Veranstaltungen managen.
16.09.2026
Mobilität als Schlüssel für moderne Stadien
Wie Menschen ein Stadion erreichen, sich darin bewegen und wieder verlassen, prägt längst mehr als nur den Spieltag. Anreise, Orientierung, Wartezeiten, Einlass und Abreise beeinflussen das Besuchserlebnis ebenso wie Sicherheit, Betrieb und Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an Stadien: Viele deutsche Venues stehen vor Modernisierung, Sanierung oder strategischer Neuausrichtung und sollen zunehmend ganzjährig als Teil der städtischen Infrastruktur funktionieren.
Buro Happold zeigt, warum Mobilität und Besucherströme dabei frühzeitig mitgedacht werden müssen – und wie intelligente Konzepte dazu beitragen können, Stadien sicherer, inklusiver, effizienter und stärker mit ihrer Umgebung zu verknüpfen.
Viele deutsche Venues befinden sich in einem neuen Modernisierungszyklus. Ein grosser Teil der heutigen Stadionlandschaft wurde vor der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft 2006 umfassend modernisiert. Heute stehen zahlreiche Spielstätten vor Erneuerung, Sanierung oder strategischer Neupositionierung. Gleichzeitig werden sie nicht mehr nur als Orte für Spieltage mit Spitzenbelastungen verstanden, sondern als feste Bestandteile städtischer Infrastruktur und als ganzjährig nutzbare gesellschaftliche Ankerpunkte.
Von Kapazität zu Leistungsfähigkeit
Traditionell wurde der Erfolg einer Spielstätte vor allem an Kapazität und wie schnell sie sich nach Veranstaltungen leeren liess bemessen. Diese Grundvoraussetzungen bleiben wichtig, reichen allein jedoch nicht mehr aus. Besucherströme und Mobilität werden zu einem Leistungsindikator – nicht nur zu einer Frage der Compliance.
Dafür braucht es ein Verständnis dafür, wie Menschen anreisen, sich versammeln, sich im und um das Stadion bewegen und wieder abreisen. Menschen folgen nicht ausschliesslich vorgegebenen Routen: Sie suchen den kürzesten Weg, orientieren sich an vertrauten Wegen, warten auf Gruppenmitglieder oder halten an, um Informationen zu lesen. Werden diese Verhaltensweisen im Planungsprozess berücksichtigt, lassen sich Risiken reduzieren und Räume intuitiver sowie sicherer gestalten.
In Deutschland ist das besonders relevant, weil die Ausgangslagen sehr unterschiedlich sind. Einige Stadien liegen ausserhalb der Stadtzentren und verfügen über speziell darauf ausgerichtete Verkehrsnetze. Andere befinden sich in dicht bebauten, gut angebundenen Stadtteilen, deren Systeme bereits an Kapazitätsgrenzen stossen. Modernisierungsprojekte müssen deshalb Spitzenbelastungen an Spieltagen bewältigen und zugleich sicherstellen, dass Infrastruktur im Alltag effizient, wirtschaftlich und relevant bleibt.
Das Stadion als Teil der Stadt
Der Erfolg von Stadien und Arenen hängt untrennbar von ihrer Anbindung an Verkehrssysteme und öffentlichen Raum ab. Zehntausende Menschen reisen an Veranstaltungstagen innerhalb kurzer Zeit an – häufig mit Bahn, Strassenbahn oder zu Fuss. Die Herausforderung besteht nicht allein darin, diese Menschen zu transportieren, sondern dies intuitiv, sicher und nahtlos in das städtische Umfeld integriert zu organisieren.
Besondere Bedeutung hat dabei die „letzte Meile“ zwischen Verkehrsknotenpunkten und Stadionvorplatz. Zuständigkeiten für Verkehr, Sicherheit und öffentlichen Raum sind häufig auf verschiedene Behörden und Organisationen verteilt. Fehlt die frühzeitige Abstimmung, können die Bereiche ausserhalb des eigentlichen Geländes zu Engpässen werden, die das gesamte Fan-Erlebnis beeinträchtigen.
Wird Mobilität dagegen als gemeinsames Gesamtsystem statt als Reihe getrennter Zuständigkeiten verstanden, können Stadionprojekte Impulse für Verbesserungen im öffentlichen Raum, beim Fuss- und Radverkehr sowie bei der Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger geben. Davon profitieren Städte nicht nur an Spieltagen, sondern ganzjährig.
Besucherströme intelligent gestalten
Internationale Projekte zeigen, wie detaillierte Analysen von Bewegungsabläufen die Planung und den Betrieb unterstützen können. Beim Hill Dickinson Stadium des Everton FC in Liverpool wurden Besucherströme innerhalb des Stadions gezielt gestaltet, um auch die Abläufe ausserhalb der Arena an einem räumlich eingeschränkten Standort positiv zu beeinflussen.
Für bestehende deutsche Stadien bietet die Modernisierung die Chance, Besucherwege neu zu strukturieren, Zugänge und Orientierungspunkte zu verbessern sowie Bewegungsabläufe im und um das Venue grundlegend neu zu denken. Ein Teil der Verbesserungen lässt sich betrieblich erreichen, andere erfordern gezielte bauliche Anpassungen.
