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27.04.2020 // Alexander Klöpfer

Echte und digitale Führungskräfte für die Zeit nach Corona

Ewald Manz, Partner bei ODGERS BERNDTSON im Interview mit dem ESB Marketing Netzwerk.

ESB: Sie beraten Führungskräfte im Sport und begleiten Unternehmen im Sport bei der Suche nach Führungskräften. Hat Ihr Geschäft Coronakrise-bedingt auch eine «Delle»?

Ewald Manz: Auch wir sind Teil des gesamten Ökosystems und der Wirtschaft und somit sind auch wir in unserer Beratung von den aktuellen Entwicklungen betroffen.

Dennoch haben wir in bestimmten Bereichen nach wie vor Auftragseingänge zu verzeichnen und auch noch laufende Mandate. Wir arbeiten aber noch an Besetzungen von gerade wichtigen Positionen, die nach der Krise, wenn es wieder aufwärtsgeht, wichtig für die Unternehmen sein werden.

ESB: Wie helfen Sie Unternehmen momentan dabei, sich für die «Zeit nach Corona» aufzustellen?

Ewald Manz: Getreu unserem Motto - wir bringen die richtigen Menschen zusammen - stehen wir in den letzten Wochen in noch engerem und ständigen Austausch mit allen relevanten Entscheidern. Aus den sehr unterschiedlichen Gesprächen bekommen wir viele Informationen und positive Impulse, die wir dann wieder in unser Netzwerk zurückspielen und somit Ideen und Impulse geben, wie es für die Zeit danach erfolgreich weitergehen kann.

Ein weiterer Ansatz, der sich hieraus ergibt, ist die Fragestellung, wie kann und muss ich meine bisherigen Strategien und die Art wie wir bisher unser Geschäft betrieben haben auf die neuen Gegebenheiten und Anforderungen ausrichten?

Hier stellt sich dann schnell die Frage, habe ich dafür überhaupt noch die richtige Mannschaftsaufstellung im Management, sind die Fähigkeiten und Kenntnisse meiner bestehenden Führungsmannschaft in allen Bereichen ausreichend, um für das Neue gerüstet zu sein?

Es lohnt sich dann, zuerst den Blick auf die eigenen Mitarbeiter zu richten, d.h. haben sich in den kritischen Zeiten, vielleicht welche mit Zukunfts gerichteten Fähigkeiten hervorgetan, denen ich jetzt eine Chance geben kann, um diese unter Beweis zu stellen?

Habe ich diese Möglichkeit genutzt, dann bietet sich gerade jetzt die Gelegenheit, neue Mitarbeiter mit eben jenen speziellen Fähigkeiten zu finden und zu gewinnen, die sie zuvor vielleicht in anderen Branchen, die sich bereits in der Vergangenheit schon stärker verändern oder anpassen mussten, gewonnen haben.

Ein weiteres Potential, neues innovatives und digitales Personal zu finden sind, so hart es klingen mag, jetzt Talentpools, die sich zwangsläufig ergeben werden. Es wird also vermehrt wieder Manager verfügbar geben, die seit Jahren für «normale» Unternehmen nicht mehr verfügbar waren.

ESB: Viele in der gesamten Sportbranche sind bereits in einer Existenzkrise oder könnten dahin bald kommen. Welche Fähigkeiten muss eine Führungskraft in dieser Situation zeigen?

Ewald Manz: Die heutige Herausforderung für Führungskräfte besteht darin, über die Erklärung der Fakten und Zahlen hinauszugehen und mehr mit Herz und Verstand durch die verschiedenen Phasen der Krise zu führen. Damit dies auch funktioniert, ist eine Unternehmensführung erforderlich, die entscheidend, fürsorglich und einfallsreich ist, um alle Mitarbeiter durch und nach diesem wirtschaftlichen Schock zu führen.

Moral und Vertrauen sind hierbei zwei kritische Variablen im gemeinsamen Kampf gegen den aktuellen und prognostizierten wirtschaftlichen Schock. Mitarbeiter streben nach einer klaren Führung und starken Entscheidungen, wenn das Tempo und die Art der negativen Veränderungen in der Wirtschaft die Prognose zu einer Lotterie machen.

Was benötigt wird, ist ein breites Verständnis der Führungskräfte für das, was die gesamten Mitarbeiter tatsächlich fühlen, denken, sagen und tun. Die Kommunikation, die darauf abzielt, diese grundlegenden Faktoren zu berücksichtigen, die Moral und Vertrauen ausmachen, wird letztendlich neben klugen Entscheidungen und Maßnahmen, die Grundlage für die Zeit der Besserung bilden.

Eine effektive Führung, die die Mitarbeiter durch die Erwartungen führt, sie unterstützt, ihnen Orientierung und sie bei allem ehrlich begleitet, hilft allen Mitarbeitern, sich mit der neuen Ordnung anzuvertrauen.

Die Fähigkeit, diese gemeinsame Reise zu verstehen und zu kommunizieren, wird echte Führungskräfte von Schönwetterkapitänen, nachhaltig unterscheiden.

Positives Führungsverhalten, das uns von der «turbulenten Phase» zur «Phase der neuen Ordnung« führt, obliegt nun allen Führungspersönlichkeiten. Es erfordert einen emotional intelligenten Ansatz und Fähigkeit, Moral und Selbstvertrauen gemeinsam zu heben.

