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11.07.2022 // Octagon

„Nur wenn wir Unterschiede zwischen Frauen und Männern aufzeigen, können wir im Sinne der Gleichberechtigung nachziehen“

Claudia Krobitzsch, Senior Manager Diversity and Inclusion beim DFB, und Yoo-Jin Shin, Client Service Director Europe bei Octagon, zu ihren Erwartungen an die EM, die gesellschaftspolitische Bedeutung und eigene Sehgewohnheiten.

Was erwarten Sie von der EM?

Claudia Krobitzsch (CK): Ich erwarte ein Event, das weltweit wahrgenommen wird und sich nicht verstecken muss - in einem Sport, der sich etabliert hat. England ist ein super Standort; große Turniere haben dort immer einen speziellen Support. Der Fußball der Frauen ist enorm gewachsen. Ich habe bis 2019 zehn Jahre in London gelebt und konnte beobachten, wie der Fußball der Frauen als Profisport und medial immer größer geworden ist. Ich erwarte extrem viel, sowohl von der sportlichen Qualität wie auch von der Sichtbarkeit.

Yoo-Jin Shin (YJS): Ich gehe komplett mit Claudia mit. Ich bin viel in England, in London, insofern: football`s coming home! Im Vereinigten Königreich gibt es eine tolle Bewegung und Entwicklung in der Unterstützung der Frauen. Ich glaube, dass wir mehr von der Welle der vergangenen Jahre profitieren werden. Wir werden dort die Bühne für Gleichberechtigung haben. Wir sollten nicht nur auf dieses Thema schauen, aber auf jeden Fall die gesellschaftspolitische Chance nutzen, die Gleichwertigkeit von Frau und Mann stärker zu kommunizieren.

"Equality ist immer noch eine Dimension, in die viele Unternehmen reinstolpern."

Wie wichtig ist das Thema Gleichberechtigung für Ihre Sponsoren und Partner?

YJS: Insgesamt noch nicht wichtig genug. Es gibt nicht genug Unterstützung. Es gibt Partner wie Mastercard, die im Rahmen ihrer Gender Strategy seit Jahren sehr genau darauf schauen. Ihr Engagement von Fußball bis Rugby ist vom Thema Gleichberechtigung, equality, durchdrungen – und das auf einem sehr authentischen Weg. Aber es gibt viele Partner und Sponsoren, die diese Chance noch nicht ergriffen haben, zum einen über Storytelling darauf hinzuweisen und gleichzeitig die Authentizität zu beweisen, dass sie als Unternehmen auch genauso handeln – equality ist immer noch eine Dimension, in die viele Unternehmen reinstolpern.

"Es ist Fußball [...] völlig wertfrei."

Ist der Fußball der Frauen der bessere Fußball, weil er weniger kommerziell, weniger abgehoben ist als der Fußball der Männer?

CK: Gibt es einen besseren oder schlechteren? Besser oder schlechter finde ich als Kategorie schwierig, ich würde sagen: anders. Ich sprach zuletzt mit Celia Sasic, unserer Vizepräsidentin zuständig für Diversität und Gleichstellung. Sie sagte, früher sei es Frauen extrem wichtig gewesen, dass ihr Fußball nicht mit dem der Männer verglichen wird. Das seien zwei verschiedene Sportarten. Trotzdem gab es den Vergleich immer. Jetzt wünschen sich viele Frauen, dass man sagt: „Fußball der Frauen“, „Fußball der Männer“, sie wollen den Vergleich - das ist eine Sportart mit den gleichen Regeln. Es soll nicht mehr groß unterschieden werden. Das verändert sich mit dem gesellschaftlichen Diskurs und zeigt uns, wo der Fußball der Frauen jetzt steht, welchen Stellenwert er hat. Es ist der Fußball. Es gibt eine weibliche, eine männliche Variante, wie es Tennis für Frauen und Männer gibt. Völlig wertfrei.

YJS: Absolut, so sehe ich das auch. Es soll am Ende um Fußball gehen. Das wäre der Idealfall. Existierende Unterschiede muss man aber weiter aufzeigen dürfen, um irgendwann zur Gleichberechtigung zu kommen – denn wenn man Missstände nicht adressiert, kann man keine Veränderungen schaffen. Auch das Publikum ist anders – da gibt es Möglichkeiten, anders – also nicht besser oder schlechter – mit ihm zu kommunizieren und somit auch mehr Chancen zur individuellen Identifikation über spannende und authentische Persönlichkeiten zu schaffen. Das finde ich total wichtig, nicht um den Fußball der Frauen stärker zu kommerzialisieren, sondern um diese anderen, spannenden Geschichten aufzuzeigen. Lasst uns aber auch nicht vergessen: Erfolg mach attraktiv. Das ist ein Marktgesetz unabhängig vom Geschlecht. Und dafür müssen wir die Rahmenbedingungen schaffen und darauf hinarbeiten, wenn wir die richtige Bühne finden wollen.

Wie werden Sie das Turnier schauen? Steigt die Vorfreude?

YJS: Ich freue mich sehr auf das Turnier. Gerade wegen der gesellschaftspolitischen Dimension. Gleichberechtigung ist ein Mega-Thema unserer Zeit. Ich möchte sehen, wie sich der Fußball der Frauen entwickelt hat, ich möchte sehen, wie die Menschen das auf- und annehmen. Ich möchte sehen, wie das Publikum ist und sich selbst auf dieser Bühne einbringt. Schauen werde ich zuhause vor dem Fernseher, mit der Familie, und ein paar Vorurteile brechen in meinem Männerhaushalt, der denkt, der Fußball der Frauen sei langweiliger als der der Männer (lacht). 

CK: Ich bin tatsächlich live vor Ort und schaue Spiele im Stadion als Fan. Ich habe schon die WM in Frankreich 2019 in England erlebt. Alle Spiele wurden in BBC1 gezeigt, es gab kleinere public viewings, die Spielerinnen waren einfach sehr präsent, und nicht nur die Engländerinnen. Ich finde: Wenn ich es nicht zeige, kann ich es nicht gut finden. 2019 war für mich wie Fußball neu kennen lernen. Ich kannte die Spielerinnen nicht, und dachte: cool, wer ist das denn, wo spielt die Spielerin denn? Ich fand es super erfrischend. Das habe ich bei einem Champions-League-Finale der Männer nicht. Ich gehe mit Entdeckergeist in solch eine EM. Ich will Neues sehen.


Die Fragen stellte Frank Heike.

Kontakt

Octagon Germany 
Christopher Kinnel (New Business & Marketing Director)
E-Mail: christopher.kinnel@octagon.com
Web: www.octagon.com/germany

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