Digitale Modellierung ermöglicht es heute, Zehntausende individuelle Bewegungsverläufe zu simulieren und Szenarien vom regulären Spieltag bis zur Evakuierung zu analysieren. Planungsteams können Risiken früh erkennen, räumliche Konzepte optimieren und Entscheidungen datenbasiert treffen. Auch im Betrieb können Daten helfen, Besucherströme dynamisch zu steuern, Wartezeiten zu reduzieren und die Nutzung von Flächen besser zu verstehen.
Mobilität, Ticketing und Inklusion
Für deutsche Spielstätten liegt eine wesentliche Chance darin, Ticket-, Mobilitäts- und Besuchermanagementsysteme stärker zu verknüpfen. Die UEFA EURO 2024 hat gezeigt, wie die Integration von Eintritts- und Fahrkarten die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel fördern kann. Mobilitätsstrategien reagieren damit nicht nur auf bestehendes Verhalten, sondern können es aktiv beeinflussen und betriebliche Effizienz, Fan-Erlebnis sowie Nachhaltigkeitsziele miteinander verbinden.
Mobilität und Besucherströme müssen zugleich für alle funktionieren. Inklusives Design geht über die Einhaltung von Mindeststandards hinaus. Physischer Zugang, Wegführung, Akustik, Beleuchtung und räumliche Orientierung beeinflussen, wie sicher und komfortabel sich unterschiedliche Menschen in einer Arena bewegen und zurechtfinden.
Klare Orientierung, intuitiv verständliche Raumkonzepte und gut gestaltete Sitzbereiche verbessern das Erlebnis für alle Besucherinnen und Besucher. Sensorik- und Rückzugsräume können darüber hinaus Menschen mit erhöhter sensorischer Sensibilität unterstützen. Für deutsche Stadien ist inklusive Mobilität deshalb nicht nur eine technische Anforderung, sondern ein Baustein dafür, dass Venues offen, einladend und für unterschiedliche Gruppen relevant bleiben.
Ganzjährige Nutzung ermöglichen
Bei der Modernisierung geht es nicht allein um die Leistungsfähigkeit an Spieltagen, sondern um langfristigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert. Moderne Veranstaltungsorte werden zunehmend als ganzjährige Ziele verstanden, die neben Sport auch andere Veranstaltungen und unterschiedliche Besuchergruppen anziehen.
Mobilitäts- und Besucherstromkonzepte sind eine Grundvoraussetzung für diese Flexibilität. Unterschiedliche Veranstaltungen bringen unterschiedliche Besucherprofile, Anreiseverhalten und Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur mit sich. Eine Infrastruktur, die dieser Vielfalt gerecht wird, stärkt die wirtschaftliche und operative Tragfähigkeit multifunktionaler Veranstaltungsorte.
Mobilität früh mitdenken
Mobilität ist keine nachgelagerte unterstützende Massnahme. Sie kann zu einem entscheidenden Planungsfaktor für Kapazität, Genehmigung und langfristige Leistungsfähigkeit werden. Die Weiterentwicklung des Stadions An der Alten Försterei in Berlin verdeutlicht diese Bedeutung: Die geplante Erweiterung ist an die Lösung langjähriger Herausforderungen bei Verkehr und Erschliessung geknüpft. Anforderungen an Anbindung, nachhaltigere Verkehrsmittel und eine CO₂-arme Erreichbarkeit stehen damit gleichberechtigt neben architektonischen und wirtschaftlichen Zielen.
Intelligente Mobilitätskonzepte erfordern die Zusammenarbeit von Verkehrsplanung, Crowd Dynamics, Gestaltung des öffentlichen Raums, digitalen Systemen und inklusiver Planung. Entscheidungen in einem Bereich wirken auf das gesamte System. Werden diese Fachdisziplinen früh eingebunden, können sie Layout, Kapazität und Betriebsabläufe rechtzeitig beeinflussen und kostspielige Nachrüstungen vermeiden.
Eine klare Richtung für moderne Venues
Der Erfolg von Stadien wird nicht allein durch Architektur bestimmt. Entscheidend ist, wie effektiv jede Spielstätte die Bewegung von Menschen ermöglicht – vom regionalen Verkehrsnetz über den Stadionvorplatz bis zurück in die Stadt.
Wenn Mobilitätskonzepte funktionieren, treten sie in den Hintergrund: Wege fühlen sich intuitiv an, die Umgebung wirkt angenehm, und Vorfreude prägt das Erlebnis stärker als Hindernisse. Intelligentes Design von Bewegungsströmen verbindet Sicherheit und Nutzererlebnis, Spitzenbelastungen und Alltagseffizienz, Stadionbetrieb und urbane Integration sowie Inklusion und Barrierefreiheit.
Die Chance besteht darin, Mobilität nicht länger als reine Frage der Compliance zu behandeln, sondern als Treiber gesellschaftlichen Mehrwerts. So können Stadien, Arenen und andere Venues zu vernetzten, inklusiven und leistungsfähigen Bestandteilen der Stadt werden.
Kontakt
Buro Happold GmbH
Michael Salvo (Director Sport & Entertainment Europe)
E-Mail: michael.salvo@burohappold.com
Web: burohappold.com