ESB: Viele Mitarbeiter können im Moment nur «digital» geführt werden, welche Fähigkeiten muss sich eine Management-Persönlichkeit dazu aneignen?

Ewald Manz: So banal es klingt, aber als Führungskraft muss ich zuerst selbst in der Lage sein alle Möglichkeiten der «neuen» digitalen Kommunikation selbst zu beherrschen. Somit hat die Krise zumindest in diesem Bereich auch etwas sehr Positives, denn nie wurde die Digitalisierung der gesamten Kommunikation schneller umgesetzt als gerade jetzt. Waren MS-Teams, Slack, Zoom etc. zwar schon verbreitet, so kennt sie mittlerweile jede Führungskraft.

Die Fähigkeit zur digitalen Führung wird sicher ab sofort fester Bestandteil bei der Beurteilung einer Führungskraft sein.

Wichtig für Remote Leadership ist in erster Regel Vertrauen und indem man seine Führungsarbeit an konkreten Ergebnissen ausrichtet und nicht an Zeit und Präsenz.

Ebenso bedarf es der Fähigkeiten, Mannschaftsgeist und Motivation auch ohne persönliche Anwesenheit aufrechtzuerhalten. Führungskräfte müssen Bild und Ton gleichermaßen nutzen, um bei ihren Mitarbeitern die wichtigsten Sinnesorgane anzusprechen.

Des Weiteren muss ich auch hier Rituale schaffen und feststehende Termine, klare Beschreibung der Themen/Aufgaben etc. Neben den formalen Business Calls, muss es aber so etwas wie « Kaffeekränzchen» oder «virtual Lunch» geben, bei denen jeglicher Business Talk tabu sein sollte. Ebenso wichtig ist es, die individuelle Privat- und Intimsphäre zu berücksichtigen, und es dem Mitarbeiter zu überlassen, die Kamera Videocalls an- bzw. auszuschalten.

ESB: Gibt es -ähnlich wie bei Fussballtrainern- einen «Typus Führungskraft» für solche Krisen?

Ewald Manz: Klar jetzt ist die Zeit der «Führungsspieler», er ist derjenige auf den «die Mannschaft/die Mitarbeiter» und das Umfeld schauen. Er hat den Kopf immer oben, überblickt das Spielfeld, überblickt den Gegner, bereitet vor, leitet ein oder gibt seinem Team den entscheidenden Impuls für den nächsten Spielzug.

Er gibt klare Anweisungen und motiviert und reißt seine «Mitspieler» mit und ist auch für sie da, wenn es mal nicht so läuft wie geplant.

Aktuelle Zeiten erfordern gerade von «Führungsspielern» wirkliche Führungsstärke, deshalb eine unmissverständliche, sichtbare und spürbare Führung gerade jetzt wichtiger denn je.

Deshalb sind «Führungsspieler» auch mit einem hohen Maß an natürlicher Autorität ausgestattet, der sich ihre «Mitspieler» auch gerade in kritischen Phasen des «Spiels» automatisch und gerne unterordnen.

«Führungsspieler» zeichnen sich deshalb durch einen krisenfesten Charakter aus, die sich gerade, wenn es schwierig wird nicht «wegducken», sondern auch wenn die «Hütte» brennt, aufrecht im Orkan stehen, d.h. Manager, bei denen die Persönlichkeit den Unterschied macht, sind echte «Führungsspieler» und eben keine «Mitläufer».

ESB: Wie finden Sie solche Krisenmanager?

Ewald Manz: Zunächst ist es wichtig, zu analysieren in welcher Form der Krise sich ein Unternehmen befindet. Eine ähnliche Situation, wie wir sie aktuell erleben, hat bisher noch niemand durchgemacht. Oder kennen Sie jemanden?

Aus diesem Grund gibt es hierbei keine pauschale Herangehensweise, sondern sie muss sehr individuell auf die aktuelle Situation angepasst sein.

Wir beobachten natürlich im Detail wie sich bestimmte Manager in Krisensituationen verhalten. Welche Akzente haben sie gesetzt, wie haben sie kommuniziert, wie haben sie gehandelt, wie haben sie ihre Mitarbeiter geführt, wie haben sie innerhalb ihrer Branche richtungsweisende Veränderungen vorgenommen. Waren sie innovativ, wie war ihr Auftritt und ihre Aussagen in der Öffentlichkeit, was haben sie wirklich verändert, wie geht es dem Unternehmen heute etc. Aus diesen Informationen gewinnen wir wesentliche Hinweise auf bestimmte relevante Persönlichkeiten.

Wir werfen aber auch einen kritischen Blick auf die zweite Reihe oder andere relevante Führungskräfte im Team. Allzu oft sind es vielleicht die wahren Manager in der Krise und sie haben erfolgreich im Hintergrund gearbeitet und sind dadurch jetzt in der Lage, durch einen Wechsel in die erste Reihe zu kommen und eine vorhandene Krise in erster Reihe zu meistern.

Kontakt

ODGERS BERNDTSON
Ewald Manz (Partner)
Tel.:+ 49 89 12 47 51 70  
E-Mail: Ewald.Manz@odgersberndtson.com
www.odgersberndtson.com

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