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27.09.2022 // Raiffeisen

Nachhaltigkeit wird zum Erfolgsfaktor

Wie beurteilen Schweizer KMU die wirtschaftliche Lage? Welche Auswirkungen haben die globalen Lieferengpässe und die steigenden Energie- und Rohstoffpreise auf ihr Geschäft? Und wie gestalten sie ihre Lieferketten nachhaltiger? Diese Fragen beantwortet die KMU Mittelstandsstudie.

Schweizer KMU bleiben zuversichtlich

Steigende Preise, unsichere Konjunkturaussichten, Lieferengpässe und Personalmangel – die Liste der Herausforderungen für Unternehmerinnen und Unternehmer ist lang. Dennoch beurteilen die im Rahmen der KMU Mittelstandstudie 2022 befragten Firmen die aktuelle Situation weitgehend positiv: 66 Prozent schätzen die wirtschaftspolitische Lage in der Schweiz als gut bis sehr gut ein. Noch positiver bewerten die befragten KMU die Situation des eigenen Unternehmens. 73 Prozent melden eine gute oder sehr gute wirtschaftliche Lage und 56 Prozent konnten ihren Umsatz in den vergangenen zwölf Monaten steigern.

"Wie beurteilen Sie die aktuelle Wirtschaftslage Ihres Unternehmens?"

Trotz der wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten, die seit dem Abklingen der Pandemie in den Vordergrund gerückt sind, blicken die Befragten überraschend zuversichtlich in die Zukunft: 63 Prozent erwarten steigende Umsätze im laufenden Jahr und 67 Prozent rechnen in den nächsten drei Jahren mit einer guten bis sehr guten Geschäftsentwicklung. Das zeigt: Schweizer KMU haben gelernt, mit Krisen umzugehen und bleiben zuversichtlich, auch wenn der Druck hoch ist. Über 90 Prozent der Befragten geben denn auch an, sehr gut, gut oder zumindest einigermassen auf neue Krisen vorbereitet zu sein.

Hohe Energie- und Rohstoffpreise bereiten Sorgen

Dennoch ist eine leichte Eintrübung der Zukunftsaussichten festzustellen. Mit Blick auf die nächsten zwölf Monate gehen lediglich 49 Prozent von sehr guten oder guten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen aus. Sorgen bereiten insbesondere die steigenden Energie- und Rohstoffpreise: 84 Prozent erachten dies als grösstes Konjunkturrisiko. Entsprechend sieht auch die grosse Mehrheit in der künftigen Preisentwicklung den wichtigsten Faktor für den eigenen Geschäftserfolg.

Mit den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen verbunden sind die Engpässe in den globalen Lieferketten. Diese von der Pandemie ausgelöste Problematik hat sich durch den Krieg in der Ukraine noch weiter verstärkt. Mittlerweile betrachten 63 Prozent der Befragten die Rohstoffverfügbarkeit als Konjunkturrisiko. Die Mehrheit ist von den Auswirkungen des Krieges direkt betroffen: Über zwei Drittel beklagen Preissteigerungen bei Rohmaterialien und -komponenten, 44 Prozent Unterbrechungen von Lieferketten und 41 Prozent einen erschwerten Zugang zu Rohstoffen und Vorprodukten. Nur 21 Prozent spüren überhaupt keine Auswirkungen des Krieges.

"Was sind Ihrer Meinung nach die grössten Konjunkturrisiken in den nächsten zwölf Monaten?"

Darüber hinaus treibt vor allem der Fachkräfte- und Personalmangel die Unternehmen um. Die Situation verschärft sich zusehends und mittlerweile sehen 44 Prozent im Zugang zu Arbeitskräften ein Konjunkturrisiko. Der Anteil der Nennungen hat sich seit der letztjährigen Umfrage beinahe verdoppelt. Andere Themen, die im letzten Jahr noch brisant waren, sind hingegen in den Hintergrund getreten: Neben globalen Gesundheitsrisiken haben auch aussen- und finanzpolitische Themen an Relevanz verloren.

Wachsendes Engagement für nachhaltige Lieferketten

Durch die anhaltenden Engpässe bei der Beschaffung von Rohstoffen und Komponenten erhält die Nachhaltigkeit der eigenen Lieferketten für Schweizer KMU eine immer grössere Bedeutung. Die pünktliche Lieferung von Produkten und Dienstleistungen ist in vielen Branchen längst zu einem zentralen Einkaufskriterium für Kunden geworden. Der wichtigste Faktor bei der nachhaltigeren Gestaltung der Lieferketten ist für die Befragen denn auch die Liefersicherheit, gefolgt von der Kosteneffizienz. Höchste Priorität haben damit im aktuellen Umfeld die ökonomischen Aspekte der Nachhaltigkeit.

