stadien und Arenen wandelt. Venues wie das Emirates Stadium, das Tottenham Hotspur Stadium oder das neue Hill Dickinson Stadium von Everton entwickeln sich weg von alleinstehenden Veranstaltungsstätten hin zu Treibern grösserer Quartiersentwicklungen.

Das Tottenham Hotspur Stadium ist Teil eines umfassenden Stadterneuerungsprogramms. Es hat Investitionen, Arbeitsplätze und gemeinschaftliche Aktivitäten in seinem Umfeld unterstützt und wird damit nicht allein als Austragungsort von Sport verstanden, sondern als Fokuspunkt für das wirtschaftliche und soziale Leben des Stadtteils.

Auch das Hill Dickinson Stadium in Liverpool verdeutlicht dieses Potenzial. Das Stadion am Bramley-Moore Dock ist ein wesentlicher Baustein bei der Revitalisierung eines ehemaligen Industriehafens und verankert die Entwicklung eines 60 Hektar grossen Ufergebiets. Es zeigt, dass eine Arena nicht nur auf den Moment des Events ausgerichtet sein muss, sondern langfristig zur Identität, Aktivierung und Entwicklung eines ganzen Stadtteils beitragen kann.

Die grösste Wirkung entfaltet ein Stadion-Masterplan dort, wo er gemischt genutzt, vollständig integriert und für unterschiedliche Gruppen der Gemeinschaft zugänglich ist. Erfolgreiche Projekte benötigen ein echtes Place-Making-Element: Orte, die Identität stiften, einladend wirken und über ihre unmittelbare Funktion hinausgehen.

Der Wert zwischen den Spieltagen

Eine Arena oder ein Stadion verfügt über grosse Flächen, hohe Kapazitäten und eine besondere öffentliche Wahrnehmung. Warum sollten diese Spielstätten dann nur an ein oder zwei Tagen pro Woche genutzt werden?

Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Tragfähigkeit moderner Spielstätten hängt zunehmend von ihrer Nutzung ausserhalb des Spielbetriebs ab. Stadien und Arenen müssen deshalb von Anfang an als Stück städtischer Infrastruktur geplant werden und zwar mit Funktionen, die auch an den Tagen ohne Spiel oder Konzert relevant sind.

Dabei geht es nicht um eine beliebige Ergänzung des Veranstaltungsprogramms. Es geht um die Verbindung der Spielstätten mit ihrem Umfeld: mit öffentlichen Räumen, Mobilität, Freizeit, Bildung, Gesundheit, Kultur und lokalen Gemeinschaften. Erfolgreiche Stadien entfalten ihren langfristigen Nutzen insbesondere dann, wenn sie mit Wohnungsbau, gewerblicher Entwicklung, Verkehrsinfrastruktur und hochwertigen Freiräumen verknüpft werden.

Der Wert einer Spielstätte bemisst sich somit nicht länger allein an ihrer Leistung am Spieltag. Entscheidend ist, wie aktiv sie das Leben der Stadt zwischen den Veranstaltungen bereichert.

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Unterschiedliche Ausgangslagen, ein Prinzip

In Deutschland ist diese Aufgabe besonders vielfältig. Viele grosse Stadien liegen am Stadtrand, andere sind eng mit gewachsenen innerstädtischen Quartieren verbunden. Eine einheitliche Lösung gibt es nicht. Das zugrunde liegende Prinzip bleibt jedoch gleich: Stadionprojekte müssen ihren spezifischen Standort verstehen und aus diesem Kontext heraus entwickelt werden.

In Berlin zeigt sich dies an unterschiedlichen Modellen. Der Olympiapark verbindet das Potenzial eines historischen, international bedeutenden Stadions mit der Frage, wie sich der Ort als Campus aus Sport-, Kultur- und Bildungseinrichtungen stärker vernetzen und ganzjährig aktivieren lassen kann. Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark verfolgt das Ziel eines inklusiven urbanen Sportquartiers, das Stadion, Gemeinschaftseinrichtungen, Sporthallen und öffentliche Freiräume miteinander verbindet.

