Octagon: das Potenzial des Frauenfussballs 27.06.2019

Kongress | Fussball | Panel

Darin herrschte Einigkeit auf der Main Stage: Das zweifellos große Potenzial des Frauenfußballs müsste und könnte hierzulande noch viel besser genutzt werden, sonst droht Deutschland – achtmal Europa-, und zweimal Weltmeister sowie Olympiasieger 2016 –, den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren.

 

 

 

Auf dem Octagon-Panel bei der 3. Spielmacher Konferenz in Hamburg sprachen die für die FIFA bereits mehrfach in WM-Organisationen involvierte Tatjana Haenni, Ressortleiterin Frauenfußball beim Schweizer Fußballverband, Tim Schumacher, Geschäftsführer VfL Wolfsburg-Fußball GmbH, und Karsten Petry, Managing Director von Octagon Deutschland, nicht nur die Probleme bei Vermarktung und Wahrnehmung des Frauenfußballs an. Sie regten vielmehr auch an, wie die Professionalisierung bei den Fußballerinnen weiter vorangetrieben werden kann.

 

„Ja, Deutschland hat auf der Verbandsebene, bei der Sponsorenpflege und bei den Vereinen, einiges aufzuholen“, sagte Petry (43) gleich in seinem Eingangsstatement. Dass die Frauen-Nationalmannschaft vor der gerade laufenden Weltmeisterschaft lange Zeit keinen Hauptsponsor hatte, sei da nur ein Indiz, ebenso wie das Ende der sportlichen Dominanz der Clubteams auf internationaler Ebene und der DFB-Auswahl. „Bis 2011 war Deutschland die führende Nation“, erklärte die Schweizerin Haenni (52), eine weltweit anerkannte Expertin, „inzwischen ist das nicht mehr so. In Frankreich und England zum Beispiel haben die Verbände viel Geld in die Hand genommen und den Frauenfußball professionalisiert“.

 

Die Folge sei, dass Spielerinnen in diesen Ländern als Vollprofis aktiv seien und nicht nebenher arbeiten oder studieren müssen. Wahrscheinlich nur einen einstelligen Prozentsatz ihres Etats müssten (Männer)- Bundesligaklubs in die Hand nehmen, um Frauenfußball professionell zu betreiben, ist sich Haenni sicher. Schumacher (45), dessen Club sich in den letzten Jahren durch den voll-professionellen Ansatz zum dominanten Verein in Deutschland entwickelt hat, stellte fest: „Noch ist die Bundesliga in der Breite die beste Liga der Welt, aber andere Ligen, vor allem England, werden für die Spielerinnen aus finanziellen Gründen immer interessanter. Die Bundesliga muss professioneller werden, sonst gehen noch mehr Spielerinnen weg.“

 

Sport-Sponsoring- und Vermarktungsexperte Petry kritisierte, dass der DFB die Heim-WM 2011 nicht genutzt habe, nachhaltig in die Nachwuchsausbildung zu investieren: „Gefühlt ist durch die sportliche Enttäuschung mit dem Aus im Viertelfinale auch das Engagement der DFB-Führung verloren gegangen.“ Um 40 Prozent habe seitdem die Anzahl der weiblichen Aktiven abgenommen. Ein Problem sei auch, dass die Premiumsponsoren des Verbandes das exklusive Recht der Männer- und der Frauennationalmannschaften haben, am Frauenfußball aber gar nicht interessiert seien. Petry würde auch von der Trennung beider Nationalteams bei der Präsentation seitens des DFB abkehren. Gemeinsame Trainings und Auftritte fehlten: „Es wäre ein Leichtes, beide Mannschaften zusammenzuführen. Warum wird da eine Grenze gezogen?“

 

Zudem biete Frauenfußball zahlreiche Geschichten, die auch für Sponsoren interessant seien. „Frauenfußball bietet eine sehr viel liberalere Plattform als Männerfußball“, sagte Petry, „wir leben schließlich in einer Epoche, in der es um Diversität geht, um Chancengleichheit für alle und jeden. Unabhängig vom Geschlecht.“ Mit den richtigen Konzepten könne man diesen Zeitgeist für sich nutzen. Und dabei bleiben bei der international stetig voranschreitenden Entwicklung des Frauenfußballs – auch wenn das Trio des Octagon-Panels unisono betonte: Am besten wäre es, die Kennzeichnung ‚Frauen’ fiele möglichst zeitnah weg. Denn: „Fußball ist Fußball. Es heißt ja auch nicht Männerfußball im allgemeinen Sprachgebrauch, so Haenni, Schumacher und Petry übereinstimmend.

Quelle: Octagon Germany

Octagon Germany
Karsten Petry  |  Managing Director
Email: karsten.petry[at]octagon.com
Tel: +49 (0)69 1504 121 21
Web: www.octagon.com/germany