header_octagonteaser_octagon

Startseite > Business Guides > Sport-Marketing > Begeisterung pur – aber Medienecho noch enttäuschend

21.07.2022 // Octagon

Begeisterung pur – aber Medienecho noch enttäuschend

DFB meets Octagon, Teil zwei: Vor dem Viertelfinale Deutschland vs. Österreich, sprachen Claudia Krobitzsch (CK) und Yoo-Jin Shin (YJS) über die aktuelle Begeisterung bei der EM in England, den Weg des DFB in Sachen Gleichberechtigung und die mediale Begleitung.

Claudia, das Turnier steuert auf die finale Phase zu, du bist immer noch in England, wie fällt dein Zwischenfazit aus?

CK: Ich bin immer noch total begeistert vom Turnier. Die Qualität der Spiele ist unglaublich groß. Es ist oft sehr spannend und immer erfrischend zuzuschauen.

Yoo-Jin, wie erlebst du die EURO 2022?

YJS: Ich glaube wir sehen gerade, wieviel sich in den letzten Jahren bewegt hat. Wie Claudia richtig sagt: Die Qualität ist enorm gestiegen. Und das in der Breite. Und da wir vor wenigen Wochen hier über „Unterschiede zwischen Frauen und Männern“ sprachen: Man kann sich der Tatsache einfach nicht entziehen, dass dieses Turnier bisher kaum Schwalben, Rudelbildung, Wortgefechte mit den Schiedsrichterinnen oder andere unschöne Begleiterscheinungen auf und neben dem Platz gezeigt hat. Ein sehr fairer und sportlicher Umgang. Das gefällt nicht nur mir persönlich, sondern auch vielen anderen und ist gut für den Sport. Dazu muss die Stimmung in England wirklich toll sein. Meine Kolleg:innen berichten ganz begeistert aus London - auch von sehr spannenden Partien.  

Spannend war es beim 8:0 der Engländerinnen in der Vorrunde gegen Norwegen aber nicht ...

CK: Das stimmt, aber trotzdem war es ein riesiges Fest und auch ein faires Spiel – die Norwegerinnen wurden nach dem Spiel tröstend in den Arm genommen. Die Party in Brighton war vorher schon grandios. Das Wetter war gut, eine Band hat gespielt, alle haben getanzt. Das war sehr witzig - das habe ich noch nie gesehen beim Fußball. Dazu haben Freestylerinnen mit dem Ball um die Wette jongliert. Später dann dieses Torfestival, ständige schwappte die Welle der Begeisterung durchs Stadion – ich fand es richtig, richtig gut.

Wenn du diese Schilderungen hörst, Yoo-Jin, was würdest du einem Partner raten, der jetzt in den Fußball der Frauen will?

 

"Unternehmenswerte müssen sich in die Partnerschaft übertragen. Das, was du selbst nicht lebst, kannst du nicht woanders hinterlegen."

 

YJS: Puh, das ist eine wirklich schwierige Frage – auf die ich nicht vorbereitet war! (lacht) Jedes Unternehmen, jede Marke muss das Thema selbst leben, wie Claudia es aus ihrer Organisation beschreibt: Klein anfangen, dann das Große bewegen, aber auch an der Quote arbeiten. Bereit sein, sich zu verändern, die Gedanken zu öffnen. Mein Rat: Unternehmenswerte müssen sich in die Partnerschaft übertragen. Das, was du selbst nicht lebst, kannst du nicht woanders hinterlegen. In der Partnerschaft selbst ist dann das Storytelling total wichtig – welche Botschaft habe ich? Welches Narrativ möchte ich dem Partner und dem Publikum mitgeben, um den Einfluss auf die Gesellschaft durch den Sport zu ermöglichen? Und dann sind ganz klassisch Kontinuität und Zeit wichtig.

Wie weit hat sich der DFB eigentlich in Sachen Gleichberechtigung, Diversität, Inklusion bewegt?

CK: Ich spreche für die drei Jahre, die ich hier bin. In der Zeit hat sich sehr, sehr viel getan. Die Organisation hat richtig große Schritte gemacht. Das lässt sich an vielen Dingen ablesen. Wir haben zum ersten Mal 30 Prozent Frauen im Präsidium. Vorher gab es nur eine Person im Präsidium, die nicht männlich, weiß, mittleren oder älteren Alters war. Auch im Hauptamt gibt es viele Initiativen, die sich mit Vielfalt beschäftigen. Und zwar nicht nur bei der Frauenförderung. Wir beteiligen uns aktiv am Pride-Monat. Wir haben Ende Juni die Progessive Flag vorgestellt und wir arbeiten ganz eng mit der LGBTIQ-Community zusammen. Wir hatten auch einen Bus auf dem Christopher Street Day am vergangenen Wochenende in Frankfurt. Das war ein großer Schritt. Auch intern im Umgang miteinander merke ich, dass das Thema viel mehr mitgedacht wird – bei Anfragen, die aus dem Haus an mich kommen: Was können wir noch machen, um jemanden einzubeziehen, wie gendere ich richtig – kleine Dinge, an denen ich ein Umdenken feststelle. Wie Menschen sich in ihrer eigenen Arbeit bewusst werden: Warte mal, das passt nicht so ganz, da habe ich ein Störgefühl und frage nach.

