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21.09.2022 // Buro Happold

Maximierung der Stadioneinnahmen durch Design

Angesichts zunehmenden Wettbewerbs unter den Freizeitangeboten und steigender finanzieller Belastungen, wird es unerlässlich für Stadionmanager den maximalen Wert aus ihren Spielstätten zu holen. Wie kann das Design dazu beitragen ein Stadion zu dem Nummer 1 Anziehungspunkt für Fans zu machen und die Umsätze zu erhöhen?

Für viele Fußballfans ist der samstägliche Stadionbesuch ein Muss, die Spielstätte ihres Teams schon fast ein zweites Zuhause und der Gedanke, ein Spiel ihrer Mannschaft zu verpassen undenkbar.

Dennoch, der Wettbewerb um das Interesse der Fans wächst. Es gibt immer mehr attraktive Alternativen zum Stadionbesuch. Das lässt den Druck auf Fußballclubs, die die Umsatzströme am Laufen halten wollen, steigen. Nicht nur in kleineren Ligen erleben Clubs finanzielle Probleme, wie z.B. bei Union und Hertha Berlin der Fall.

Wie ein Stadion bespielt wird, kann darüber entscheiden, ob es ein Grab für wichtige Mittel und Ressourcen wird oder ein wertvolles Gut, das die Kassen füllt. Damit Fans mit samt Freunden und Familie das Stadion als den Ort wählen, an dem sie am Spieltag ihr Geld ausgeben, bedarf es einer kollektiven Anstrengung. Neue Technologien, verbesserte Designkompetenzen und das Nutzen von Daten sind Tools, die den Unterschied und aus reinen Veranstaltungsstätten Ausflugsziele machen können. Einige Designaspekte, die wenn man sie von Beginn eines Neu- oder Sanierungsprojektes berücksichtigt, können die Wirtschaftlichkeit eines Stadions positiv beeinflussen.

Während des Spiels: Spielatmosphäre optimieren

Damit die Stadionatmosphäre für Gänsehaut sorgt, sollte sie im Fokus des Designs stehen. Das Tottenham-Hotspur-Stadion ist eines der jüngsten Beispiele für das Design eines einzigartigen Fan-Erlebnisses. Hier wurde die Akustik auf der Heimteamseite optimiert, um das Fanerlebnis und den Heimvorteil zu steigern. Zwei wesentliche Designaspekte trugen dazu bei. Zum einen haben die Akustikpanele auf der Unterseite des Dachs den Sound so verbessert, dass die Verbindung zwischen Mannschaft und Fans gestärkt wird. Zum anderen hat das Tragwerkskonzept es ermöglicht, 17.500 Fans hinter das südliche Tor zu bekommen, die dort eine „Wall of Noise“ bilden. Die Tribüne hat keine Hospitality-Logen, was das Gefühl der Authentizität des Heimbereichs fördert. Vom Spielfeld bis zur Spitze der Tribüne erhebt sich eine durchgehende Terrasse, die die Fans zu einer einzigen Stimme vereint.

Rund ums Spiel: Food & Beverage Zonen optimieren

Oft laden die Bereiche um Spielfeld und Tribüne nicht zum Verweilen ein. In der Regel sind diese Einrichtungen einfach ausgestattet, haben ein schlechtes Angebot, langsamen Service, lange Warteschlangen und sind insgesamt weniger attraktiv als die Bars, Kneipen und Restaurants außerhalb des Stadions. Um die Umsätze eines Spieltages zu erhöhen ist es aber Ziel, die Fans früh ins Stadion zu locken und sie nach dem Spiel noch für einen Snack und Drink zu halten. Das hat nicht nur positiven Einfluss auf die Einnahmen, sondern hilft auch, die Besucherströme zur An- und Abreise über eine längere Dauer zu strecken.

Beim Design von Tottenham war dies fester Bestandteil des Designbriefings. Von Beginn an wurde beispielsweise darauf geachtet, die Bars so zu gestalten, dass die Bedienzeit reduziert und somit der Umsatz erhöht werden kann. Die einzelnen Angebote wurden auf die Demographie der Zielgruppe und den potenziellen ROI für den Club abgestimmt. Dies erlaubt es den Fans, ihr Erlebnis zu personalisieren und trägt letztlich zu einer längeren Verweildauer bei.

Um dies effizient zu realisieren, spielte das Tragwerks-Konzept eine ausschlaggebende Rolle. Die Geschosstiefen wurden durch eine Bauweise, die ein dünneres Profil für jedes Stockwerk ermöglichte, reduziert. Durch die Stapelung zusätzlicher Stockwerke konnten innerhalb der vereinbarten Planungshöhe weitere Räume hinzugefügt werden. So konnten die Hospitality-Bereiche entlang der Spielfeldlänge konzentriert werden und die Enden hinter den Toren für Zuschauerplätze freigehalten werden.

Wenn gerade kein Spiel ist: Flexibilität für alternative Nutzungen

Mit dem Angebot unterschiedlicher Nutzungszwecke kann ein wesentlicher Beitrag zur Umsatzgenerierung geleistet werden. Diese müssen beim Design von Beginn an mitgedacht werden. Im Fall Tottenham bringt das auseinanderziehbare Feld ein NFL Pitch zu Tage und somit American Football Fans ins Stadion. Durch die anfängliche Berücksichtigung im Design war keine Kompromisslösung wie z.B. bei Wembley nötig.

Um alternative Verwendungszwecke zu realisieren, kommt es häufig auf ein flexibles Raumkonzept an. Große stützenfreie Räume für Konferenzen und Bankette bedeuten für Stadionmanager eine zusätzliche Einnahmequelle während der spielfreien Tage.

Eine wirtschaftliche Balance zwischen Flexibilität, leichter Transformierbarkeit, den Kosten und des zu erwartenden Return on Investment zu finden bedarf vorausschauender Planung und Modellierung unterschiedlicher Szenarien.

 

Daten als Grundlage für Designentscheidungen

Um fundierte Entscheidungen über die Heimspielstätte zu treffen, sind Daten eine wichtige Grundlage im Designprozess. Beispielsweise können mit Tracking- und Simulationsmethoden Besucherströme abgebildet und Pressure Points identifiziert werden. Dies hilft dabei effizientere Wege zu finden, um Besucher an der Bar zu bedienen oder sie schneller durch die Drehkreuze zu bekommen.

Das Venue Performance Rating Tool erlaubt es Fans, Spielern und Stadionbetreibern zu sehen, wie das eigene Stadion im Vergleich zu seinen Rivalen performt. Anhand von 45 Kennzahlen ermöglicht es einerseits eine tiefgreifende Leistungsbewertung bestehender Stadien hinsichtlich Einnahmen, Ergebnissen und Ansehen. Andererseits ermöglicht es das Erstellen von Prognosemodellen, mit denen man mehrere Designoptionen vergleichen kann. Z.B. helfen so die Daten aus 3D Modellen von 70 unterschiedlichen Stadion-Bowls dabei die akustischen Bewertungen zu verbessern und die optimale Zuschauerdichte zu ermitteln.


Text- und Bildquelle: Buro Happold

Kontakt

Buro Happold
Veronica Günther (Marketing Manager)
E-Mail: veronica.guenther@burohappold.com

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