Marken managen.
03.06.2026


Wie KASU die Digitalisierung von 15.000 österreichischen Sportvereinen angehen will
Ein Gründer aus der Vereinspraxis, ein strukturelles Marktversagen und eine Partnerschaft mit der SPORTUNION – die Vereinsverwaltungssoftware KASU setzt auf digitale Souveränität und Skalierung über eine bestehende Verbandsstruktur.
Der Markt ist groß, fragmentiert und bislang weitgehend unerschlossen: Rund 15.000 Sportvereine sind in Österreich registriert. Die meisten verwalten ihre Mitglieder in Excel, koordinieren Trainer:innen per WhatsApp und verbringen Stunden mit Meldeformularen, die theoretisch automatisierbar wären. Eine Branche, die strukturell Jahrzehnte hinter ihrem Potenzial zurückliegt - nicht aus Desinteresse, sondern weil die verfügbaren Softwareprodukte die spezifischen Anforderungen des österreichischen Vereinsrechts und Meldewesens schlicht nicht abbildeten. KASU, eine in Österreich vom Sportverein SPORTUNION Tulln entwickelte Vereinsmanagement-Plattform, will diese Lücke schließen. Die jüngst bekanntgegebene Partnerschaft mit der SPORTUNION Österreich - einer der größten Sportorganisationen des Landes - ist der erste systematische Schritt in Richtung Skalierung.
Das Marktversagen: Warum generische Software hier scheitert
Das Problem ist kein technologisches, sondern ein strukturelles. Österreichische Sportvereine unterliegen spezifischen Meldepflichten gegenüber Landes- und Dachverbänden - darunter die jährliche L19-Meldung, die PRAE-Abrechnung für Trainer:innen sowie verbandsinterne Statistikpflichten. Internationale oder branchenfremde Softwareanbieter bilden diese Anforderungen nicht ab. Das Ergebnis: Vereine betreiben mehrere parallele Systeme, Daten werden doppelt erfasst, Fehler häufen sich.
Die Folgen: Ehrenamtliche zahlen mit ihrer Zeit
Die messbaren Konsequenzen sind erheblich. Allein die Mitgliedsanmeldung dauert pro Person im Schnitt 10 Minuten - bei großen Vereinen mit hunderten Neueintritten pro Jahr ein signifikanter Verwaltungsblock. Aussendungen, die über mehrere Kanäle manuell koordiniert werden müssen, kosten pro Vorgang rund eine Stunde. Jahresstatistiken und Verbandsmeldungen binden ein bis zwei volle Arbeitstage. „Prozesse, die bisher oft mehrere Stunden oder Tage Aufwand bedeutet haben, reduzieren sich auf wenige Minuten Kontrolle und Freigabe", so Johannes Blauensteiner, KASU-Mitgründer (gemeinsam mit Ing. Christoph Nagl, Technischer Entwickler und Systemarchitekt mit langjähriger Erfahrung).
Das Produkt: Vertikale Integration statt Insellösungen
KASU verfolgt einen Ansatz der vertikalen Integration: Mitgliederverwaltung, Kursorganisation, Trainerplanung, Rechnungserstellung, Beitragsabwicklung, Kommunikation und Verbandsmeldungen laufen über eine einzige Plattform. Der entscheidende Differenzierungsfaktor ist die eingebettete Meldelogik: Die Software nutzt im laufenden Vereinsbetrieb ohnehin anfallende Daten und verarbeitet sie automatisiert für die gesetzlich vorgeschriebenen Meldeprozesse - ohne Mehraufwand für den Nutzer.
Kennzahlenvergleich: Vor und nach KASU
- Mitgliedsanmeldung. Ohne KASU: ~10 Minuten | Mit KASU: < 60 Sekunden
- Vereinsaussendung. Ohne KASU: ~60 Minuten | Mit KASU: < 2 Minuten
- Trainingsteilnehmerliste: Ohne KASU. ~45 Minuten | Mit KASU: Echtzeit, automatisch
- Jahresstatistiken / Verbandsmeldungen. Ohne KASU: 1–2 Arbeitstage/Jahr | Mit KASU Minuten (Export)
- PRAE-Abrechnung & L19-Meldung. Ohne KASU: Mehrere Stunden/Monat | Mit KASU: Automatisiert
Pilotphase: Skalierbar von 100 bis 4.000 Mitglieder
In einer Pilotphase wurde die Plattform sowohl in Groß- als auch in Kleinvereinen produktiv eingesetzt - mit konsistent positiven Rückmeldungen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Architekturansatz über unterschiedliche Vereinsgrößen hinweg trägt. Thomas Dworak, Obmann des Union West-Wien mit rund 4.000 Mitgliedern, bezeichnet KASU als „modernes und praxisnahes Gesamtpaket: Wir freuen uns, bei der Weiterentwicklung für Großvereine eingebunden worden zu sein und glauben, dass diese Plattform für kleine und große Vereine eine effiziente Bereicherung ist und zur Entlastung des Ehrenamts beiträgt." Auch auf Ebene kleinerer Vereine zeigt sich der Effekt deutlich. Fabian Strobl, Obmann der SPORTUNION Kapelln mit rund 100 Mitgliedern: „Der gesamte Prozess - von der Mitgliederanmeldung über Rechnungsausstellung und Zahlungseingangskontrolle bis zur Anwesenheitsstatistik - läuft automatisiert und digital ab. Auch die Übungsleiter:innen-PRAE-Abrechnung erfolgt vollständig automatisch, was unsere Vereinsarbeit erheblich erleichtert."
Die Vertriebsstrategie: Skalierung über Verbandsstruktur
Die Partnerschaft mit der SPORTUNION ist kein klassischer Vertriebsdeal, sondern ein struktureller Marktzugang. Die SPORTUNION fungiert als Distributionskanal in eine bereits organisierte Nutzerbasis: Tausende Mitgliedsvereine, die über bestehende Verbandsstrukturen erreichbar sind und denselben Meldepflichten unterliegen. Für KASU bedeutet das einen kosteneffizienten Rollout ohne einzelne Kundenakquise. Für die SPORTUNION entsteht eine einheitliche Datenbasis über alle angeschlossenen Vereine - erstmals strukturiert auswertbar für Sportentwicklung, Fördersteuerung und Infrastrukturplanung. „Während auf EU-Ebene über Abhängigkeiten von US-Digitalkonzernen diskutiert wird, setzen wir gemeinsam mit KASU auf eine Lösung, die tatsächlich aus Österreich kommt - und auch dort bleibt", so Peter McDonald, Präsident der SPORTUNION.
Einordnung: Digitale Souveränität als Positionierungsargument
Der Hinweis auf den österreichischen Ursprung der Software ist mehr als ein Marketingargument. Im Kontext der laufenden europäischen Debatten über Datensouveränität, Cloud Act-Risiken und Abhängigkeiten von US-Plattformen gewinnt die Frage, wo Daten liegen und wessen Recht gilt, auch im Non-Profit-Bereich an Relevanz. KASU positioniert sich explizit als europäische Alternative - ein Punkt, der bei Verbandsverhandlungen und öffentlichen Fördergebern zunehmend Gewicht hat.
Kontakt
SPORTUNION Österreich
Wolfgang Wonesch
Mobil: +43 664 / 606 133 03
Mail: wolfgang.wonesch@sportunion.at