"Wie relevant sind die folgenden Faktoren in Bezug auf Ihre Lieferketten?"

Daneben sind auch ökologische und soziale Faktoren für eine grosse Mehrheit wichtig. Diese dürften künftig weiter an Bedeutung gewinnen, denn knapp die Hälfte der Befragten gibt an, in Zukunft jährlich zwei bis über zehn Prozent des Umsatzes in die Sozial- und Umweltverträglichkeit der Lieferketten und Produkte zu investieren. Oberste Priorität hat dabei für die meisten die CO2-Reduktion. Ebenfalls wichtig sind Themen an der Schnittstelle von Kosteneffizienz und Umweltverträglichkeit. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen beabsichtigt, in die Verbesserung der Energieeffizienz sowie in die Reduktion von Rohmaterial- und Energieverbrauch zu investieren.

Die Befragten erhoffen sich von diesen Investitionen eine Verbesserung des Aussenbildes, eine Erhöhung der Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit sowie stärkere Differenzierung im Wettbewerb. Dabei gilt es allerdings einige Hindernisse zu bewältigen – schliesslich erfordern nachhaltige Lieferketten die Mitarbeit verschiedenster Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass die befragten KMU die Motivation der eigenen Lieferanten und die Auswahl der richtigen Partner zu den grössten Herausforderungen zählen.

Nachhaltigkeit ist von hoher strategischer Bedeutung

Über die Lieferketten hinaus rücken die ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen von Nachhaltigkeit in Schweizer Unternehmen generell vermehrt in den Mittelpunkt. Die Umfrage zeigt deutlich, dass das Thema in der Breite angekommen ist: 39 Prozent erachten die Bedeutung im Unternehmen als hoch und 45 Prozent als mittel. Dabei betrachten die meisten Nachhaltigkeit als Chance – und nicht etwa als Herausforderung.

"Welche Bedeutung hat das Thema Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen und sehen Sie Nachhaltigkeit eher als Chance oder Herausforderung?"

Nachhaltigkeit ist für den Grossteil mehr als ein Lippenbekenntnis: Drei Viertel haben bereits Nachhaltigkeitsinitiativen in die Praxis umgesetzt oder tun dies zurzeit. Rund die Hälfte dieser Unternehmen verstehen Nachhaltigkeit und insbesondere nachhaltige Lieferketten schon heute als integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie. Dass die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie meist direkt in der Verantwortung des CEO liegt, verdeutlicht die strategisch hohe Bedeutung des Themas.

Als wichtigsten Treiber für Investitionen in Nachhaltigkeit geben die meisten der Befragten Eigeninitiative an. Weitere Beweggründe sind die Preisentwicklung von Rohstoffen, Energie und anderen Inputfaktoren, das gesteigerte öffentliche Umweltbewusstsein, das Engagement gegen den Klimawandel sowie der Druck von Kunden. Letztere haben offenbar einen wesentlichen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsbestrebungen: 60 Prozent der Befragten melden, dass ihre Kunden die Sozial- und Umweltverträglichkeit mittel bis sehr stark gewichten.

Energiewende und Fachkräftemangel prägen die politische Agenda

Hauptauftrag der befragten Unternehmen an die Politik ist es einmal mehr, die Beziehungen mit der EU auf ein solides Fundament zu stellen. Bereits zum vierten Mal in Folge ist dies das Top-Thema auf der politischen Agenda. Deutlich an Bedeutung gewonnen hat die Forderung an die Politik, die Energiewende voranzutreiben. Dieses Thema liegt neu auf Platz 2. Das erstaunt nicht: Versorgungsengpässe bei fossilen Brennstoffen aus dem Osten sorgen für steigende Energiepreise. Zudem blicken Industrieunternehmen besorgt auf den kommenden Winter und befürchten die Verordnung von Produktionsstopps.

"Welche sind die drei wichtigsten Themen, denen sich die Politik in den nächsten 12 Monaten widmen sollte?"

Wie bei den Konjunkturrisiken hat auch bei den politischen Themen der Fachkräftemangel an Dringlichkeit gewonnen. Mittlerweile gehört für mehr als ein Viertel die Sicherung des Fachkräftebedarfs zu den wichtigsten Anliegen an die Politik. Das macht deutlich: Die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Fachkräfte wird zum entscheidenden Faktor für weiteres Wachstum. Davon wird der künftige Erfolg der Schweizer KMU massgeblich abhängen.

Kontakt

Raiffeisen Schweiz Genossenschaft
Nathalie Baur (Gruppenleiterin Marketing Firmenkunden)
E-Mail: nathalie.baur@raiffeisen.ch
Web: raiffeisen.ch

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