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07.04.2020 // Alexander Klöpfer

Wie wir nahtlos von der Kurzarbeit auf Überstunden zusteuern

Aufschwung nach Covid-19.
Ein Kurzinterview mit dem Geschäftsführer der capacity gmbh, Thomas Ziwes-Strack, zur aktuellen Situation, dem derzeitigen Zustand der Live-Kommunikationsbranche und die Entwicklung in den kommenden Wochen.

ESB: Covid-19 hat die gesamte Live-Kommunikationsbranche ordentlich erschüttert. Wie siehst Du das als Geschäftsführer einer kleinen Agentur?

Ziwes-Strack: Die aktuelle Situation im Eventbusiness bzw. der Live-Kommunikation auf der kreativen, operativen und technischen Seite ist katastrophal. Nahezu 95% des planbaren Umsatzes 2020 sind mit der Einführung der staatlichen Verordnungen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens zum Erliegen gekommen. Geplante Projekte wurden teilweise gestrichen oder auf das Jahr 2021 bzw. ein noch nicht definiertes Datum verschoben. Der Umsatz bricht komplett ein, die Fixkosten laufen jedoch weiter. Ein Zustand, der nur einen begrenzten Zeitraum lang funktionieren kann. Da sind wir wohl keine Ausnahme, sondern stellen vielmehr repräsentativ die gesamte Branche dar.

ESB: Wie sind denn die direkten Auswirkungen auf euren Geschäftsbetrieb?

Ziwes-Strack: Alle Unternehmen und Kunden parken ihre Projekte, Veranstaltungen und Umsetzungen beziehungsweiseverschiebendiese schonjetzt ins kommende Jahr. Dazu schicken sie ihre Mitarbeiter nach und nach in Kurzarbeit. Große Agenturen kümmern sich um die eigenen Herausforderungen, renovieren gegebenenfalls ihr CI/CD,überarbeiten Themen, die schon lange hinter dem operativen Geschäft zurückstehen mussten und schicken ihre Mitarbeiter nach Abgeltung ihres Urlaubs auch in Kurzarbeit.

Der Bedarf an externen Experten, Beratern und Spezialisten für Projektplanung, Konzeption und Umsetzung ist dementsprechend natürlich auf nahezu Null zurückgegangen. Wir haben unsere Mitarbeiter daher leider auch in Kurzarbeit schicken müssen.

Viel dramatischer sieht es allerdings bei den Freiberuflern bzw. Solo-Selbstständigen aus. Oft genug stehen diese direkt vor dem Nichts. Natürlich gut, wenn sie ein Polster haben, um 2-3 Monate ohne Einkommen leben zu können. Die Fördermittel aber, wenn erfolgreich beantragt, sind natürlich nur ein kleines Pflaster auf einem sich jeden Tag vergrößernden Schaden. Auch mit der staatlichen Förderung kommt man da nicht lange hin.

Verzinste Kredite zur Deckung der Liquiditätslücken sind keine echte Option, da nicht davon auszugehen ist, dass man den Ausfall der vergangenen Wochen und kommenden Monate mit derselben Menge an Personal in ein paar Monaten komplett aufholen kann. Auch tut sich eine Bank mit ihrem Haftungsanteil berechtigterweise schwer, Kredite in eine Branche zu stecken, die aktuell keinen soliden Forecast machen kann.

ESB: Kommunikation ist doch vielfältig und Formate lassen sich ändern und an neue Rahmenbedingungen anpassen. Ist es daher nicht auch die Branche, die sich an diese anpassen muss?

Ziwes-Strack: Events werden nun aus der Not heraus digitalisiert, um Themen aus den Kommunikationsagenden am Leben zu halten. Viele dieser Digitalisierungsschritte waren schon lange überfällig, wurden jetzt beschleunigt und finden endlich ihren Platz in der Livekommunikation.

Livestreams von Events, voll digitalisierte Vor- / Nachkommunikation, Gästetracking auf der Veranstaltung, Einbindung mehrerer Standorte, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen, sind schon lange in den Konzepten der Agenturen zu finden, wurden aber nur zögerlich oder punktuell umgesetzt.

Hier hat jetzt ein zwangsweises Umdenken stattgefunden, bei einigen führt die aktuelle Situation sicher auch zur Überlegung, ob man die ein oder andere Präsenztagung in Zukunft nicht doch einfach voll digital durchführen sollte oder ob man zur Optimierung von Reisezeiten und Nachhaltigkeit nicht für jedes kleine Thema um die halbe Welt fliegen muss.

Aber digital kann das Live Erlebnis nicht komplett ersetzen! Wir alle kommunizieren jetzt natürlich mehr und mehr mit unseren Freunden und der Familie digital und über verschiedenste Onlineplattformen. Meine persönliche Videokonferenzquote im Privaten hat sich immens erhöht. Trotz des jetzt viel intensiveren kommunikativen Austauschs merken wir, dass uns der persönliche menschliche Kontakt fehlt und hier zeigt sich das essentielle Element von Livekommunikation... nämlich die emotionale, persönliche Aktivierung in dersozialenGemeinschaft! Die direkte Ansprachevon Mensch zu Mensch, das gemeinsame ganzheitliche Erleben mit Anderen, das die Botschaft intensiver verankert als die zweidimensionale Kommunikation via Bild und Tonübertragung.