Nimmst du aus England auch eine Gleichberechtigung in der Berichterstattung über das deutsche Team wahr?

"In der Berichterstattung zu unserer Nationalmannschaft und dem ganzen Turnier geht auf jeden Fall noch mehr."

CK: Also erst einmal finde ich es gut, dass man das Turnier in Deutschland unkompliziert sehen kann – das war ja nicht immer so. Aber zu deiner Frage: Ich bin enttäuscht von der medialen Begleitung. In der Berichterstattung zu unserer Nationalmannschaft und dem ganzen Turnier geht auf jeden Fall noch mehr. Wenn man sieht, wie das deutsche Team in das Turnier gestartet ist, und wie darüber berichtet wird, ist das zwar positiv und erfreut, aber nicht in dem Umfang, wie es bei einer EM im Fußball der Männer sein würde. Das finde ich weiterhin sehr enttäuschend.   

Yoo-Jin, wie ergeht es Dir aus Hamburg heraus? 

YJS: Über die öffentlich-rechtlichen und die Mediatheken kann ich die Spiele verfolgen und u.a. auf YouTube die Highlights schauen. Das Angebot ist da, aber natürlich sehe ich schon auch, dass das Turnier nicht im Ansatz so präsent ist, wie es das Pendant der Männer wäre. Das finde ich einerseits schade, freue mich aber auch über die neuen Höchstwerte bei den Einschaltquoten und den noch zu erwartenden Anstieg, wenn die deutsche Mannschaft weiter so dominant und erfolgreich kickt. Und aus dem Sport heraus passiert viel: Der Social Media Auftritt unserer Mannschaft hat hohen Unterhaltungswert. Das tut den Fans gut und hilft natürlich auch den Spielerinnen, ihre Fanbase auszubauen. Auch Partner legen sich kommunikativ ins Zeug: Siehe Volkswagens #KeinFrauenfußball, was nicht nur aufmerksamkeitsstark, sondern auch inhaltlich aufgeladen ist. Kurzum: Ich stelle einen Anstieg des Interesses und des Angebots fest. Dazu steigt die Fußballerische Qualität enorm. Ich freue mich auf die nächsten Wochen und hoffe wirklich, dass wir hier gerade etwas Bleibendes erleben.

Und wir werden weiter darüber sprechen. Vielen Dank Euch beiden bis hierhin. 


Die Fragen stellte Frank Heike.

Kontakt

Octagon Germany 
Christopher Kinnel (New Business & Marketing Director)
E-Mail: christopher.kinnel@octagon.com
Web: www.octagon.com/germany

logo_octagon

Verwandte Guides

Lädt...
News
teaser_octagon

„Nur wenn wir Unterschiede zwischen Frauen und Männern aufzeigen, können wir im Sinne der Gleichberechtigung nachziehen“

Claudia Krobitzsch, Senior Manager Diversity and Inclusion beim DFB, und Yoo-Jin Shin, Client Service Director Europe bei Octagon, zu ihren Erwartungen an die EM, die gesellschaftspolitische Bedeutung und eigene Sehgewohnheiten.

11.07.2022

News
teaser_spo

Sponsoring-Strategien im Frauensport

Von gleicher Bezahlung bis hin zu Rekord-Zuschauerzahlen und neuen Medienangeboten steht der Frauensport aktuell im öffentlichen Diskurs. Die ESB hat sich bei ihren Markenpartnern im Netzwerk erkundigt, wo sie Sponsoring im Frauensport betreiben und was ihre Gründe für diese Engagements sind.

30.03.2022

News
vw_teaser

#KeinFrauenfußball: Volkswagen startet zur EM provokante Kampagne für mehr Gleichberechtigung

Zum Start der UEFA Women’s EURO 2022 weist Volkswagen als offizieller Mobilitätspartner des Turniers und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit einer neuen Kampagne auf bestehende Ungleichheiten im Fußball hin.

12.07.2022

News

«Frauenfussball? Interessiert ja eh niemanden.» - Sagt wer?

Anpfiff für eine visionäre Partnerschaft: Gemeinsam mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) will die AXA Schweiz den Frauenfussball auf das nächste Level bringen. Als erste Partnerin der höchsten Schweizer Frauenfussballliga, neu «AXA Women’s Super League», steht die AXA für Diversität und Gleichstellung. 

30.03.2022

arrow-up