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11.08.2026

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Live-Kommunikation wird zum Erfolgsfaktor der digitalen Welt

Je digitaler unsere Welt wird, desto wichtiger werden echte Begegnungen. Davon ist Bala Trachsel, Vize-Präsidentin des Verbands Swiss Livecom Association Expo Event sowie CEO und Founder der Kreativagentur Republica, überzeugt. Im Expertview erklärt sie, warum Events, Messen und Kongresse auch im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz unverzichtbar bleiben und weshalb persönliche Begegnungen auch in Zukunft Innovation fördern.

Bala, Du sagst: Die Schweiz braucht Live-Kommunikation. Warum?

Weil eine Gesellschaft und eine Wirtschaft nicht allein von digitalen Kontakten leben können. Wir kommunizieren heute schneller und ortsunabhängiger als je zuvor – und gleichzeitig wird uns immer bewusster, wie wertvoll persönliche Begegnungen sind. Vertrauen entsteht durch direkten Austausch, Gespräche und gemeinsame Erlebnisse. Gerade für die Schweiz ist das entscheidend: Als viersprachiges kleines Land mit einer starken Wirtschaft und einem engen Netzwerk zwischen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft schafft Live-Kommunikation Räume für Begegnungen, Austausch und Vertrauen. Sie bringt Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden.

Aber wir leben in einer zunehmend digitalen Welt. Wird Live-Kommunikation dadurch nicht irgendwann überflüssig?

Im Gegenteil. Künstliche Intelligenz wird viele Prozesse verändern und uns künftig noch stärker dabei helfen, Informationen zu verarbeiten, Inhalte zu erstellen und Abläufe effizienter zu gestalten. Das ist eine enorme Chance. Aber Technologie kann nicht alles ersetzen. Sie kann uns Informationen liefern, aber sie schafft noch kein Vertrauen. Je mehr über AI erfolgt, desto mehr sehnen wir uns nach einer realen Safe-Zone. Das sind direkte, ehrliche und echte Begegnungen, Dialoge oder eine körperliche -Erfahrungen. Und genau dort liegt die Stärke unserer Branche.

Was Dir Recht gibt: Unternehmen investieren trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten weiterhin in Events, Messen und Kongresse. Was ist der konkrete Mehrwert?

Unternehmen investieren nicht in Veranstaltungen, weil sie schöne Bühnen oder Apéros veranstalten wollen. Sie investieren in Beziehungen, Sichtbarkeit, Vertrauen und letztlich ins Geschäft. Ein einzelnes persönliches Gespräch kann häufig mehr bewirken als hundert digitale Kontakte. Auf Messen und Corporate Events entstehen neue Kunden- und Partnerkontakte, an Kongressen neue Ideen und an Events wird eine Marke emotional erlebbar. Der grösste Mehrwert entsteht dabei meistens in den informellen Momenten: beim Kaffee, in der Pause oder beim gemeinsamen Abendessen. Hier entstehen Begegnungen, aus denen Kontakte, Kooperationen und manchmal sogar Innovationen entstehen.

Ist dieser Wert denn überhaupt messbar?

Natürlich müssen wir als Branche den Nutzen unserer Arbeit nachvollziehbar belegen. Besucherzahlen und Reichweiten sind wichtige Kennzahlen, erzählen aber nicht die ganze Geschichte. Entscheidend ist auch: Welche Kontakte, Geschäftsbeziehungen und Leads entstehen? Wie verändert sich die Wahrnehmung einer Marke? Und welche Innovationen entstehen aus persönlichen Begegnungen? Die Herausforderung besteht darin, die emotionalen Qualitäten von Live-Kommunikation mit messbaren Business-Zielen zu verbinden. Hier sehe ich noch grosses Potenzial.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz für die Eventbranche?

Eine sehr grosse. KI verändert unsere Branche– wahrscheinlich stärker, als wir heute noch denken. Sie kann uns bei der Konzeption unterstützen, Daten analysieren, Zielgruppen besser verstehen, Inhalte personalisieren und Prozesse automatisieren. Und sie kann helfen, Veranstaltungen effizienter und individueller zu gestalten. Aber wir sollten sie nicht als Selbstzweck einsetzen. Die entscheidende Frage lautet nicht: «Wo können wir KI einsetzen?», sondern: «Wo schafft die künstliche Intelligenz für unsere Kundinnen und Kunden und für die Teilnehmenden einen echten Mehrwert?» Wenn KI uns von Routinen entlastet und dadurch mehr Zeit für Kreativität, Strategie und persönliche Beziehungen schafft, dann ist das eine grosse Chance. Die Technologie sollte uns dabei helfen, menschlicher zu werden – nicht unpersönlicher.

Inwiefern verändern sich damit die Anforderungen an Events?

Wenn Informationen jederzeit digital verfügbar sind, reicht es nicht mehr, Menschen einfach Informationen auf einer Bühne zu präsentieren, die sie auch online abrufen könnten. Eine Veranstaltung muss künftig einen echten Grund liefern, warum sich Menschen auf den Weg machen. Sie muss Begegnung ermöglichen, inspirieren, überraschen und einen Mehrwert schaffen, der digital nicht reproduzierbar ist. Das bedeutet auch, dass die Qualität der Veranstaltung wichtiger wird. Nicht unbedingt im Sinne von grösser, spektakulärer und teurer, sondern im Sinne von relevanter, persönlicher und authentischer.

Ein weiteres grosses Thema ist die Nachhaltigkeit. Wie nachhaltig kann Live-Kommunikation überhaupt sein?

