Veranstaltungen managen.
03.02.2026


Effektive Sicherheitskonzepte für Events
Steigende Anforderungen, neue Risikolagen und wachsende Erwartungen von Besuchern, Behörden und Partnern stellen Veranstalter und Venues vor komplexe Sicherheitsherausforderungen. In diesem Inside Artikel werfen wir gemeinsam mit Experten aus dem Netzwerk einen Blick darauf, wie Events heute ganzheitlich, vorausschauend und praxisnah abgesichert werden – und welche unterschätzten Risiken besonders zu beachten sind.
Bessere Ausbildung
Das grösste Risiko besteht darin, dass sich der Veranstalter zu wenig oder gar nicht um die Sicherheit kümmert und/ oder mangelnde Kenntnisse der Risiken hat, weil die Risikoanalyse nicht seriös genug vorgenommen wurde. Ausserdem stellen wir fest, dass noch zu viele Veranstalter aus Budgetgründen bei der Sicherheit sparen. In meiner bisherigen Karriere musste ich oftmals feststellen, dass das Personal noch besser und öfter ausgebildet werden muss.
Ein Event ist als sicher zu bewerten, wenn die Risikoanalyse keine oder geringe Risiken erkennt, geeignete Massnahmen dagegen ergriffen wurden und sich der Veranstalter proaktiv um die Sicherheit kümmert. Dazu gehört, dass er mit einem eigenen Sicherheitskonzept kommt. Unverzichtbar ist, dass die operative Leitung die Fluchtwegsituation geprüft hat und die Sicherheitsverantwortlichen ausgebildet und in genügender Anzahl anwesend sind.

Um unsere eigenen Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern haben wir letzten Sommer beschlossen, unser Sicherheitskonzept grundlegend zu hinterfragen. Die Arbeiten laufen gegenwärtig. Sobald das Konzept fertig überarbeitet ist, werden wir es von der Blaulichtorganisation der Stadt Zürich prüfen lassen, unser Personal praktisch ausbilden, so dass wir noch dieses Jahr eine Evak-Übung (wenn möglich unter Einbezug von Schutz&Rettung) durchführen können.
Michel Loris-Melikoff, CEO, Kongresshaus Zürich
Kernthema Brandschutz
Unsere Sicherheitsorganisation und -konzepte sind professionell aufgesetzt und werden laufend gemeinsam mit den zuständigen Behörden überprüft und angepasst. Die Auflagen sind hoch und werden konsequent eingehalten. Dazu gehören unter anderem Evakuationskonzepte für unterschiedliche Notfallszenarien sowie regelmässige Schulungen unserer Mitarbeitenden.
Zu den häufigsten Sicherheitsrisiken bei Veranstaltungen zählen Brandschutzthemen, die von Veranstaltenden oft unterschätzt werden – etwa leicht entflammbare Dekorationsmaterialien oder verstellte Fluchtwege. Auch offene Flammen oder Gasgrills stellen ein erhöhtes Risiko dar. Innerhalb unserer Hallen sind deshalb ausschliesslich Elektrogrills erlaubt. Sicherheit und eine eindrucksvolle Inszenierung lassen sich nur vereinen, wenn der Brandschutz von Beginn an mitgedacht wird.
Die Umsetzung der Sicherheitsvorgaben wird vor und während der Veranstaltungen aktiv sichergestellt: Ausgebildete Veranstaltungsbetreuende sind permanent vor Ort, kennen die kritischen Punkte und greifen bei Abweichungen konsequent ein. Besondere Aufmerksamkeit gilt stark frequentierten Bereichen wie den Degustationshallen 4 und 5 mit Sprinkleranlagen, permanenter Überwachung und einer engen Zusammenarbeit mit unserer Sicherheitspartnerin Securitas.
So schaffen wir ein Umfeld, in dem sich unsere Besucherinnen, Aussteller, Kundinnen und Partner sicher fühlen können. Wir sind uns unserer hohen Verantwortung als Eventlocation bewusst und nehmen das Thema Sicherheit sehr ernst.
Sonia Hartmann, Leiterin Infrastruktur, Mitglied der Geschäftsleitung und Sicherheitsverantwortliche, Olma Messen St. Gallen
Besucherflüsse als schwer kalkulierbares Risiko
Aus unserer Sicht liegen die häufigsten Risiken in der Besucherdynamik und nicht in der Technik oder Infrastruktur. Unvorhergesehene Publikumsreaktionen und Alkohol-Konsum können zu kritischen Situationen führen. Aber auch spontane Abweichungen vom normalen Besucherfluss, wie z.B. Verdichtungen oder Gegenströme entstehen oft sehr schnell. Nicht jede Dynamik kann im Vorfeld mit einem klassischen Planungsmodell realistisch eingeschätzt werden und dann gilt es entsprechend rasch zu reagieren, um ein potentielles Sicherheitsrisiko abzuwenden.
Jeder Event wird individuell beurteilt anhand eines Sicherheitskonzeptes. Ein Event ist erst dann wirklich sicher, wenn die gesetzlichen Vorgaben nicht nur erfüllt werden, sondern alle Massnahmen auch konsequent auf den konkreten Anlass und auf unser Gebäude zugeschnitten umgesetzt werden. Unverzichtbar sind dabei realistische Kapazitätsansätze, klare Evakuationskonzepte, abgestimmte Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Lageverständnis aller beteiligten Stellen.

