Eine Studie des Beratungsunternehmens JLL ergab, dass 33% der befragten Unternehmen eine Präsenzpflicht eingeführt haben. Unter anderem SAP und die Deutsche Bank folgen diesem Trend und wollen ihre Mitarbeitenden zu mindestens 3 Präsenz-Tagen im Büro in der Woche verpflichten. Wie dieser Trend bei Partnern aus dem Netzwerk verbreitet ist und welche Gründe für sie dafür oder dagegen sprechen, liest du hier.

Unternehmenskultur und Gleichberechtigung

Das Thema New Work hört sich so neu an, ist es aber nicht. Interpretiert bedeutet es, die Arbeitsbedingungen umfassend sich verändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Diese waren während der Pandemie anders als heute. Um es vorweg zu nehmen: Von von oben angeordneten Modellen halte ich nichts; New Work bedeutet eben auch, im offenen Dialog miteinander die besten Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dabei spielt insbesondere die Unternehmenskultur eine gewichtige Rolle: Herrscht ein Klima des Vertrauens, der Transparenz und der Verantwortung für einander, finden sich die besten Lösungen für jedes Team im und das Unternehmen selbst wie von allein.

Die Arbeit muss überall Spaß machen, zumindest die meiste Zeit über; dennoch sind weder das Büro noch das Home Office Bespaßungszonen oder Freizeitparks. Der Home Trainer ist etwas anderes als das Home Office. Alle sind gleichberechtigt zu behandlen, nicht gleich, denn alle haben die gleichen Rechte, aber eben oft unterschiedliche Aufgaben und Rahmenbedingungen. Jede Handhabe muss diskriminierungsfrei und eben transparent, erklärbar in ihrer Unterschiedlichkeit, gelebt werden.

Michael Siebold, Senior Partner (emeritus), ARNECKE SIBETH DABELSTEIN

@ARNECKE SIBETH DABELSTEIN

Persönlicher Austausch & Flexibilität im richtigen Verhältnis

New Work bedeutet für mich, dass das Team frei und selbstständig die vorgegebenen Ziele oder Aufgaben bearbeiten kann. Das führt dazu, dass sich die Mitarbeiter ggf. weniger kontrolliert fühlen und so freier agieren und Ihre Ziele vielleicht schneller oder besser erreichen ­– oder neue Wege entdecken. Worauf man ein wenig achten sollte, ist, dass die Mitarbeiter nicht das Wesentliche aus den Augen verlieren und aus der Work Life Balance eine Life Life Balance wird. ;)

Eine Regelung wie 2 Mal die Woche haben wir jedoch nicht. Wir stimmen uns regelmäßig ab und treffen uns nach Notwendigkeit. Grundsätzlich sind wir bei uns in der eSOLUTIONS der Auffassung, dass der persönliche Austausch sehr wichtig ist. Wir haben aber auch verstanden, dass sich unsere Mitarbeiter seit Corona an das Home Office gewöhnt haben und es ihnen ein Stück weit mehr Flexibilität im Alltag bietet. Glücklicherweise hat mein Team ein tolles Gespür für das richtige Verhältnis und wann es wichtig ist im Büro zu sein. Hier treffen wir uns regelmäßig vor Ort im Headquarter oder in unseren anderen Niederlassungen.

@Merkur Interactive

Eine Präsenz-Pflicht um der Präsenz willen sehe ich daher nicht. Selbstverständlich gibt es Bereiche, bei denen die Präsenz der Mitarbeiter von Vorteil bzw. notwendig ist. Im Vertrieb zum Beispiel halte ich ein regelmäßiges Treffen und den regelmäßigen persönlichen Austausch für extrem wichtig, freue mich aber mehr, wenn die Kollegen mit unseren Kunden in direktem Kontakt sind.

Simon Otten, Sales Director, Merkur Interactive

Präsenzzeiten unersetzlich für Teamspirit und Unternehmenskultur

Flexible Arbeitsbedingungen haben stark an Bedeutung gewonnen und die traditionelle Arbeitslandschaft verändert. Eine dynamische Arbeitsgestaltung steht für die Anerkennung der neuen Bedürfnisse und Erwartungen von Arbeitnehmenden Beruf und Privatleben besser vereinbaren zu können. Sunrise bietet seinen Mitarbeitenden zeitlich und örtlich flexibles Arbeiten in der Schweiz an. In Absprache gibt es sogar die Möglichkeit, bis zu vier Wochen im Ausland zu arbeiten.

Insbesondere die jüngere Generation erwartet diese «FlexWork»-Modelle von einem modernen Arbeitgeber, weshalb ich mir nicht vorstellen kann, dass sich eine 100%-Präsenzpflicht jemals wieder durchsetzen wird. In unserem Team haben wir zwei Präsenztage definiert, an welchen wir im Büro sind. Diese Tage werden sehr geschätzt und wir nutzen sie für sämtliche Meetings, bei welchen ein persönlicher Austausch Sinn ergibt. Dazu gehört auch ein Teamlunch. Gerade nach der Fusion zwischen Sunrise und UPC hat man festgestellt, wie wichtig der persönliche Kontakt für einen guten Teamspirit und eine erfolgreiche Unternehmenskultur ist.

Gabriel Thomann, Head of Sponsoring & Events, Sunrise

@Sunrise

Individuelle Bedürfnisse

New Work bedeutet eine Veränderung, die wir dringend brauchen. Dieser Wechsel fördert Vereinbarkeit und sorgt für eine bessere Work-Life-Balance. Gleichzeitig fordert dieses Modell jedoch von den Mitarbeitern ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstständigkeit. Das ist nicht für jeden Menschen die beste Lösung. 

Einige Mitarbeiter blühen erst im Büroumfeld ihrer Kollegen zu Höchstleistungen auf, während sie zuhause vertrocknen wie eine Pflanze, die kein Licht bekommt. Das Resultat sehen wir in der Forderung einiger Unternehmen nach einer festen Präsenzpflicht. Ob New Work oder Präsenzpflicht zu mehr Motivation und Leistung führt, muss man individuell betrachten. 

Ein Indikator dafür, welche Lösung geeignet ist, können Hinweisgeber-Plattformen wie z.B. Hintsuite liefern. Mitarbeiter haben die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge etc. einzureichen - auch anonym. 

© Linvelo @ BITECC™

Bei Linvelo arbeiten wir viel remote in einem internationalen Umfeld. Die meisten unserer Mitarbeiter gestalten ihren Arbeitsplatz flexibel. Parallel profitieren einige Mitarbeiter vom direkten Umgang mit den Kollegen und der Büroatmosphäre in unserer Lingener Zentrale. 

Mein Fazit: Die Zukunft liegt in einem hybriden Modell, das sowohl Präsenz im Büro als auch Remote Work ermöglicht. Ein Modell, das den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen der Mitarbeiter und des Unternehmens entspricht.

Oleksandr Kotsyuba, Geschäftsführer, Linvelo


 

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