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09.12.2019 // ESB Marketing Netzwerk

eSport & Tourismus: “Influencer-Reichweite wird häufig unterschätzt”

Daniel Luther, Projektleiter Digital des ESB Marketing Netzwerks, ist einer der gefragtesten eSport-Berater Europas. Für Tourismusdestinationen sieht der Experte ein enormes Potential durch eSport-Events mit neuen Zielgruppen und Markenbotschaftern.

ESB: Wie groß schätzen Sie die eSport-Szene im deutschsprachigen Raum ein?

Daniel Luther: Es gibt keine verlässlichen Zahlen über die Anzahl der eSport-Fans in Deutschland, gleichwohl viele Indikatoren, die eine Richtung vorgeben. Oft verwischt die Definition zwischen Gamern und eSportlern, das muss man sich so vorstellen, Gaming ist der Breitensport und eSport dann die jeweilige Spitze davon, der leistungsbezogene Wettkampf, also Spitzensport.
Die Plattform Twitch verzeichnet 6 Millionen Unique User in der DACH-Region, davon ist ein großer Teil eSport begeistert. Ähnliche Zahlen weist die Spieleplattform Steam auf. Hier sind 11 Millionen aktive Accounts in Deutschland registriert. Selbst bei vielen Doppelnutzern, ist die Zahl beachtlich, denn Spieler von League of Legends und FIFA fallen hier nicht zwangsläufig drunter. Am Ende steht das Fazit, dass wir in Deutschland mehrere Millionen eSport-Fans haben.

ESB: Welche Chance bietet eSport für den Tourismus?

DL: Vielschichte Frage, dessen Antwort in ich vier Bereiche unterteile.
Es fängt bei den kleinen Events an. Bestehende Events können durch kleinteilige eSport-Konzepte sinnvoll erweitert werden, neue Zielgruppen werden erschlossen und Events diversifiziert.
Mittelgroße eSport-Events, bspw. LAN-Events, ziehen in der Schweiz u.a. mehr als 1.337 Teilnehmer an. Solche Events sind für viele Tourismusregionen logistisch stemmbar. In der Spitze reden wir von Mega-Events. Nach Angaben der ESL hat das Dota2-Turnier in der Commerzbank-Arena in Frankfurt mehr als 20.000 Übernachtungen generiert. Das Intel Extreme Masters in Katowice lockte 173.000 Besucher in die Region. Abschließend ist der Bereich des Influencer-Marketings nicht zu vernachlässigen. Die eSport-Influencer sind Stars ihrer Zielgruppe. Mehrere Millionen Follower auf den Socialen-Kanälen machen sie zu idealen Verkäufern und Markenbotschaftern. Der Tourismus kann sich über diesen Weg sinnvoll in Szene setzen, seine Stärken ausspielen und Image-Kamapagnen fahren.

ESB: Stichwort Aufmerksamkeit: Wie wird eSport medial wahrgenommen?

DL: In den letzten Jahren hat ein Wandel stattgefunden. Die Killerspieler von gestern, sind die Stars von heute. Vorbehalte sind trotzdem weiterhin vorhanden. Spiele wie Counter Strike werden kritisch betrachtet. Generell ist es für den eSport aktuell aber dennoch spannend neue Zielgruppen zu erschließen, dies kann über traditionelle Medien gut gelingen.  
 
ESB: Wie viele Zuseher begeistern sich vor Ort für die eSport-Events? Wie sieht das Zielpublikum aus?

DL: Die größten eSport-Events ziehen in Deutschland 20.000-30.000 Leute in die Stadien und Hallen. International war gerade erst das Olympiastadion in Peking mit 40.000 Zuschauern besucht und vor wenigen Jahren das WM-Stadion in Seoul mit knapp 50.000 Besuchern gefüllt. Der Turnierzirkus im eSport gibt mittlerweile 20-30 Megaevents pro Jahr her.
Das Zielpublikum ist Mitte Zwanzig, 20-30% sind weiblich, überdurchschnittlich gebildet und vermögend.

ESB: Kann man bald von Breitensport reden?

DL: Der DFB versammelt 91.000 Vereine unter seinem Dach. eSport ist anders strukturiert. Unser Vereinshaus heißt Teamspeak, unser Fußballplatz ist das Internet. Die klassischen Strukturen des Breitensports treffen bisher nur in wenigen Fällen zu. Es gibt tatsächlich eSport-Vereine als auch mehr und mehr Breitensportvereine begreifen den eSport als Chance. Breitensport würde ich demnach nur als Synonym nutzen.
 
ESB: Wie wird eine Tourismusdestination zum „Place to go“ für eSport?

DL: eSport ist international, die Events leben vom Publikum und der Stimmung. Viele Faktoren sind von der Destination nicht maßgeblich abhängig, weshalb es schwierig ist, diesen Status zu erreichen. Die bisherigen eSport-Events haben enorm viel Luft nach oben, wenn es um die Aktivierung des Publikums geht. Hier sehe ich gute Chancen für Destinationen, die ein passendes Rahmenprogramm anbieten.

ESB: Beispiel The Arcarde Hotel Amsterdam: Welches Potential bietet Gaming für den Tourismus?

DL: Gaming kann eine enorme Aufwertung für die Hotelindustrie werden. Wer kennt es nicht, dass man abends auf einer Geschäftsreise alleine auf dem Zimmer sitzt und vom Tag geschlaucht ist. Sich dann nicht vor den Fernseher zu setzen, sondern sich mit den Freunden daheim per Internet zum gemeinsamen Game verabreden, wertet die Zeit enorm auf. In Asien gibt es solche Hotels bereits, die holländische Version lernen wir beim Tourismus-Forum kennen. Ich bin mir sicher, dass dieser Weg von vielen Hotels in den nächsten Jahren gegangen wird.

ESB: Welche Rolle werden Digitalisierung/Gaming/neue Technologien künftig für den Tourismus haben?

DL: Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Künftig die Skipiste im Vorhinein per VR zu fahren, das Hotelzimmer bereits zu inspizieren und dann abends zum Ausklang eine Runde eSport.

Kontakt:

ESB Marketing Netzwerk
Daniel Luther
+41 223 78 82
luther@esb-online.com
esb-online.com

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