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2bdifferent: "Verantwortung endet nicht vor der eigenen Bürotür"

07.04.2016 - 16:32

Interview | EU-Richtlinien | Live-Kommunikations- und Event-Branche | CSR

Jürgen May, Geschäftsführer von 2bdifferent im Interview über die neuen EU-Richtlinien zur Offenlegung nicht finanzieller Informationen börsennotierter Unternehmen und wie diese die Live-Kommunikations- und Event-Branche betreffen.

Mit Hilfe der verpflichtenden CSR-Berichterstattung sollen sowohl den Share-als auch den Stakeholdern Einblicke in die Management-Strategie von Unternehmen gewährleistet werden. Unternehmen sind gefordert, Themen zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen in ihre Berichte aufzunehmen, sowie die Achtung von Menschenrechten zu deklarieren. Zudem soll die CSR-Berichterstattung auch Informationen zur Haltung gegenüber Korruption und Bestechung offen legen. Hinzu kommt die Pflicht zu begründen, nach welchen Kriterien Kandidaten für Unternehmensführung und Aufsichtsrat ausgewählt werden.

Am 15. April 2014 hat das EU-Parlament die Richtlinie zur Offenlegung nicht finanzieller Informationen börsennotierte Unternehmen, die sogenannten CSR-Berichtspflichten verabschiedet. Betreffen diese Richtlinien auch die Live-Kommunikations- und Event-Branche?
J.M.: „Die Richtlinie verpflichtet im Wesentlichen kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Versicherungen und Banken sowie Unternehmen die von öffentlichem Interesse sind und mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen. Die Live-Kommunikations- und Event-Branche ist betroffen, wenn diese Unternehmen, denen die Berichtspflicht auferlegt wurde, eine Eventkultur haben oder Sponsoringmaßnahmen umsetzen. Ziel der Berichtspflicht ist es ja, ein verantwortungsbewussteres und nachhaltigeres Handeln der Unternehmen zu fördern und dieses endet nicht „vor der eigenen Bürotür“.“

Die neuen Richtlinien betreffen insbesondere börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. Ab wann müssen diese Unternehmen den Richtlinien entsprechen?
J.M.: „Die Richtlinie der Europäischen Union (EU) zur Offenlegung von nicht-finanziellen Informationen wurde im Oktober 2014 verabschiedet. Die Bundesregierung hat bis Dezember 2016 Zeit, diese Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Diese Richtlinie wird damit erstmals wirksam für das Geschäftsjahr 2017.“

Speziell ist das die Richtlinien sich auch an die Zulieferer wenden: Bis wann müssen diese den Richtlinien „gehorchen“?
J.M.:
„Sobald die Aktivitäten eines Unternehmens bei Corporate Events, Messen, Kongressen, Tagungen sowie Sponsorings einen größeren Anteil der Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen ausmachen, müssen diese im Nachhaltigkeitsbericht erfasst werden. Die Informationen, wie bspw. zu Ressourcenverbräuchen, Materialien, Mobilitäten, Übernachtungen, Caterings etc. fordern die Unternehmen dann von den Dienstleistern und Lieferanten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“

Wie sehen Sie die Entwicklungstendenzen in der Automobil-, Finanzdienstleistungs-, und Elektronik-Branche? Gibt es Bereiche die schneller in die Umsetzung gehen müssen/werden als andere?
J.M.:
„Vor allem die Automobilbranche verlangt immer mehr Nachweise von ihren Dienstleistern und Lieferanten, ob und in welcher Art und Weise ein strukturiertes und dokumentiertes Nachhaltigkeitsprogramm vorliegt. Dies galt bisher allerdings nur für produktionsbezogene Güter und Dienstleistungen. Inzwischen wird der Nachweis zur ökologischen und sozialen Verantwortung auch von nicht-produktionsbezogenen Dienstleistern und Lieferanten gefordert. Wir beraten aktuell zwei Unternehmen aus der Live-Kommunikations- und Event-Branche, die seitens Ihres Kunden, einem Unternehmen aus der Automobilbranche, im Rahmen einer Sustainable Supply Chain Management Prüfung, in der Lieferantendatenbank vorerst gesperrt wurden. Eine Freigabe zur Abgabe von Angeboten, Lieferungen, Teilnahme an Ausschreibungen und Wettbewerbspräsentationen etc. kann erst wieder erfolgen, wenn die Mängel in der Nachhaltigkeits- und Unternehmensverantwortung in den ökologischen, sozialen und ökonomischen Bereichen behoben sind.“

