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27.01.2022 // HSV

HSV: Merchandising-Erlöse 2020/21 auf 16% des Gesamtumsatzes gestiegen

Im Interview mit Sascha Steinbrück (Head of Merchandising & Licensing HSV) sprechen wir u.a. über die Rolle des eCommerce beim HSV und welchen Stellenwert Nachhaltigkeit im Merchandising einnimmt.

Die Saison der 2. Bundesliga 2021/22 ist in vollem Gange. Seid ihr mit dem Anlaufen des Merchandising – und Trikotverkaufs zufrieden?
Wir sind sehr zufrieden. Wie schon in den Vorjahren können wir keinen Umsatzeinbruch feststellen. Unsere Fans stehen weiterhin in großer Anzahl hinter dem HSV und drücken diese Verbundenheit auch durch den Erwerb von Fanartikeln aus. Das ist nicht selbstverständlich, freut uns aber selbstverständlich enorm. Das ist ein großes Privileg, das wissen und schätzen wir.

Ist das Trikot noch immer der Verkaufshit Nr.1 oder holen andere Kollektionen auf?
Die Trikots sind weiterhin Topseller, allerdings seit Jahren mit rückläufiger Tendenz. Wir können diese Umsatzeinbußen aktuell komplett durch unsere eigenen Textil-Kollektionen ausgleichen. Die alltagstauglichen und modischen Textilien haben sich durchgesetzt und sind seit ca. 4 Jahren die am stärksten wachsende Produktgruppe in unserem Sortiment.

Welchen Anteil vom Umsatz macht bei euch das Merchandising aus?
Wir erzielen mit dem Merchandising normalerweise zwischen 6 % bis 10 % des Gesamtumsatzes. Durch die fehlenden Ticketing-Erlöse während der Zeit mit Spielen ohne Zuschauer ist der Anteil in der Spielzeit 2020/21 auf ca. 16 % gestiegen.

Welche Rolle spielt beim Umsatz der stationäre Handel und welche Rolle der eCommerce?
Hier gab es bereits vor der Pandemie eine deutliche Entwicklung zugunsten des eCommerce. Die Zahlen des stationären Handels waren in der vergangenen Saison wenig überraschend verheerend. Dennoch beobachten wir aktuell ein deutliches Wiedererstarken der Umsätze in unseren Fanshops, insbesondere an den Spieltagen mit Zuschauern im Herbst.  

Welche Rolle spielen Fanshops überhaupt noch?
Stationäre Fanshops werden auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen, wenn sie auch nicht mehr den Anteil am Gesamtumsatz der Vergangenheit haben. Die Leerstände in Innenstädten und Einkaufscentern könnten für eine dringend notwendige Korrektur der Mieten und so evtl. auch für das eine oder andere Comeback des stationären Handels sorgen. Ein größeres Problem könnte die Verfügbarkeit von Fachpersonal sein, welches aktuell im Einzelhandel fehlt.

Nachhaltigkeit spielt mittlerweile auch im Merchandising eine wichtige Rolle. Merkt ihr das bei der Nachfrage der Fans?
Wir stellen definitiv fest, dass unsere Fans sich mit diesem Thema verstärkt beschäftigen. Nachhaltigkeit beim HSV ist ein Prozess, der niemals abgeschlossen sein wird und bei welchem wir uns zukünftig immer wieder hinterfragen werden müssen. Im Merchandising bieten wir bereits seit längerer Zeit nachhaltige Fanartikel an. Eine aktuelle Studie der CumRatione gGmbH «Die Vereine im Ranking - So fair sind ihre Shops» bestätigte uns unlängst, dass wir auf dem richtigen Weg sind und als Drittplatzierter (von den insgesamt 36 Vereinen) in Summe schon mehr tun als viele andere Vereine. Wir sehen uns hier allerdings nicht im Wettbewerb mit anderen Vereinen, sondern pflegen untereinander einen engen Austausch und werden in naher Zukunft bei Projekten zusammenarbeiten, um gemeinsam noch schneller und besser zu werden.

Welche anderen Themen beschäftigen euch beim Merchandising & Licensing derzeit?
Aktuell kämpfen wir vor allem mit den extrem gestiegenen Rohstoff- und Transportkosten und den verlängerten Laufzeiten in der Beschaffung. Weiterhin ist es momentan fast unmöglich, Textilien in Bio-Qualität zu bestellen. Bio-Baumwolle ist schlicht nicht verfügbar. Weniger als 1% des weltweiten Anbaus ist bio-zertifiziert, die Nachfrage übersteigt dieses Angebot um ein Vielfaches. Wir werden also kurz- bis mittelfristig deutliche Probleme bei der Beschaffung unserer Produkte bekommen.

Noch immer verordnen die DFL und einige andere Vereine den Bereich Merchandising & Licensing im Arbeitskreis Sponsoring. Wann ändert sich das?
Zwischenzeitlich hatte ich das Thema bereits aufgegeben, weil es mich einfach nur noch verärgert hat und wir uns mittlerweile ganz gut selbst organisieren. Im Rahmen unserer Merchandising Messe im Volksparkstadion (übrigens die größte dieser Art in Europa) treffen wir uns regelmäßig zum Austausch. Die Merchandising-Abteilungen der Vereine sind kleine Unternehmen im Unternehmen und es gibt einen großen Bedarf, sich in Themengebieten wie Nachhaltigkeit, Lizenzen, Beschaffung, Logistik, eCommerce, stationärer Handel, B2B-Vertrieb etc. auszutauschen. Dieser Bereich ist so komplex und vielfältig, es vergeht kaum eine Woche, in welcher ich mich nicht mit einer Kolleg*in eines anderen Vereins bespreche. Es wäre nur konsequent, wenn endlich Struktur in diesen wichtigen Wissenstransfer käme.

Zum Abschluss eine Frage zur Entwicklung im Ausrüstermarkt: Die großen Sportausstatter ziehen sich bereits bei Vereinen mit kleinerem Volumen zurück und überlassen es Dienstleistungs-Agenturen bzw. kleinen Marken. Ist diese Entwicklung gut? Wie ist der HSV positioniert?
Auf dem Ausrüstermarkt ist definitiv Veränderung spürbar. Die relativ neuen Dreiecks-Konstellationen zwischen den großen Marken, den Dienstleistern und den Vereinen werden den Markt nachhaltig verändern. Einige Clubs setzen dieses System ja bereits um, und mit dem FC Schalke 04 kommt ab der nächsten Saison einer der Top-3-Clubs im Merchandising dazu. Extrem spannend, ob dieses System für alle drei Vertragspartner die optimale Lösung ist. Fest steht, dass die großen Marken ihre Sichtbarkeit dadurch wieder deutlich steigern und es den kleineren Marken schwerer gemacht wird, Zugang zu den Vereinen zu finden. Wir als HSV schauen uns das Treiben noch entspannt aus der Ferne an, da unser Vertrag mit adidas noch bis 2024 läuft und wir sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit sind.

Kontakt

HSV Fußball AG
Sascha Steinbrück (Head of Merchandising & Licensing)
Web: hsv.de

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