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Eva-Maria Schneider - Der moderne Weg im Tennis

19.03.2019 - 11:31

Interview | Tennis | Sportverband

Als DTB-Vizepräsidentin leitet Dr. Eva-Maria Schneider neben dem Jugendsport auch das Ressort Sportentwicklung. Wir sprachen mit ihr über die Weiterentwicklung der Saisoneröffnung „Deutschland spielt Tennis“ und über den Stellenwert des Vereinssports.

 

 

 

Frau Dr. Schneider, mit Angelique Kerber und Alexander Zverev stehen zwei deutsche Tennisprofis in den Top 10 der Weltrangliste und unser Sport genießt so viel mediale Aufmerksamkeit wie lange nicht. Wie können Deutschlands Tennisvereine davon profitieren?

Für einen Verband ist es gut, solche Aushängeschilder zu haben. Damit ist es einfach leichter, die Sportart in die Öffentlichkeit zu tragen. Doch im Gegensatz zu früher ist es heute kein Selbstläufer mehr, Tennisinteressierte im nächsten Schritt dann auch in die Vereine zu bringen. Wir alle in der Kette – der Deutsche Tennis Bund, die Landesverbände, die Vereine, das einzelne Mitglied – müssen uns heute mehr anstrengen als noch vor zwanzig, dreißig Jahren. Das bedeutet, dass wir als Dachverband Angebote wie „Deutschland spielt Tennis“ nicht nur schaffen, sondern auch weiterentwickeln müssen. Es bedeutet aber auch eine verstärkte Arbeit vor Ort an der Basis. Wenn wir alle unsere Hausaufgaben machen, dann kann der gesamte deutsche Tennissport, dessen Rückgrat die Vereine sind, von den Erfolgen im Profibereich profitieren.

Welchen Stellenwert hat denn eine Vereinsaktion wie „Deutschland spielt Tennis“ nach zwölf Jahren noch – gibt es da nicht irgendwann natürliche Abnutzungserscheinungen?

Wir können auf diese Aktion nach wie vor sehr stolz sein, weil sie in Sportdeutschland noch immer eine herausragende Stellung einnimmt und die größte Vereinsaktion mit den meisten Teilnehmern darstellt. Dennoch mussten wir auf gewisse Entwicklungen reagieren. So haben wir vor zwei Jahren auf vielfachen Wunsch der Clubs hin eingeführt, dass die Saisoneröffnung nicht nur an einem einzigen Wochenende, sondern innerhalb eines Aktionszeitraums stattfinden darf. So kann sich jeder den für ihn sinnvollsten Termin aussuchen. Dieses Jahr haben wir eine neue Optik für „Deutschland spielt Tennis“ entwickelt, um moderner und zeitgemäßer zu wirken. Man muss sich da schon immer wieder etwas einfallen lassen.

Welche Vorteile für die Vereine bringt eine Teilnahme bei „Deutschland spielt Tennis“ mit sich?

Viele Vereine machen eine Saisoneröffnung, oft auch ohne bei „Deutschland spielt Tennis“ teilzunehmen. Diese Eigeninitiative ist grundsätzlich sehr positiv, keine Frage. Aber man steht doch als Organisator eines Tags der offenen Tür häufig ganz alleine vor einem riesigen Berg an Arbeit und muss sich mit Dingen wie Plakatgestaltung beschäftigen, die viel Energie und vor allem Geld kosten. Mit unserem Angebot wollen wir es den Vereinsvertretern leichter machen. Wir bieten den teilnehmenden Clubs nicht nur Anregungen und Hilfestellungen bei der Organisation einer Saisoneröffnung, wir stellen ihnen auch ganz konkret Werbematerialien wie Plakate und Anzeigen zur Verfügung. Wer will, kann sich diese im Print-Shop sogar individuell gestalten. Nicht zuletzt sind die teilnehmenden Vereine bei uns Teil eines großen Ganzen und profitieren von der überregionalen Strahlkraft der Initiative.

Sie haben auch neue Inhalte entwickelt, mit denen die Vereine erstmals Unterstützung im digitalen Bereich erhalten…

… weil das Thema „online“ schon längst eine wichtige Rolle in unseren Vereinen spielt. Damit meine ich nicht nur die Vereinswebsite, die inzwischen zum Standard im Portfolio jedes Clubs gehört. Wenn wir die etwas jüngere Generation erreichen wollen, müssen wir dorthin gehen, wo sie zu finden ist – in die sozialen Netzwerke. Deshalb haben wir eine digitale Toolbox für unsere Vereine entwickelt, in der sie unter anderem Hilfestellung dabei bekommen, sich auf Facebook und Instagram zu präsentieren. Wir bieten passend dazu auch verschiedene Bannervorlagen für diese beiden Kanäle an. Das ist für mich der moderne Weg.

Wie sehen Sie die Rolle des Vereinssports in der heutigen Zeit, in der die Bedürfnisse des Einzelnen oftmals im Vordergrund stehen?

Ich bin davon überzeugt, dass der Vereinssport und damit auch die Initiative „Deutschland spielt Tennis“ noch immer einen wichtigen Platz in unserer Gesellschaft hat. In gewisser Weise treten wir dem Zeitgeist entgegen: Im Verein lernen Kinder und Jugendliche, sich in einem Team zu positionieren und entsprechend zu verhalten, sich Ziele zu setzen und diese fokussiert zu verfolgen, Selbstvertrauen aufzubauen und sich durch Leistungen auf und neben dem Platz den Respekt der anderen zu verdienen. Wir vermitteln ihnen also Werte und Kompetenzen, die ihnen in ihrem späteren Leben privat wie beruflich helfen werden.

Wie wichtig erachten Sie die Kommunikation des Dachverbandes mit den Vereinen und auch mit den einzelnen Mitgliedern?

Für viele Vereinsvertreter ist der Deutsche Tennis Bund total weit weg, ein abgehobenes Konstrukt. Das würde ich wirklich gerne ändern und ich kann mir auch vorstellen, dass viele Spieler und Clubmitglieder gerne einen näheren Kontakt zum Spitzenverband hätten. Das ist bisher in unserem föderalen System nicht vorgesehen, aber wir müssten eigentlich viel unmittelbarer mit unserer Basis kommunizieren und Informationen austauschen. Wie das unter Berücksichtigung der Landesverbände umgesetzt werden kann, muss man sehen.

Wenn Sie sich für die Aktion „Deutschland spielt Tennis“ etwas für die Zukunft wünschen dürften, was wäre das?

Feedback! Ich hätte gerne von den Vereinen eine konstruktive Rückmeldung, was wir verbessern können, um die Aktion noch erfolgreicher zu machen. Bestimmt hat der eine oder andere Verein schon mal eine tolle Idee gehabt, die einfach umzusetzen war und besonders gut bei den Teilnehmern angekommen ist. Insofern würde ich mich über eine rege Beteiligung an unserer Evaluation freuen.

Quelle: Deutscher Tennis Bund
Foto: Lana Roßdeutscher

 

Kontakt:
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