Marken managen.
20.04.2026


Wie wirkt Filmproduktion im modernen Marketing?
Bewegtbild ist längst ein zentraler Bestandteil moderner Markenkommunikation. Von Imagefilm über Social Media bis hin zu erklärungsbedürftigen Inhalten: Videoformate prägen, wie Unternehmen sichtbar werden und wahrgenommen werden. Doch welche Rolle spielt dabei die strategische Konzeption – und was macht Inhalte wirklich wirksam? Im Gespräch mit Dennis Larbig, Inhaber der Medienproduktionsfirma IMAGE SOLUTIONS geht es um Storytelling, Formate und die Anforderungen an erfolgreiche Videokommunikation im Marketing.
Wie wichtig ist ein ganzheitlicher Ansatz von Konzeption bis Umsetzung für erfolgreiche Videokommunikation?
Für mich ist ein ganzheitlicher Ansatz absolut entscheidend und ehrlich gesagt oft der grösste Erfolgsfaktor. Ich sehe in der Praxis immer wieder, dass viele Projekte zu stark auf die Produktion fokussiert sind, also auf Kamera, Bildästhetik oder Schnitt. Dabei entsteht die eigentliche Wirkung viel früher. Ich starte jedes Projekt mit einer klaren strategischen Grundlage: Was ist das Ziel? Wen wollen wir erreichen? Auf welcher Plattform wird der Content ausgespielt – und in welchem Nutzungskontext? Erst wenn diese Fragen sauber beantwortet sind, ergibt alles andere Sinn. Wenn Konzeption, Kreation und Umsetzung nicht sauber ineinandergreifen, entsteht zwar oft ein visuell hochwertiges Video, aber ohne echte Wirkung. Deshalb ist für mich klar: Die Qualität eines Videos entscheidet sich nicht am Set, sondern in der Denkweise davor.
Was unterscheidet ein ästhetisches Video von einem wirklich wirksamen Marketing-Tool?
Ich unterscheide da ganz klar zwischen „schön“ und „wirksam“. Ein ästhetisches Video kann beeindruckend sein, starke Bilder haben und technisch perfekt umgesetzt sein, aber wenn es keine klare Botschaft transportiert oder keine Relevanz für die Zielgruppe hat, bleibt es letztlich wirkungslos. Ein wirksames Video hingegen verfolgt immer ein konkretes Ziel. Ich denke dabei in Kommunikation, nicht in Bildern. Das heisst: Welche Botschaft soll hängen bleiben? Welches Problem wird gelöst? Welche Handlung soll ausgelöst werden? In meiner Arbeit achte ich besonders auf drei Dinge: einen starken Einstieg in den ersten Sekunden, eine klare und verständliche Dramaturgie und eine präzise Botschaft. Ästhetik unterstützt das – aber sie ist nie der Selbstzweck. Die besten Videos sind die, die beides verbinden: visuelle Qualität und strategische Klarheit.
Welche Videoformate liefern aktuell den größten Impact für Unternehmen?
Ich sehe aktuell vor allem drei Formate, die abliefern. Und diese setze ich auch gezielt in Projekten ein. An erster Stelle steht ganz klar Short-Form Content. Kurze, prägnante Videos, die speziell für Plattformen wie LinkedIn, Instagram oder TikTok konzipiert sind. Hier geht es darum, schnell Aufmerksamkeit zu erzeugen und Inhalte auf den Punkt zu bringen. Dann spielt Thought Leadership eine immer grössere Rolle. Ich arbeite sehr viel mit Geschäftsführern, Experten oder Führungskräften, die ihre Perspektiven teilen. Diese Inhalte funktionieren extrem gut, weil sie persönlich sind und Vertrauen aufbauen. Menschen folgen lieber Menschen und nicht Marken. Und drittens sind performance-orientierte Werbevideos extrem relevant. Hier geht es weniger um Image und mehr um klare Conversion-Ziele. Diese Videos sind oft sehr strukturiert aufgebaut und werden in verschiedenen Varianten getestet, um herauszufinden, was am besten funktioniert. Ich beobachte zusätzlich, dass Recruiting-Videos und Behind-the-Scenes-Formate stark an Bedeutung gewinnen, gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und wachsendem Bedürfnis nach Authentizität.
Was müssen Inhalte leisten, um im Social-Media-Umfeld aufzufallen?