In Hamburg liegt die langfristige Chance des Volksparkstadions darin, über die technische Modernisierung hinauszudenken. Die Entwicklung des Umfelds kann dazu beitragen, den Volkspark stärker als multifunktionales Sport- und Freizeitquartier zu positionieren. Ergänzende Angebote aus Sport, Gesundheit und Bildung könnten die Nutzung im Alltag stärken und das Stadion besser mit dem Stadtteil verbinden.

Innerstädtische Standorte wie das Millerntor-Stadion in Hamburg zeigen wiederum, wie stark Identität, soziale Treffpunkte und kulturelle Angebote bereits Teil des Stadionalltags sein können. Dort besteht die Herausforderung vor allem darin, Veranstaltungen, Personenströme und die Bedürfnisse der Nachbarschaft dauerhaft in Einklang zu bringen.

Mobilität, Freiraum und Zugänglichkeit

Die Integration von Venues in die Stadt beginnt nicht erst am Stadiontor. Erreichbarkeit, Wegeführung und die Qualität der öffentlichen Räume entscheiden wesentlich darüber, ob ein Ort im Alltag angenommen wird.

Gerade bei Arenen und Stadien am Stadtrand sind starke, integrierte Mobilitätskonzepte ein zentraler Erfolgsfaktor. Wenn die Anreise kompliziert ist und die Wege zwischen Haltestelle, Spielstätte und umliegenden Angeboten wenig zusammenhängend wirken, bleibt die Nutzung häufig auf einzelne Grossveranstaltungen beschränkt. Eine bessere Vernetzung kann dagegen helfen, Stadien und ihre Umgebung auch ausserhalb von Spieltagen stärker zu beleben.

Gleichzeitig müssen Venues für möglichst viele Menschen zugänglich sein. Inklusives Design reicht dabei über blosse Vorschriften hinaus: Es verbessert das Besuchserlebnis, ermöglicht vielfältigere Nutzungen und stärkt die Zukunftsfähigkeit eines Standorts. Ein flexibel nutzbarer, inklusiver öffentlicher Raum spricht ein breiteres Publikum an und kann kostspielige Nachrüstungen in der Zukunft vermeiden.

Sozialen Mehrwert früh verankern

Sollen Spielstätten nachhaltige und spürbare Wirkung für ihr Umfeld erzielen, darf sozialer Mehrwert nicht nachträglich ergänzt werden. Er muss bereits in den frühesten Phasen der Planung, Gestaltung und späteren Betriebsstrategie verankert sein.

Das betrifft die Organisation von Flächen ausserhalb der Veranstaltungen ebenso wie die Verbindung mit umliegenden Quartieren und die Frage, welche Gruppen Zugang erhalten. Sozialer Mehrwert kann nur entstehen, wenn er tatsächlich vielen Menschen zugutekommt.

Stadien und Arenen können Räume für Gemeinschaftsgruppen, Bildungsangebote, Gesundheit, Sport, Kultur und soziales Engagement bereitstellen. Sie können zur Identifikation eines Quartiers beitragen und Orte schaffen, an denen Menschen nicht nur als Zuschauerinnen und Zuschauer zusammenkommen. Vereine und ihre Spielstätten sind häufig tief in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt. Diese Verbindung ist ein wesentlicher Ausgangspunkt für die Entwicklung langfristig relevanter Orte.

Gute Voraussetzungen dafür sind vorhanden: eine ausgeprägte Fankultur, starke lokale Bindungen und Vereine, die bereits eine zentrale gesellschaftliche Rolle einnehmen. Die Aufgabe besteht darin, diese vorhandenen Stärken in räumliche Qualitäten, tragfähige Nutzungskonzepte und messbare Ergebnisse zu übersetzen.

Mehr dazu am eps ARENA SUMMIT


Kontakt

Buro Happold GmbH
Michael Salvo (Director Sport & Entertainment Europe)
E-Mail: michael.salvo@burohappold.com
Web: burohappold.com

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