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24.06.2026

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KI kennt die Ideallinie. Kreativität entsteht daneben.

Künstliche Intelligenz schreibt Texte, entwirft Bilder und liefert in Sekunden Ergebnisse, für die Teams früher Tage gebraucht haben. Je mehr die Maschine kann, desto lauter wird eine Frage: Wo bleibt der Mensch eigentlich unverzichtbar? Marvin Schenk verbindet dabei zwei Welten. Bei EBERLE & WOLLWEBER ist er Geschäftsführender Gesellschafter, mit seiner Marke KI³ trainiert er Unternehmen und Institutionen im praktischen Umgang mit KI. Im Expertview erklärt er, warum eine Maschine, die nur aus Daten ableitet, zwar die Ideallinie findet, echte Kreativität aber woanders entsteht. Im Bauchgefühl, in der Emotion und im Mut, vom optimalen Weg abzuweichen.

KI erledigt inzwischen vieles schneller als wir. Macht uns das überflüssig?
Nein. Es verschiebt nur, wofür wir gebraucht werden. Die Maschine ist großartig in allem, was eine Antwort hat. Sie wird schwächer, je weniger eindeutig die Frage ist. Welche Frage überhaupt sinnvoll ist, was am Ergebnis gut oder schlecht ist, ob etwas zu uns passt: Das entscheidet weiterhin der Mensch. KI nimmt uns Arbeit ab, aber sie nimmt uns nicht das Urteil ab. Und genau da fängt unser Job erst an.

Du sagst, eine Maschine findet die Ideallinie. Was meinst Du damit?
Das Bild habe ich mir bei Jean-Remy von Matt geliehen, dem Mitgründer von Jung von Matt. Die Ideallinie kennt man aus dem Motorsport. Sie ist der mathematisch schnellste Weg durch die Kurve. Genau so arbeitet ein KI-Modell. Es berechnet aus riesigen Datenmengen den wahrscheinlich besten Pfad und legt ihn vor. Das ist beeindruckend effizient. Aber diese Linie ist immer ein Mittelwert aus allem, was vorher schon da war. Die Maschine schaut nach hinten, um nach vorne zu rechnen. Und wer auf der Ideallinie fährt, kann nicht überholen. Alle, die sie nehmen, kommen – hart gesagt – am gleichen Punkt heraus.

Kann eine KI dann überhaupt kreativ sein?
Das hängt davon ab, was wir unter Kreativität verstehen. Wenn Kreativität heisst, Vorhandenes überraschend neu zu kombinieren, dann ja, da ist die Maschine richtig stark. Aber echte Kreativität ist mehr. Sie bricht Regeln mit Absicht. Sie hat Geschmack. Sie weiss, wann etwas vermeintlich Falsches genau richtig ist. Eine Maschine hat kein Bauchgefühl, keine Biografie, keine Angst und keine Begeisterung. Sie versteht nicht, warum eine kleine Unperfektheit Menschen manchmal mehr berührt als die perfekte Lösung. Sie optimiert. Sie fühlt nicht. Und Kreativität lebt vom Fühlen.

Wo wird der Mensch dann konkret gebraucht?
An mehreren Stellen, die sich nicht wegautomatisieren lassen. Beim Urteil, also der Entscheidung, was gut genug ist und was nicht. Bei der Verantwortung, denn eine Maschine kann nicht haften und nicht geradestehen. Beim Kontext, weil nur Menschen wissen, was in einer bestimmten Situation, für eine bestimmte Zielgruppe wirklich angemessen ist. Und beim Mut zur Abweichung. Ein Beispiel aus der Kommunikation: Die KI liefert zehn saubere Headlines, alle auf der Ideallinie. Die eine, an die man sich später erinnert, ist meistens die, die ein Risiko eingeht und ein bisschen aneckt. Diese Reibung bringt der Mensch ein, nicht das Modell.

Was heisst das für Unternehmen, die KI einsetzen wollen?
KI sollte nicht das Denken ersetzen, sondern Zeit fürs Denken schaffen. Lass die Maschine die Fleissarbeit machen, also Entwürfe, Varianten, Recherche. Und investiere die gewonnene Zeit in den menschlichen Teil, ins Beurteilen, Gewichten und Entscheiden. Die grösste Gefahr ist die Ideallinien-Falle. Wenn alle die gleichen Tools auf die gleiche Art benutzen, kommt am Ende auch bei allen der gleiche Durchschnitt heraus. Dann entsteht der Unterschied genau dort, wo der Mensch eigene Erfahrung, eigenen Geschmack und eigene Haltung einbringt. Deshalb sage ich Unternehmen immer: Bildet eure Leute aus, kauft nicht nur Werkzeuge. Ein Werkzeug macht noch keinen guten Handwerker.

Dein Fazit?
KI ist der beste Assistent, den wir je hatten. Sie ist kein Ersatz für den Menschen, sondern ein Verstärker. Je mehr die Maschine kann, desto wertvoller wird das, was sie nicht kann: fühlen, Verantwortung tragen und sich trauen. Wer das verstanden hat, muss die Technik nicht fürchten. Er nutzt sie. Und behält dabei das Wichtigste im Blick, nämlich den Menschen.


Kontakt

EBERLE & WOLLWEBER Communications GmbH
Marvin Schenk (Geschäftsführender Gesellschafter)
E-Mail: marvin@euw.de
Web: euw.de
kihochdrei.de

Weitere Interessen:

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