Aus den gerade genannten Gründen sehe ich also dennoch für die Zukunft eine positive Entwicklung der Branche. Entweder sehr spät, wenn das Virus mit der Zeit und steigender Immunisierung verschwindet oder vielleicht auch schneller, sobald ein Medikament gefunden oder eine Impfung entwickelt wurde. Das ist aber eher ein Thema für die Experten aus der Epidemiologie und nicht für uns Marketing- Spezialisten.

ESB: Welche Auswirkung hat Deiner Meinung nach die Lage zukünftig für die Kommunikationsabteilungen und die Beschäftigungssituationen in den Unternehmen?

Ziwes-Strack: Themen,die auf die Warteposition geschoben wurden, müssen zukünftig mit mehr Optionen im Kommunikationsmix konkurrieren. Viele Themen, die in der Not angehalten wurden, werden sicher wieder angeschoben oder müssen an die neuen Gegebenheiten entsprechend positioniert bzw. angepasst werden. In den Abteilungen der Unternehmen und in den Agenturen muss dann plötzlich viel auf einmal passieren.

Im Jahr 2021 sehen wir daher sicher einem Zeitraum mit sehr vielen Kommunikationsanlässen entgegen. Die verschobenen Events aus diesem Jahr werden mit den schon geplanten Events 2021 um die Aufmerksamkeit der Zielgruppen buhlen. Um hier nicht mit seinen Maßnahmen unter zu gehen, sollte man rechtzeitig anfangen zu planen.

Wenn man diese Themen erst wieder zu bearbeiten beginnt, wenn 100%ig klar ist, wann und wie die kontaktbeschränkenden Maßnahmen aufgehoben werden, wird man an vielen Stellen hinten anstehen müssen. Man kann sicher gerade jetzt die freien Ressourcen der Agenturen nutzen, um den Auftritt 2021 solide und einmal ohne den sonst immer präsenten Zeitdruck zu konzipieren. Sicherlich plant man so etwas ins Ungewisse, aber eine sehr gute Konzeption anzupassen ist deutlich besser, als unter Druck etwas auf die Schnelle zu entwickeln. Ist es nicht das, was sich viele Abteilungen immer gewünscht haben? Einmal ein Projekt mit genug Vorlauf vorzubereiten?

Außerdem wird sich, basierend auf den Erfahrungen dieser Krise, der Arbeitsmarkt für Festangestellte nicht synchron mit dem Wachstum der Anforderungen entwickeln. Viele, gerade mittlere und kleine Unternehmen, werden sehr vorsichtig sein mit der Vergrößerung der eigenen festen Kosten- bzw. Personalstruktur. Diese Situation wird auch mit einem vermeintlichen „Ende“ der Krise erst einmal nicht völlig absehbar sein, auch wenn der Großteil der Experten noch immer von der V- förmigen Entwicklung des Marktes ausgeht und die Konjunktur in der Theorie nach oben schießen sollte.

Hier müssen die Unternehmen auf Freelancer, Werkverträge oder Arbeitnehmerüberlassung zurückgreifen. Dazu braucht es professionelle Teams aus Experten, Beratern, Kreativen und Projektleitern, die in der Lage sind, blitzschnell und mit dem nötigen Know-how zu unterstützen. Da das unser Kerngeschäft ist, machen wir uns über die Zukunft nach der Krise keine großen Sorgen. Der Weg bis dahin und je nachdem wie lang dieser verläuft, wird jedoch nicht einfach werden.

ESB: Klingt fast so, als würdet ihr optimistisch in die Zukunft schauen?

Ziwes-Strack: Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch und sehe eher Chancen als Risiken. Aber diese Krise zu überleben wird die Herausforderung, nicht die kommenden Aufträge und Überstunden, wenn sich der Berufsalltag wieder normalisiert. Wenn wir es schaffen durchzuhalten, bis endlich wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, dann bin ich sehr optimistisch.

Wir haben uns außerdem in den letzten Jahren schon sehr früh damit auseinander- gesetzt, was jetzt scheinbar nach der Krise relevant werden wird. Dazu zählt es, flexible Personalstrukturen aufzubauen, die hohe Risiken und Kosten vermeiden. Es wird wichtiger denn je, die richtigen Experten für die jeweiligen Themen zu rekrutieren und einzusetzen. Als selbstverständlich wird plötzlich ein flexibles (digitales) Projektmanagement, egal von welchem Ort vorausgesetzt und natürlich rückt ein gesunder Ausgleich zwischen Familie, Job und Freizeit nach der Krise in ein völlig anderes Licht und erhält wesentlich mehr Priorität im Mindset der Menschen.

Denn, wenn die Krise eine positive Erkenntnis hat, dann die, dass Entschleunigung und die richtige Balance zwischen privaten und beruflichen Zielen, wohl wesentlich wichtiger zu sein scheint, als wir bis dato immer angenommen haben!

Kontakt

capacity GmbH
Thomas Ziwes-Strack (Managing Director)
E-Mail: thomas.ziwes@capa-city.com
capa-city.com

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