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13.01.2026 - 10:43

Michael Gubelmann: Der Mann, der Art on Ice behutsam modernisieren und verjüngen will

Wenn Michael Gubelmann über Musik spricht, beginnt er mit einem Lachen. «Laut Spotify bin ich 27 Jahre alt», sagt er. Der Algorithmus habe ihn so eingestuft, weil er für das aktuelle Art on Ice Programm eine Playlist auf dem Handy zusammengestellt habe. Tatsächlich ist Gubelmann 54. Und seit dem 1. Januar 2026 neuer Geschäftsführer von Art on Ice sowie der Carré Event AG.

Der ehemalige Topmanager aus der IT-Welt übernimmt die operative Führung von Mitgründer Reto Caviezel. Dieser zieht sich in die Rolle des Verwaltungsratspräsidenten zurück und will sich künftig stärker auf strategische Fragen und neue Geschäftsfelder konzentrieren. Oliver Höner, der das Unternehmen vor 30 Jahren gemeinsam mit Caviezel aufgebaut hat, bleibt als Co CEO und Showproduzent in der operativen Verantwortung.

Der Generationenwechsel erfolgt bewusst und ohne Bruch. «30 Jahre sind nicht genug, aber ein guter Zeitpunkt für eine Veränderung», sagt Caviezel. Für ihn sei der Moment gekommen, «die operativen Geschicke des eigenen Business Babys in neue Hände zu geben». Gubelmann passt ins Bild eines sanften Übergangs. Er kennt das Unternehmen. Vor drei Jahren ist er als Chief Sales and Marketing Officer eingestiegen. Zuvor prägte er als CEO von Nokia Schweiz und Österreich, als Geschäftsleitungsmitglied bei Microsoft Schweiz und als Country Manager von Citrix die hiesige Technologielandschaft.

Ein Showformat mit klarer Positionierung

Art on Ice ist kein Nischenprodukt. Rund 80’000 Tickets pro Saison, ausverkaufte Abende und ein internationales Renommee von Deutschland über Japan bis China. Und doch sieht Gubelmann das Format erklärungsbedürftig. «Viele sagen, das sei eine Eiskunstlaufgala. Gerade Männer fragen sich, was sie damit sollen», sagt er. Für ihn ist Art on Ice etwas anderes. «Unser Motto lautet Nothing Beats Live. Wir wollen die Leute weg von ihren Smartphones holen, damit sie in einen Live-Event eintauchen, der nur durch die eigenen Augen erlebt wird und sich in die Erinnerung brennt.»

Dass dieses Versprechen trägt, zeigt eine Zahl, die in der Branche aufhorchen lässt. Für die aktuelle Show wurden 18’000 Tickets verkauft, ohne dass das Publikum im Voraus wusste, welche Musik gespielt wird. Live-Musik gehört seit jeher zum Konzept. Der Inhalt entsteht im Zusammenspiel von Sport, Bühne und Orchester. «Wenn man 30 Jahre lang solche Shows macht, hat man vieles richtig gemacht», sagt Gubelmann über seinen Vorgänger.

Wurzeln bewahren, Flügel ausbreiten

Trotz des Erfolgs setzt der neue CEO auf Erneuerung. «Ich will, dass Art on Ice seine Wurzeln behält, aber auch die Flügel neu ausbreitet.» Die Modernisierung soll nicht auf Kosten der Identität gehen, sondern sie übersetzen in eine neue Zeit. Konkret bedeutet das eine umfassende digitale Erneuerung. Die Website wird überarbeitet, das Newsletter Management und das CRM-System werden neu aufgesetzt. «Unsere Kundinnen und Kunden wachsen mit uns mit», sagt Gubelmann. Das heutige Durchschnittsalter liegt bei 48. Künftig sollen verstärkt Menschen zwischen 30 und 45 angesprochen werden.

Dabei setzt er nicht auf Expansion um jeden Preis. «Wir wollen nicht weitere Stadien füllen. Ziel ist es, durch einen moderneren Ansatz mehr Vorstellungen anzubieten, die gut gefüllt oder ausverkauft sind.» Das Zürcher Hallenstadion etwa soll künftig sechs bis sieben Mal pro Saison bespielt werden. Qualität vor Fläche lautet die Maxime. Und Emotion vor Masse. «Unser Ziel sind ausverkaufte Shows und viel Emotion.»

Vom IT-Konzern zur Erlebnisökonomie

Der Wechsel aus der Technologiebranche in die Eventwelt ist für Gubelmann kein Bruch, sondern eine logische Fortsetzung. Die Mechanik sei ähnlich, sagt er. Produkte müssten klar positioniert, Zielgruppen präzise verstanden und Prozesse effizient organisiert werden. Nur stehe hier nicht Software im Zentrum, sondern ein Erlebnis. «Eine Randsportart als Show erleben und als ganzheitliches Erlebnis inszenieren», fasst er den Kern von Art on Ice zusammen.

Die beiden Unternehmen beschäftigen rund zwölf festangestellte Mitarbeitende sowie hunderte temporäre Kräfte während der Veranstaltungen. Neben Art on Ice verantwortet die Carré Event AG zahlreiche Business Events und Eigenproduktionen wie das Festival Lake and Sound in Rapperswil, das Comedy Musical „Keep Cool“ oder das immersive Format Station X.

Kontinuität im Eigentum, Wandel im Auftritt

Eigentümer bleiben Oliver Höner und Reto Caviezel zu gleichen Teilen. Auch die Rollen sind klar verteilt. Höner und Gubelmann führen operativ, Caviezel übernimmt die strategische Weiterentwicklung. «Ich freue mich auf die neue oder besser gesagt die erweiterte Aufgabe», sagt Gubelmann. «Ich habe hier das beste und motivierteste Team angetroffen, mit dem ich je gearbeitet habe.»

Der neue CEO denkt nicht in Kategorien von höher, schneller, weiter. Er denkt in Nähe, Relevanz und Erlebnisqualität. Dass er sich dabei auch von einer Spotify Playlist inspirieren lässt, ist mehr als eine Anekdote. Es zeigt, wie ernst er die Verbindung zur nächsten Generation nimmt. Nicht, um sich jünger zu geben, sondern um ein Traditionsformat in die Zukunft zu führen. Behutsam. Und mit klarer Haltung.

© Art on Ice

Kontakt
Art on Ice Production AG
Michael Gubelmann (CEO)
E-Mail: michael.gubelmann@carre.ch 
Web: artonice.com

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