Content muss heute sofort funktionieren – sonst funktioniert er gar nicht. Wir haben es mit einer extrem kurzen Aufmerksamkeitsspanne zu tun, und Nutzer entscheiden innerhalb von Sekunden, ob sie dranbleiben oder weiterscrollen. Deshalb lege ich grossen Wert auf den Einstieg. Die ersten zwei bis drei Sekunden sind entscheidend. Hier muss ein klarer „Catch“ passieren, der visuell oder inhaltlich aus dem Feed heraussticht. Gleichzeitig muss sofort klar sein, worum es geht und warum es relevant ist. Ich vermeide bewusst lange Einleitungen oder klassische Dramaturgien. Stattdessen geht es darum, schnell Mehrwert zu liefern – sei es durch Information, Inspiration oder Unterhaltung. Ich habe auch gelernt, dass Inhalte sich der Plattform anpassen müssen, nicht umgekehrt. Ein Video, das auf LinkedIn funktioniert, muss anders gedacht sein als eines für Instagram oder TikTok. Wer das versteht, hat einen klaren Vorteil.
Wo liegen typische Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit Kunden?
Die grössten Herausforderungen liegen aus meiner Erfahrung selten in der Umsetzung, sondern fast immer in der strategischen Ausrichtung. Ein Klassiker ist eine unklare Zieldefinition. Wenn ich höre „Wir brauchen ein Imagevideo“, ist meine erste Frage immer: Wofür genau? Was soll am Ende passieren? Ein weiterer Punkt ist die Abstimmung mit vielen Entscheidern. Je mehr Personen involviert sind, desto grösser ist die Gefahr, dass die Botschaft verwässert wird. Dann entstehen Kompromisslösungen, die niemanden wirklich überzeugen. Auch die Erwartungshaltung ist oft ein Thema. Viele Unternehmen wünschen sich Hochglanzproduktionen, während die Realität der Plattformen zeigt, dass authentische, nahbare Inhalte häufig besser performen. Hier ist es wichtig, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Ich betone immer wieder, dass Videokommunikation kein einmaliges Projekt ist. Es geht nicht um „das eine perfekte Video“, sondern um kontinuierliche Inhalte, die getestet, optimiert und weiterentwickelt werden.
Welche Learnings aus euren Projekten sind für Marken besonders relevant?
Es gibt ein paar Learnings, die sich in meiner Arbeit immer wieder bestätigen. Das wichtigste ist wahrscheinlich, dass Authentizität Perfektion schlägt – vor allem im Social-Media-Kontext. Ich habe oft erlebt, dass einfach produzierte, ehrliche Inhalte deutlich besser performen als aufwendig inszenierte Hochglanzvideos. Das liegt daran, dass sie nahbarer wirken und Vertrauen schaffen. Ein weiteres grosses Learning ist die Bedeutung von Geschwindigkeit. Es ist viel effektiver, Inhalte schnell zu produzieren, zu testen und zu optimieren, als monatelang an einem einzelnen Video zu arbeiten. Ausserdem funktionieren Menschen einfach besser als Marken. Gesichter schaffen Verbindung. Deshalb setze ich, wann immer es möglich ist, auf persönliche Perspektiven und echte Protagonisten.
Welche Trends für die Zukunft der Medienproduktion zeichnen sich ab?
Ich sehe aktuell mehrere klare Entwicklungen, die die Zukunft der Medienproduktion stark prägen werden. Ein grosser Treiber ist natürlich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Ich nutze KI heute schon in vielen Bereichen – sei es für textbasierten Schnitt, Untertitel oder die Erstellung von Content-Varianten. Das ermöglicht eine ganz andere Skalierbarkeit. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus immer stärker in Richtung Content-Ökosysteme. Ich plane Produktionen so, dass aus einem Drehtag möglichst viele verschiedene Assets entstehen – für unterschiedliche Plattformen und Formate. Ein weiterer wichtiger Trend ist plattformnativer Content. Inhalte werden nicht mehr einfach angepasst, sondern von Anfang an für die jeweilige Plattform konzipiert. Das verändert die gesamte Herangehensweise. Und schliesslich wird datengetriebenes Arbeiten immer relevanter. Ich verlasse mich nicht nur auf mein Bauchgefühl, sondern analysiere sehr genau, welche Inhalte funktionieren – und leite daraus konkrete Optimierungen ab. Für mich bedeutet das, dass Kreativität wichtig bleibt, aber sie zunehmend durch Daten und Technologie ergänzt wird.
Kontakt
IMAGE SOLUTION
Dennis Larbig (Filmproduzent / Geschäftsführer)
E-Mail: dennis.larbig@image-sol.de
Web: image-sol.de