Dennoch werden Sicherheitsmaßnahmen häufig unterschätzt. Gerade im Konzertbereich werden kurzfristige Änderungen an Layouts bei hohen Innenraum-Belegungen oft unterschätzt. Kleine Anpassungen an Barricades, Cateringflächen oder Einlässen können massive Auswirkungen auf Personenflüsse haben. Diese Änderungen bergen Risiken, da im operativen Betrieb Entscheidungen häufig unter Zeitdruck und ohne ausführliche Prüfung getroffen werden müssen.
Joe Wüst, CPO, Hallenstadion Zürich
Technische Heterogenität
Die aktuelle Sicherheitslage erfordert eine differenzierte Bewertung physischer und digitaler Risiken. Neben klassischen Herausforderungen wie Auslassmanagement, Wetterextremen oder Verhalten des Publikums gewinnen Themen wie Drohnendetektion, Zufahrtsschutz und Lagebildüberwachung mittels Kamera und KI an Bedeutung.

Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen IT- und Veranstaltungssicherheit: Besonders kritisch sind Cyber-Physical Attacks auf Gebäudetechnik, Ticketbetrug oder Ransomware-Attacken. Auch die geopolitische Lage beeinflusst die Sicherheitsarchitektur.
Mit D.PROTECT bündeln wir technisches Fachwissen und setzen auf individuell analysierte Risikolagen. Darüber hinaus verbinden unsere integrierten Sicherheitsarchitekturen Zugangskontrolle, strikte Netzwerksegmentierung, 24/7-Monitoring und KI-gestütztes Crowd Management.
Ein oft unterschätzter Aspekt ist das Management technischer Heterogenität. Externe Partner bringen oft unsichere Geräte mit. Da wir diese nicht kontrollieren können, ist strikte Netzwerk-Segmentierung essenziell. Fremdgeräte isolieren wir konsequent in VLANs, getrennt von sensiblen Netzwerkbereichen. Ergänzend definieren wir klare Übergabepunkte und Haftungsgrenzen und setzen auf ein proaktives SOC sowie KI-gestützte Analysen, um Anomalien im Netzwerk frühzeitig zu erkennen.
Sicherheit bedeutet für uns, Risiken frühzeitig zu erkennen, strukturiert zu handeln und auch im Ernstfall verlässlich zu kommunizieren – über Venue-Grenzen hinaus.
Sicherheit scheitert selten am Konzept, sondern an der Umsetzung und am Timing
Die grössten Risiken entstehen durch überfüllte Bereiche und situative Eskalationen. Oft kommen Zeit- und Kostendruck sowie falsche Annahmen hinzu nach dem Motto: „Es ist bisher immer gut gegangen / nicht vorgekommen.“
Ein Event ist sicher, wenn klare Verantwortlichkeiten, geschultes Personal und funktionierende Kommunikation vorhanden sind und Notfälle realistisch mitgedacht wurden. Sicherheit zeigt sich nicht im Konzept, sondern im Handeln.
Häufig unterschätzt werden Crowd Psychology, Back-of-House-Sicherheit und die Schulung von nicht-sicherheitsrelevantem Personal. Auch kurzfristige Änderungen werden zu selten sicherheitlich neu bewertet.
Patrick Ammann, Managing Director, Swiss Indoors











