Event- & Entertainment-Marketing.
19.10.2026 //

Das Smartphone wird zur zweiten Bühne des Events
Events enden heute nicht mehr mit dem letzten Song oder Programmpunkt. Viele Veranstalter investieren zunehmend in digitale Besucherbindung, bauen Communities auf und schaffen neue Erlösquellen im Sponsoring. Wie sich die Eventbranche dadurch verändert, zeigt das Beispiel des Frankfurter Unternehmens chaanz.
Nürburgring. 90.000 Menschen feierten bei Rock am Ring. Während auf der Hauptbühne die Gitarren erklingen, stehen Timetable, Geländeplan und aktuelle Informationen auf dem Smartphone bereit.
Über diese Basisfunktionen hinaus können Event-Apps von chaanz auch Menschen mit gemeinsamen Interessen zusammenbringen, spontane Verabredungen ermöglichen oder auf Aktionen in der Nähe hinweisen. Kein Suchen im Menschenmeer.
Früher entschied der Zufall. Heute übernimmt das Smartphone.
Was für Besucher wie eine praktische Event-App aussieht, ist für Veranstalter zu einem eigenen Kommunikationskanal geworden. Hinter dieser Entwicklung steht das Frankfurter Unternehmen chaanz. Statt klassischer Event-Apps entwickelt das Unternehmen digitale Plattformen im Erscheinungsbild der Veranstalter. Sie begleiten Besucher vor, während und nach einer Veranstaltung, helfen bei der Orientierung auf dem Gelände und können Menschen auch über das jeweilige Event hinaus miteinander in Kontakt bringen – etwa über Mitfahrgelegenheiten, Partnerbörsen, Jobsuche oder Networking.
„Events leben von gemeinsamen Erlebnissen. Unsere Aufgabe ist es, Menschen genau in diesen Momenten miteinander zu verbinden und gleichzeitig Veranstaltern und Partnern einen echten Mehrwert zu bieten“, sagt Marwin Grundel, Geschäftsführer von chaanz.
Bekannt wurde das Unternehmen durch den Auftritt in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“. Der damals angekündigte Deal mit den Löwen wurde am Ende beidseitig nicht umgesetzt. Die TV-Ausstrahlung sorgte jedoch für grosse Aufmerksamkeit in der gesamten Eventbranche. Heute setzen unter anderem Rock am Ring, das Greenfield Festival, FKP Scorpio, die Street Parade und Tit-Pit auf chaanz.
Mit der Digitalisierung verändert sich auch das Sponsoring. Marken erscheinen nicht mehr nur auf Bannern oder Bühnen, sondern werden Teil des Eventerlebnisses. Gewinnspiele oder exklusive Aktionen erscheinen genau dann, wenn sie für Besucher relevant sind. Sponsoring wird dadurch interaktiver und messbarer.
„Sponsoren erwarten heute mehr als Reichweite. Sie wollen nachvollziehen können, welche Wirkung ihre Partnerschaften erzielen. Digitale Plattformen schaffen die Verbindung zwischen realem Erlebnis und messbaren Kontakten“, sagt Hans-Willy Brockes, CEO des ESB Marketing Netzwerks und Veranstalter des Branchenkongresses 360° Entertainment.
Dass dieser Ansatz funktioniert, bestätigt auch Andreas Ibrom, der das Sponsoring bei FKP Scorpio verantwortet. „Wir wollen für alle Beteiligten einen echten Mehrwert schaffen: Besucher sollen im richtigen Moment relevante Informationen und Angebote erhalten, während Sponsoren ihre Zielgruppe auf innovative Weise erreichen können. Entscheidend sind für uns messbare, interaktive und emotional erlebbare Aktivierungen vor Ort. Statt klassischer Logoplatzierungen möchten wir unseren Partnern Möglichkeiten bieten, die sinnvoll in das Eventgeschehen integriert sind und von den Besuchern nicht als störend, sondern als hilfreich und unterhaltsam wahrgenommen werden. Dadurch entstehen eine höhere Interaktion und eine stärkere Markenwahrnehmung. Gleichzeitig unterstützen wir Sponsoren dabei, ihre Ziele zu erreichen – von einer höheren Sichtbarkeit bis hin zur Verkaufsförderung – und erweitern als Veranstalter unser digitales Angebot für bestehende und zukünftige Partner.“, sagt Ibrom.
Für Veranstalter entsteht gleichzeitig ein direkter Kommunikationskanal zu ihren Besuchern. Sie erkennen, welche Bereiche besonders stark frequentiert sind, welche Inhalte funktionieren und wie sich Besucher über das Gelände bewegen. Diese Erkenntnisse helfen dabei, Besucherströme besser zu steuern, Veranstaltungen weiterzuentwickeln und den Erfolg von Sponsoringmassnahmen nachvollziehbar zu machen.
Die Zahlen zeigen, warum Veranstalter umdenken. Nach Angaben von chaanz nutzen rund vier von fünf Besuchern die App während eines Events.
Ein Beispiel für eine digitale Sponsoringaktivierung war der „Cool Caddy“ von BECK’s beim Hurricane Festival: ein Fahrzeug, das kalte Getränke auf dem Eventgelände verteilte. In der Event-App konnten Besucher live verfolgen, wo sich das Fahrzeug gerade befand – ähnlich wie bei der Sendungsverfolgung einer Essenslieferung – und welche Angebote dort verfügbar waren. Im Durchschnitt interagierten die Nutzer rund 14,8 Minuten mit der Aktivierung des Sponsors. Über alle Nutzer summiert entsprach dies einer Brand Experience von rund 63 Tagen.
Der eigentliche Unterschied zeigt sich allerdings vor und nach dem Event. Die Event-Apps von chaanz werden nicht direkt wieder gelöscht nach einem Event, sondern bleiben bestehen. Besucher können bereits vor dem Event Mitfahrgelegenheiten organisieren, andere Teilnehmer kennenlernen und auch danach miteinander in Kontakt bleiben. Für Veranstalter entsteht so eine Community, die weit über das eigentliche Event hinausreicht. Nach Angaben von chaanz erreicht die Plattform eine Retention Rate von bis zu 63 Prozent. Umgerechnet bedeutet das, dass Nutzer in durchschnittlich sieben bis acht von zwölf Monaten eines Jahres aktiv in der App sind.
Auch wirtschaftlich macht sich dieser Ansatz bemerkbar. „Veranstalter steigern ihre Sponsoringerlöse durch digitale Aktivierungen teilweise um bis zu 17 Prozent“, so Grundel. Im Messe- und Kongressbereich buchen rund 23 Prozent der Aussteller zusätzliche digitale Leistungen innerhalb der Plattform.
Für Folkert Koopmans, CEO von FKP Scorpio, liegt genau darin die Zukunft von Live-Events. Apps informieren Besucher zielgerichtet, verbinden Besucher leichter mit neuen Menschen, binden Sponsoren sinnvoll ein und helfen Veranstaltern dabei, ihre Zielgruppe besser zu verstehen. „Emotionales Engagement schafft Mehrwert für Besucher, Sponsoren und Events gleichermassen“, sagt Koopmans.
Events enden heute nicht mehr mit dem letzten Song oder Programmpunkt. Für viele Veranstalter beginnt dann erst die eigentliche Arbeit: Besucher binden, neue Tickets verkaufen und die Community bis zum nächsten Event aktiv halten. Das nächste Event ist längst auf dem Smartphone.
Kontakt
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Gabriele Grießenböck (Presse/PR/Bilder)
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