3. Sport & Business Circle: Lernen vom US College Sport 19.09.2016

Wirtschaftskanzlei Lumsden & Partners | Österreichische Sporthilfe | Diskussionsrunde | 2 Kontinente - 2 Sportwelten

21:1 - so lautet das Ergebnis zwischen der Universität Berkeley und Österreich was die Medaillen bei den Olympischen Spielen in Rio betrifft. Während sich die Einen die Wunden lecken, diskutieren die Anderen, was man daraus lernen kann: die Österreichische Sporthilfe und Robin Lumsden von der Wirtschaftskanzlei Lumsden & Partners luden am 12.9. zu einer hochkarätig besetzen Diskussionsrunde zum Thema „2 Kontinente – 2 Sportwelten“.

Football-Trainer ist bestbezahlter Job an der Uni
„Es ist spannend die Sportkulturen zwischen Österreich bzw Europa und den USA zu vergleichen“, so Robin Lumsden, Rechtsanwalt und ehemaliger Tennis- und Footballprofi, der selbst an der renommierten Berkeley Universität in Kalifornien studiert hat und daher das amerikanische System aus erster Hand kennt. "Das Hauptaugenmerk in den USA liegt auf dem College Sport", so der Rechtsanwalt, der heute Mandanten sowohl in Österreich als auch in den USA berät. „In Amerika finanziert der Sport die Universität und die Universität den Sport. Sport hat ein enormes Ansehen, sowohl auf der Uni als auch in der allgemeinen Bevölkerung. In Berkeley ist der Job des Football-Trainers der bestbezahlte Job an der Uni – noch vor dem Rektor oder den sieben Nobelpreisträgern, die aktuell dort unterrichten.“

157.000 Zuseher bei einem College Football-Spiel

Auch der Stellenwert von Sportevents ist ein ganz anderer als in Österreich: Amerikanische Sportevents sind Events für die ganze Familie. Schon in frühesten Kindertagen werden Sportfans geprägt und bauen eine innige, lebenslange Beziehung zu ihrer Mannschaft auf. Welche Bedeutung der College Sport auch in der allgemeinen Bevölkerung hat, zeigt eine Zahl vom vergangenen Wochenende: Mit 157.000 Zusehern verzeichnete das College-Spiel Virginia Tech Hokies gegen Tennessee Volunteers einen neuen Rekord.

Österreichischen Athleten bleibt oft nur der Weg ins Ausland
Die Bedeutung des College-Sports sieht Lumsden insbesondere auch darin bekräftigt, dass sich „aufbauend auf den High Schools und Universitäten das US-Sportsystem zu einem Milliarden Business entwickelt hat. Die Universitäten sind die Ausbildungsakademien der Nation.“ Davon kann man in Österreich nur träumen. So bleibt den jungen österreichischen Athleten „oft kein anderer Weg, als ins Ausland zu gehen“, betont der ehemalige Basketballer Lukas Laska, der selbst vier Jahre lang in den USA studiert hat. Nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen positiven Erfahrung plädiert er daher für die aktive Unterstützung von Athleten bei der Bewerbung um Stipendien an namhaften US-amerikanischen Universitäten. Dass die Sportinfrastruktur und das Betreuungsverhältnis für Athleten an den Unis in den USA um einiges besser sind, bestätigt auch Niki Franzmair, selbst ehemaliger Student an der University of Oregon und Leichtathlet. „Einige meiner Studienkollegen haben schon Olympia- und WM-Medaillen gewonnen und bleiben trotzdem auf dem College, weil das Umfeld einfach perfekt ist,“ so Franzmair.

Es gehört zum guten Ton, sich im Sport zu engagieren
Die starke Bindung zwischen Sport und Wirtschaft sieht Michael Eschlböck, Präsident des American Football Bundes als ein wesentliches Kriterium für den Erfolg. „In den USA gehört es zum guten Ton, sich im Sport zu engagieren, sobald man wirtschaftlich erfolgreich ist. Deshalb steht auch hinter jedem Sportverein ein erfolgreicher Wirtschaftstreibender und hinter jeder Universität ein starkes Netzwerk aus der Wirtschaft“ Außerdem erkennt Eschlböck einen starken Unterschied im Umgang mit Erfolg: „Während man in Österreich den – vor allem wirtschaftlich – Erfolgreichen oft neidisch ist, geht man in der USA davon aus, dass Erfolg auf Leistung beruht. Und dem Leistungswilligen gehört die Welt.“

Nicht alles ist Gold, was glänzt
Leistungswillig sind die Athleten auch deshalb, weil der Lohn für ihre Mühen eine gute Ausbildung und das Prinzip Hoffnung sind. Denn egal wie sportlich erfolgreich ein Quarterback an der Uni auch sein mag, Geld verdient er damit keines. „Erst wer nach dem College den Sprung in den Profisport schafft, kommt an das große Geld“, gibt Lumsden zu bedenken. Das spornt zwar einerseits zu Hochleistungen an, andererseits bleiben aber viele Top-Athleten auf der Strecke. Nach vier Jahren College-Sport ist Schluss, danach kräht kein Hahn mehr nach einem. „Nicht verwunderlich, dass die Depressionsrate bei ehemaligen College-Athleten unvergleichbar hoch ist“, so Lumsden.

In Österreich: Zusammenarbeit und Ansehen des Sports stärken

Dennoch kann der österreichische Sport viel von der Herangehensweise der USA lernen, sind sich die Experten einig. „Die Sportler an der Uni werden als besonders wertvoll und clever angesehen“ so Lumsden. „Die Athleten sind an den Unis die Superstars. Spaziert man mit dem ganz speziellen grünen Rucksack, den nur die Sportler bekommen, über den Campus, drehen sich alle nach einem um“ berichtet auch Franzmaier aus eigener Erfahrung. „Diesbezüglich gibt es in Österreich noch viel Aufholbedarf,“ meint Lumsden, der das Wort Neidgesellschaft nicht in den Mund nehmen möchte, aber dennoch stark für eine bessere Zusammenarbeit der Dach- und Fachverbände sowie der Politik plädiert. „Das Engagement im Sport muss wieder attraktiv werden. Menschen müssen wieder gerne im Sport tätig sein.“

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