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01.04.2020 // Alexander Klöpfer

"Eine wirtschaftliche Katastrophe."​ Ungewisse Zukunft für Sport- & Entertainment-Arenen.

Anke Stephan, Geschäftsführerin der SAMSUNG Hall in Zürich und Robert Risse, Geschäftsführer der Win4 in Winterhur (CH) im Interview mit Patrick Seitter, ESB Marketing Netzwerk zur existenzbedrohenden Lage von Veranstaltungs-Arenen in der Schweiz.

Patrick Seitter: Veranstaltungsverbot aufgrund der COVID-19 Pandemie: Wie würden Sie die aktuelle Situation für Ihr Unternehmen beschreiben?

Anke Stephan: Eine wirtschaftliche Katastrophe. Wir haben faktisch seit dem 28.2.2020 ein Berufsverbot und ich sehe momentan auch keine Chancen, dass wir vor den Sommerferien wieder Grossveranstaltungen durchführen dürfen.

Robert Risse: Innerhalb kürzester Zeit wurde der komplette Eventbereich bei uns ausgelöscht. Von kurzfristigen Absagen weniger als eine Woche vor dem Event bis hin zu Absagen mit 2-3 Monaten Vorlaufzeit war alles dabei. Wir reden dabei über eine tiefe sechsstellige Summe, die auf einmal nicht mehr da ist und eine wichtige Budgetposition darstellt. Bei uns macht es gut ein Drittel der Einnahmen aus Events aus. Wir haben zwar Annullationsgebühren in den Verträgen, die Eintreibung dieser Summen ist aber aktuell recht fraglich. Zum einen von der rechtlichen Seite her und der Einstufung der Thematik und zum anderen bezüglich der Zahlungsfähigkeit der Kunden. Verprellen will man sie ja auch nicht, es ist also nicht ganz einfach.
Zudem gab es keine neuen Buchungen von Kleinevents aus dem Businessbereich, was sonst eigentlich üblich gewesen wäre. Leider kann man im Moment nicht in die Zukunft schauen bzw. etwas planen, was die Situation sehr schwierig macht. Es waren verschiedene Aktivitäten im Marketing geplant, welche jetzt aber verpuffen würden und somit ausgesetzt sind. Diese sollten neue Buchungen bestenfalls im 2. Semester schon generieren.

Patrick Seitter: Ist der Fortbestand Ihres Venues akut bedroht? Wenn ja, was muss passieren, damit es weitergehen kann?

Anke Stephan: Definitiv bedroht! Wenn diese Situation noch länger andauert, gibt es ein Massensterben im Veranstaltungsmarkt, dass die Regierung mit ihrem Handeln in Kauf nimmt!

Robert Risse: Es tut sehr weh und sollten nicht teilweise Gelder eingetrieben werden können oder Unterstützungen fliessen, kann es sehr eng werden. Wir sind ein Startup und können noch nicht auf grosse Polster zurückgreifen. Wenn das 2. Semester normal laufen kann, dann kommen wir allenfalls mit vielen blauen Flecken durch. Falls dies nicht der Fall ist, dann bin ich gespannt was durch die Gelder des Bundesrats noch abgefedert werden kann. Das sind aber auch Kredite die irgendwann abbezahlt werden müssen.

Patrick Seitter: Gab es für eine solche Situation, wie wir sie jetzt erleben eine Art Krisenplan / Worst Case Szenario?

Anke Stephan:
Nein, denn diese Situation ist für alle Neuland und keiner war für das vorbereitet!

Robert Risse: Einen solchen gravierenden Fall hatte bei uns absolut keiner auf der Rechnung. Entsprechend schwimmt man sicherlich ziemlich stark im Moment und muss schauen, dass man das beste aus der Situation machen kann. Für die Zukunft muss dieses Thema sicherlich genau aufgearbeitet und für einen allfälligen Wiederholungsfall etwas geschaffen werden.

Patrick Seitter: Gibt es zum jetzigen Stand (Ende März) schon Szenarien, wie es weitergehen kann?

Anke Stephan:
In der Schweiz warten wir auf den Entscheid des Bundesrates wie weiter nach dem 19. April und hoffen, dass er eine vernünftige Lösung anstrebt, die der Gesundheit der Risikogruppen dient und der gesamten Wirtschaft!

Robert Risse: Wir sind intensiv dran mit Veranstaltern Verschiebungstermine noch in diesem Jahr zu finden sowie neue Kunden für Ende Jahr bzw. 2021 zu gewinnen. In den Verwaltungsräten laufen intensive Diskussionen und Besprechungen von Szenarien, aktuell kann ich dazu aber noch nicht so viel sagen.

Patrick Seitter: Welche Veränderungen erwarten sie für die Sport- & Entertainmentlandschaft nach der Covid-19 Krise generell?

Anke Stephan: Grossveranstaltungen, vor allem Konzerte, werden es in den nächsten Monaten schwer haben. Den Menschen wurde durch die Medienberichterstattung viel Angst gemacht und ich denke, dass die Regierungen Grossveranstaltungen in Zukunft nur unter verschärften Auflagen durchführen lassen, die es a) teurer machen und b) vielleicht den ein oder anderen Konsumenten fern halten. Zudem wird die schwindende Wirtschaftskraft einen massiven Impact haben auf das Portemonnaie jedes Einzelnen, so dass ein Eventbesuch nicht das Erste ist für das man in Zukunft Geld ausgeben wird!

Robert Risse: Es wird ziemlich viel auf den Kopf stellen. Im Bereich Sponsoring wird es verdammt schwer in den nächsten 1-2 Jahren denke ich, was wiederum einige Events scheitern lässt. Es wird zwingend Anpassungen bei Verträgen geben müssen, um solche Fälle abbilden zu können. Ausserdem wird es zu einer Marktbereinigung kommen, da viele Event-Agenturen und Veranstalter das sicher nicht durchstehen können. Die Awareness wird sicher auch eine andere sein und das Thema Hygiene und Vorbeugung bei Anlässen wird einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Das könnte wiederum einen Einfluss auf Kosten haben. Auf der anderen Seite lernt man Veranstaltungen vielleicht mehr zu schätzen und genießt sie mit anderen Augen und Ohren. Höhere Preise wären da aber sicher fehl am Platz. Ich könnte mir auch vorstellen, dass lokale Veranstaltungen bzw. lokale Veranstalter aus Gründen der Solidarität erstmal mehr unterstützt werden. Es braucht aber sicher eine ganze Weile, bis dieser massive Einschnitt verdaut ist.

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Patrick Seitter
Seitter@esb-online.com
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