Circular Economy und psychische Nachhaltigkeit müssten systematisch angegangen werden. Für uns beim Verband ist deshalb wichtig, diese Themen als langfristigen Erfolgsfaktor zu verstehen. Wir unterstützen unsere Mitglieder mit konkreten Instrumenten wie dem Event Sustainability Monitor, Vorlagen für Nachhaltigkeitsberichte und der Begleitung auf dem Weg zur ISO-20121-Zertifizierung. Gleichzeitig geht es um ressourcenschonende Prozesse, Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung. Nachhaltigkeit kann dabei auch wirtschaftliche Vorteile bringen, etwa durch effizienteren Ressourceneinsatz, tiefere Kosten und geringere Risiken. Als Branche müssen wir gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Zukunft liegt deshalb nicht in weniger Live-Kommunikation, sondern in intelligenter, ressourcenschonender und nachhaltig konzipierter Live-Kommunikation.

Warum braucht die Schweiz eine starke LiveCom-Branche?

Weil Live-Kommunikation ein wichtiger Teil unserer Wirtschafts- und Innovationslandschaft ist. Unsere Branche verbindet Menschen, Unternehmen und Institutionen. Sie schafft Arbeitsplätze, fördert Innovation und bringt enorme Wertschöpfung. Vor allem aber schafft sie Orte des Austauschs. Und diese werden in einer Zeit, in der gesellschaftliche und geopolitische Herausforderungen zunehmen, immer wichtiger. Die Schweiz kann es sich nicht leisten, ihre Begegnungsräume zu verlieren. Wir brauchen Messen, Kongresse, Events und Ausstellungen, an denen Menschen Wissen teilen, neue Geschäftsmodelle diskutieren und gemeinsam Lösungen entwickeln. Eine starke LiveCom-Branche ist deshalb nicht nur für unsere Branche selbst wichtig. Sie ist ein Standortfaktor für die Schweiz.

Die Swiss LiveCom Association EXPO EVENT organisiert jährlich den XAVER Award, die wichtigste Auszeichnung der Schweizer LiveCom-Branche. Welche Rolle spielt er in dieser Diskussion?

Der XAVER zeigt jedes Jahr, was unsere Branche leisten kann. Er zeichnet Projekte aus, die Menschen bewegen, Marken erlebbar machen und neue Wege gehen. Aber ich glaube, wir sollten den XAVER nicht nur als Preisverleihung verstehen. Er kann auch ein Anlass sein, um über die Zukunft unserer Branche zu sprechen. Wir müssen uns als Branche fragen: Was erwarten Menschen künftig von Veranstaltungen? Wie nutzen wir KI sinnvoll? Wie schaffen wir nachhaltige Formate? Welche Kompetenzen brauchen wir? Und wie überzeugen wir junge Menschen davon, dass die LiveCom-Branche ein attraktives und zukunftsorientiertes Berufsfeld ist? Diese Fragen können wir nicht als einzelne Unternehmen beantworten. Wir brauchen den Austausch innerhalb der Branche – und auch mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Darum führen wir diese Jahr zum ersten Mal die LiveComvention vor dem XAVER durch.

Was steckt hinter dieser neuen Plattform?

Mit der LiveComvention schaffen wir zusätzlich einen Raum, in dem wir gemeinsam diskutieren, wohin sich die Branche entwickeln muss und welche Herausforderungen vor uns liegen. Statt klassischer Frontalvorträge setzen wir auf eine partizipative «Unkonferenz» mit Bar Camps. Branchenprofis, Innovatorinnen und Innovatoren sowie Nachwuchskräfte diskutieren auf Augenhöhe konkrete Themen wie KI, Nachhaltigkeit, die Events der Zukunft und die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer LiveCom-Standorts. Dass die LiveComvention unmittelbar vor dem XAVER stattfindet, ist bewusst gewählt: Zuerst denken wir gemeinsam über die Zukunft unserer Branche nach, tauschen Wissen und Perspektiven aus und blicken hinter die Kulissen der Festhalle Bern. Danach feiern wir am XAVER die besten Projekte und Leistungen unserer Branche. Beides gehört für mich zusammen: Wir müssen nach vorne denken und gleichzeitig stolz auf das sein, was wir heute bereits leisten.

Was ist Deine persönliche Vision für die Live-Kommunikation der Zukunft?

Ich wünsche mir eine Branche, die selbstbewusst auftritt und ihren Wert noch klarer sichtbar macht. Wir sollten nicht nur über Hallenflächen, Besucherzahlen und Reichweiten sprechen, sondern über das, was durch Begegnungen entsteht: Vertrauen, Beziehungen, Innovation und wirtschaftliche Entwicklung. Die Zukunft wird digitaler. Davon bin ich überzeugt. Aber gerade deshalb wird das Echte, das Persönliche und das Gemeinsame an Bedeutung gewinnen. Künstliche Intelligenz kann uns helfen, schneller und effizienter zu werden. Sie kann uns aber nicht die wichtigste Aufgabe abnehmen, die wir als Branche haben: Menschen zusammenzubringen. Deshalb bin ich überzeugt: Je digitaler unsere Welt wird, desto wichtiger werden echte Begegnungen. Und genau deshalb braucht die Schweiz in Zukunft nicht weniger, sondern mehr Live-Kommunikation.

Mehr Infos zum XAVER Award


Kontakt

EXPO EVENT Swiss LiveCom Association
Adrian Erni (Mediensprecher)
E-Mail: adrian.erni@expo-event.ch
Web: expo-event.ch

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