Nehmen wir das Beispiel der Automobilindustrie. Welche speziellen Herausforderungen ergeben sich für die Live-Communication?
J.M.: „Gerade die Automobilindustrie steht vor einem Umbruch. Glaubwürdigkeit, Authentizität und Transparenz werden durch die Abgasskandale und alternative Antriebstechnologien immer wichtiger. Der Innovationstreiber Nachhaltigkeit wird in dieser Branche immer mehr zum Geschäftstreiber. Somit müssen Nachhaltigkeitsstrategien noch sichtbarer als bisher bei der Planung und Umsetzung von Messen, Roadshows, Händlertagungen, Presseevents und Sponsorings umgesetzt werden. Dazu werden zukünftig verstärkt Regionen und Standorte, Agenturen, Locations und Dienstleister ausgewählt, die auf eine konzeptionelle Entwicklung und Umsetzung von nachhaltigen Events ausgerichtet sind. Das dies schon in der Gegenwart angekommen ist, zeigt unser aktueller Beratungsauftrag eines Automobilhersteller, der zukünftig seine Autopräsentationen und Presseevents unter nachhaltigen Gesichtspunkten optimieren will.“

Welche Themen der Richtlinien betreffen das Sponsoring?
J.M.:
„Bei Sponsoring-Engagements, in Verbindung mit Hospitality- und Incentive-Maßnahmen, ist ein hoher Anteil an personellem Einsatz, Logistik, Mobilitäten, Übernachtungen und Caterings zu verzeichnen. Dies sind alles Bereich die einen hohen Verbrauch an Ressourcen verursachen und zudem sehr viel CO2 produzieren. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Sponsoren, insofern sie von der Berichtspflicht betroffen sind, Agenturen, Vermarkter, Travelmanagementpartner, Dienstleister und Lieferanten auffordern, entsprechende Informationen und Daten für ihre Berichtsgestaltung bereitzustellen.“

Müssen die neuen Richtlinien sofort integriert und umgesetzt werden? Und wie hoch sind die Anfangsinvestitionen?
J.M.: „Nein! Es geht nicht darum alles krampfhaft „grün“ zu machen. Es beginnt in kleinen Schritten. Zuerst ist es wichtig sich einen Überblick über den Nachhaltigkeitsstatus im eigenen Unternehmen zu verschaffen. Wo stehen wir? Welche Handlungsfelder sind für uns überhaupt relevant? Welche Maßnahmen sind für uns angemessen?“

Im ESB Newsletter werden nun regelmäßig einzelne „Schritte zur Nachhaltigkeit“  vorgestellt, um die Integration der Prozesse in der Sport- und Entertainment- Branche zu fördern. Was erwartet den Leser in Zukunft?
J.M.: „Wir zeigen auf, wie es gelingt Nachhaltigkeitsaspekte in glaubhafte und erfolgreiche Businessstrategien zu wandeln und das ein Nachhaltigkeitsmanagement nicht nur zur Verbesserung sozialer und ökologischer Belange im Unternehmen dient. Eine glaubhafte nachhaltige Positionierung schafft akquisitorisches Potential. Durch die Verankerung des Themas in den bestehenden Marketing-Aktivitäten entstehen zudem neue Dialogplattformen.“


Kontakt:
2bdifferent
Jürgen May
Gießhübelstr. 3
DE-67346 Speyer

Tel.: +49 (0) 6232 683 390
Mail: may@2bdifferent.de
Web: www.2bdifferent.de

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